Sarbanes-Oxley Act: Kaum gemocht, oft verkannt

SOX: Kaum gemocht, oft verkannt

Darum ist die US-Regulierung für die Interne Revision Gold wert.

Keyfacts über Sarbanes-Oxley Act

  • Regulierung kann für interne Prozesse benutzt werden
  • SOX ist eine wertvolle Daten- und Informationsquelle
  • Interne Revision kann durch SOX die eigene Leistungsfähigkeit steigern
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23. Januar 2017

Als der Sarbanes-Oxley Act (SOX) im Jahr 2002 vom US-Kongress verabschiedet wurde, stöhnten nicht wenige Entscheider in Unternehmen auf. Sie fürchteten, in einer sich anbahnenden weiteren Dokumentations-Flut zusehends unterzugehen. Bis heute hat sich das Image von SOX als Bürokratie-Monster kaum gebessert. Mehr noch: Unsere Erfahrung zeigt, dass die Praxis ihrer eigenen Prophezeiung vielfach gefolgt ist. Dabei kann SOX insbesondere für die Interne Revision, aber auch für die Standardisierung von Prozessen, Gold wert sein.

Lästige Pflicht, willkommene Gelegenheit

Wir erinnern uns an „Ursprünglich wurde SOX eingeführt, um die Verlässlichkeit der Unternehmensberichte für börsennotierte Unternehmen zu steigern und das Anleger-Vertrauen in die veröffentlichten Zahlen am US-Markt zurückzugewinnen. Das war bitter nötig, zumal Investoren nach dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er stark verunsichert waren.

Seit 2006 muss die Geschäftsleitung von öffentlich gelisteten Unternehmen, die in den USA tätig sind sowie ihrer nationalen und internationalen Tochterunternehmen, bekanntermaßen der Securities and Exchange Commission (SEC) eine Beurteilung der Wirksamkeit des internen Kontrollsystems für die Rechnungslegung vorlegen.

Wie so viele Vorschriften hat sich SOX in der Praxis seither zu einer lästigen Pflicht entwickelt. Entsprechend gering ist die Wertschätzung für die Übung bei vielen unserer Mandanten. Dabei kann besonders die Interne Revision, sofern involviert, wertvolle Informationen aus den für die Beurteilung notwendigen SOX-Aktivitäten ziehen – so z.B. die Arbeitsweise der Abteilung und Standardisierung, die Effektivität von Kommunikation oder der Abgleich unternehmensweiter Kontrollpraktiken.

Doch die Erfahrung zeigt, dass sich Unternehmen nach wie vor schwer damit tun, die Potentiale aus SOX-Aktivitäten zu erkennen und  nutzbar machen.

Dabei sind diese Potentiale vielschichtig: So bietet SOX die einzigartige Gelegenheit, unternehmensweit einheitliche strukturierte Informationen über Kontrollen und Prozesse zu sammeln.

Die Informationen können, wenn richtig erhoben, gebündelt ausgewertet und beispielsweise für die Bemessung interner oder externer Benchmarks genutzt werden. Doch das ist nicht alles: Die Erkenntnisse aus der Implementierung oder der Prüfung von Kontrollen kann beim Transfer von etablierten Prozessen für die Standardisierung als Effizienz-Effekt genutzt werden. Das fördert zusätzlich den innerbetrieblichen Austausch von bewährten Praktiken.

Der Kontakt zu den unterschiedlichen Stakeholdern im Unternehmen ermöglicht es, zusätzliche Informationen über das Unternehmen zu sammeln: Besteht Schulungsbedarf? Existieren Kommunikationsschwächen? Relevante unternehmenskulturelle Unterschiede? Wo bestehen gleichartige Probleme?

Darüber hinaus sollte die Interne Revision im Rahmen von SOX-Prüfungen die Gelegenheit nutzen, Daten und Informationen über die eigene Arbeitsweise zu Verbesserungszwecken zu sammeln.

Damit die Potentiale in einem größtmöglichen Umfang genutzt werden können, gilt es allerdings eine Reihe von Voraussetzungen zu erfüllen. Am Anfang steht dabei das nötige kulturelle Verständnis für den Wert dieser Übung.

Ferner bedarf es einer geeigneten Strategie zur Nutzung der Informationen, die von den SOX-Maßnahmen erwartet werden. Für die Umsetzung wiederum sind geeignete Werkzeuge zur Erhebung und Auswertung, beispielsweise in Form sauber gestalteter Testing Sheets, von Nöten.

So kann über SOX nicht nur rechtlichen Vorschriften Genüge getan und die Sicherheit der Rechnungslegung erhöht, sondern die laufende Verbesserung und effiziente Standardisierung von Prozessen erreicht werden. Es bietet also insbesondere für die Interne Revision die Chance, sich im Unternehmen mehrwertstiftend zu profilieren.

Wichtig hierbei: Revisoren sollten sich die Zeit nehmen, dieses Thema strukturiert vorzubereiten und als Chance begreifen, ihr eigenes Profil im Unternehmen zu schärfen.

Zusammengefasst

»SOX erhöht nicht nur den Dokumentationsgrad für Kontrollen, sondern gleichzeitig im Regelfall auch den Börsenwert eines Unternehmens.«

Als die Dotcom-Blase in den frühen 2000er Jahren platzte und Enron aufgrund des Bilanzskandals von der Bildfläche verschwand, waren viele Marktteilnehmer verunsichert. Die US-Regierung erließ 2002 den Sarbanes-Oxley Act (SOX), um die Verlässlichkeit von Unternehmensberichten zu steigern. Die Unternehmen waren nicht sonderlich glücklich und sind es bis heute nicht. Für sie ist SOX eine bürokratische Belastung – ohne das tatsächliche unternehmerische Wertsteigerungspotential zu erkennen.

Ulf Lipske Director Audit
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