Risikoberichterstattung: Nur die Vorgaben zu erfüllen ist gefährlich

Mehrwert durch Risikoberichterstattung

Banken brauchen gute Analyse-Tools um Risiken auszuschalten

Keyfacts über Berichterstattung

  • Regulierer verschärfen Rahmenbedingungen
  • Banken fehlen adressatengerechte Berichtsstrukturen
  • Berichtsabteilungen nutzen zu wenig digitale Analyse-Tools
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Historisch gewachsen – so heißt es oft, wenn man sich die Risikoberichterstattung bei Banken ansieht. Egal ob es sich dabei um Berichtsprozesse, die Struktur von Berichtslandschaften oder die Darstellung von Berichtsinhalten handelt. Die Folgen sind in vielen Instituten unübersehbar: Berichtsdaten stehen nicht konsistent zur Verfügung, lange Berichtsprozessschleifen gehören zum Alltag. Für das Management ist dies ein Problem: Fundierte Risikoentscheidungen können oftmals nur mit enormen Ressourcenaufwand und Zeitverzug getroffen werden. Hinzu kommt, dass sich die regulatorischen Rahmenbedingungen kontinuierlich verschärfen. Der Baseler Ausschuss hat mit BCBS 239 ebenso wie die BaFin mit den MaRisk die Anforderungen an die Risikoberichterstattung angezogen.

Berichterstattung muss über regulatorische Vorgaben hinausgehen

Die regulatorischen Rahmenbedingungen zu erfüllen, ist das eine. Um daraus eine sinnvolle Berichterstattung zu formen, die zum Erfolg des Unternehmens beiträgt, braucht es mehr. Die Berichtsempfänger benötigen eine klare, adressatengerechte, top-down-getriebene Berichtsstruktur. Dies können Banken nur erreichen, wenn sie sich interne Standards schaffen. Eine individuell zugeschnittene Layout- und Kommentierungsrichtlinie ist eine gute Grundlage für solch eine einheitliche und intuitive Berichterstattung – immer mit dem Ziel vor Augen, adressatengerechte Berichtsstrukturen zu etablieren.

4-10

Wochen dauert es heute gewöhnlich, bis Risikoberichte ihren Empfänger erreichen.

Wenn für den Berichtsempfänger die wesentlichen Informationen nicht transparent sind, weil sie in einer Masse an Berichten untergehen, dann läuft etwas falsch. Denn um sinnvoll steuern zu können, brauchen Entscheidungsträger zukunftsorientierte Berichtsinhalte mit dynamischen Themenschwerpunkten. Die steuerungsrelevanten Informationen sollten in einem übergreifenden Risikobericht gebündelt werden, Details in entsprechend zugeschnittenen Einzelberichten. Auch das Verhältnis zwischen Informationen und Empfehlungen muss stimmen. Oft fehlen eine Analyse oder Würdigung der beobachteten Entwicklungen.

Neue Analyse-Tools ermöglichen bessere Entscheidungen

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind in vielen Berichtsabteilungen noch nicht angekommen. Berichte liegen zum Teil nur in Papierform oder als PDF vor. Daten werden weder granular noch konsistent abgelegt. Flexible Analysemöglichkeiten sind so nicht gegeben. Eine zukunftsgerichtete Risikoberichterstattung braucht eine konsistente Taxonomie und eine normierte, granulare Datenhaltung. Erst die Integration von automatisierten digitalen Reporting-Lösungen (Business Intelligence) in die Risikoberichterstattung hebt diese samt Anwendungsmöglichkeiten auf ein neues Niveau. Durch flexible Auswertung und Anpassbarkeit steigert sich die Effizienz. Davon profitiert das Management direkt – durch standortunabhängige Zugriffsmöglichkeiten auf wichtige Informationen und die Möglichkeit, selbst Auswertungen durchzuführen.

Für eine effektive Risikosteuerung ist auch die Zeitnähe der Information relevant. Aufsicht und Vorstand benötigen sofortige Antworten auf akute Fragestellungen. Implizit erwartet auch die Aufsicht die Automatisierung und die Auswertbarkeit flexibler Stichtage, insbesondere für Stressphasen. Die Bereitstellung breit angelegten Daten aus verschiedenen Risikoarten, nach teilweise immer anderen Aufrissen, stellt eine der größten Herausforderungen dar. Sie ist oft nur mit enormem Ressourcenaufwand und signifikantem Zeitverzug möglich. Die Risikoberichterstattung muss auch hierfür an zentraler Stelle in einer integrierten IT-Architektur flexibel gestaltbar sein. Self-Service BI ermöglicht Hintergrundanalysen und die Beantwortung von Ad-hoc-Anfragen durch flexible und granulare Auswertungen. So kann der Berichtsempfänger auch außerhalb der Berichtsstichtage auf eine fundierte kurzfristige Risikoeinschätzung bauen.

Datenbasis enorm wichtig für zukünftiges Wachstum

Für gewissenhafte Entscheidungen muss sich der Berichtsempfänger der Vollständigkeit, Genauigkeit und Aktualität der ausgewiesenen Risikoinformationen bewusst sein. Dies rückt eine umfassende Governance, Prozesse und eine automatisierte und lückenlose Kontrolllandschaft in den Fokus. Jedoch zeigt die aktuelle Situation, dass in vielen Banken die Qualität der Daten oft nicht lückenlos messbar und transparent ist. Aber nur wenn Berichte auf einer belastbaren Datenbasis aufsetzen, können Entscheidungsträger effektiv damit steuern.

Bald schon werden Watson und Co. die Risikoberichterstattung revolutionieren. Konkrete Anwendungsbeispiele ergeben sich unter anderem in der Automatisierung oder der Unterstützung von Risikoanalysten. Zum Beispiel bei ad-hoc-Anfragen, Szenarioanalysen oder Portfolioanalysen im Kontext von Risikokonzentrationen. Nur wer diesem Evolutionspfad folgt, wird auch in Zukunft konkurrenzfähig sein.

Weitere relevante Informationen zur Risikoberichterstattung finden Sie hier.

04. Juli 2017
Zusammengefasst

»Wenn für den Berichtsempfänger die wesentlichen Informationen nicht transparent sind, weil sie in einer Masse an Berichten untergehen, dann läuft etwas falsch. Damit Entscheidungsträger sinnvoll steuern können, brauchen sie Berichte mit dynamischen Themenschwerpunkten und mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Informationen und Empfehlungen. «

Die Risikoberichterstattung vieler Banken läuft noch nicht rund. Viele Institute sehen in ihr nur gestiegene regulatorische Anforderungen, die es zu erfüllen gilt. Flexible Analysemöglichkeiten für das Management? Fehlanzeige. Eine vertane Chance, denn eine moderne Risikoberichterstattung ist die ideale Grundlage für gute Entscheidungen.

Marco Lenhardt Partner, Advisory
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Kommentare

Ist die Risikoberichterstattung der Banken sinnvoll ausgerichtet?

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