Schifffahrtsbranche: Auf Umweltkurs

Schifffahrtsbranche: Auf Umweltkurs

Für 2018 müssen Schiffsbetreiber erstmals CO2-Emissionsberichte vorlegen

Keyfacts über CO2-Emissionen

  • EU nimmt Schifffahrtsbranche in die Pflicht
  • Berichterstattung und Verifizierung von CO2-Emissionen
  • Alternative Schiffsantriebe weisen den Weg in die Zukunft
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Während Elektromobilität auf der Straße langsam ankommt, tut sich auf hoher See nur wenig. Emissionsarme Schiffsantriebe sind – bis auf wenige Pilotprojekte – nicht existent. Dabei steigt der Seeverkehr weltweit Jahr für Jahr kontinuierlich an: Rund 90 Prozent des Welthandels wird auf dem Seeweg abgewickelt. Mit Auswirkungen auf Weltwirtschaft und Klima.

Die regulatorischen Anforderungen an die Branche zur Verringerung von Schadstoffemissionen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Dennoch haben die großen Tanker auf den Weltmeeren kein besonders gutes Image, wenn es um Klima- und Umweltschutz geht. Das hat Gründe: Die zeitweilig niedrigen Bunkerpreise haben das Thema Kraftstoffeffizienz wieder in den Hintergrund rücken lassen. Zudem schafft die wirtschaftlich angespannte Situation vieler Reedereien kein günstiges Klima für dringend benötigte Innovationen. Dazu kommt, dass Schifffahrt und Luftverkehr als einzige Sektoren aus den Reduktionszielen des Pariser Klimaabkommens ausgenommen sind.

Ab Berichtsjahr 2018: CO2-Emissionen von Schiffen werden transparent

Im Rahmen der europäischen Klimaschutzstrategie greift nun eine EU-Verordnung, die die Erfassung, Berichterstattung und Verifizierung von CO2-Emissionen von Schiffen auf Fahrten von und zu EU-Häfen verlangt. Die in allen EU-Mitgliedsländern unmittelbar geltende Verordnung regelt Pflichten zur Erfassung und Berichterstattung der jährlichen Treibhausgasemissionen, sie enthält jedoch noch keine Pflicht zur Reduktion der Treibhausgase. Verpflichtend ist im Gegenzug die externe Verifizierung des jährlichen Berichts durch eine akkreditierte Prüfstelle. Parallel dazu hat die Internationale Maritime Organisation (IMO) ein „Data Collection System“ zur Erfassung der CO2-Emissionen aus dem Seeverkehr auf den Weg gebracht, welches vorsieht, die Emissionen von großen Schiffen ab 2019 zu erheben und an den jeweiligen Flaggenstaat zu melden.

Internationale Maritime Organisation (IMO) unter Zugzwang

Druck kommt auch von Seiten des Europäischen Parlaments: Anfang 2017 hat es mit knapper Mehrheit eine Reform des europäischen Emissionshandelssystems (ETS) für den Zeitraum 2021 bis 2030 beschlossen – mit deutlichen Verschärfungen für die Seeschifffahrt.

Zwar ist eine Einbeziehung des Seeverkehrs in die nächste Handelsperiode des Emissionshandels offensichtlich vom Tisch. Der EU-Beschluss sieht jedoch vor, die Branche ab 2023 in den Handel einzubeziehen, wenn die IMO nicht bis 2021 ein dem ETS vergleichbares System auf den Weg bringt.

Katrin Mathias, Manager, Governance & Assurance Services, beschreibt es so: „Die neuen Reportinganforderungen erhöhen die Transparenz und geben Auskunft über die Effizienz und Klimaperformance der Schiffe, so dass beispielsweise Benchmarks ermittelt werden können. Es muss über kurz oder lang in Effizienzverbesserungen der Schiffe investiert werden. Denn Gesetzgeber und Öffentlichkeit setzen die ohnehin schon gebeutelte Branche zunehmend unter Veränderungsdruck.“

Förderung alternativer Schiffsantriebe noch ganz am Anfang

Seit kurzem bezuschusst das Bundesverkehrsministerium den Bau von Schiffen, die mit Flüssigerdgas betrieben werden (LNG-Antrieb). Flüssigerdgas verursacht im Vergleich zu konventionellen Dieselkraftstoffen weniger CO2-Emissionen bei der Verbrennung und ist somit die bevorzugte Alternative zu Schiffsdiesel hinsichtlich Klimaschutz und den ebenfalls in der Kritik stehenden Umwelt-Schademissionen wie Feinstaub und Schwefel. Das Förderprogramm des Bundes gilt nicht nur für den Schiffsneubau, auch für die Umrüstung vorhandener Flotten.

Neuer Auftrieb dank LNG-Antrieb

Ob sich die LNG-Technologie durchsetzt, hängt auch davon ab, ob die erforderliche Infrastruktur zur Förderung, Lagerung und Betankung der Schiffe mit LNG in den Häfen zügig vorankommt. Hier sind weitere Anstrengungen vonnöten, um Deutschland in einer Vorreiterrolle bei der Förderung klima- und umweltfreundlicher Technologien zu bringen und um international wichtige Impulse zu setzen. Marco Wisniewski, Partner, Governance & Assurance Services, ergänzt: „Lösung in Sicht! So können künstlich mit erneuerbaren Energien erzeugte Kraftstoffe die Branche nach vorn katapultieren. Eine hervorragende Chance für innovative Antriebs-Entwickler. Gleichzeitig neue Daueraufgabe für die Kraftstoffindustrie, saubere und mindestens genauso profitable Lösungen wie die heute noch eingesetzte Technik zu entwickeln. Dann macht auch die Schifffahrtsbranche mit.“

Reedereien müssen umdenken

Alternative Antriebsformen sind bislang noch ein Nischenthema. Denn gegenwärtig müssen Schifffahrtsunternehmen Emissionsdaten lediglich erfassen und berichten. Mittelfristig sind diese jedoch mit Zielen und Reduktionsmaßnahmen zu verknüpfen. Das erhöht den Handlungsdruck: „Es kommt weiterer Aufwand hinsichtlich Datenerhebung und -auswertung auf die Schiffsbetreiber zu. Überwachungsmethodik und Qualitätssicherung spielen eine wichtige Rolle, denn die CO2-Daten stellen die Grundlage für zukünftig verbindliche Reduktionsziele dar. Es besteht erhebliches Potenzial, Mess- und Berichtsprozesse zu standardisieren und zu automatisieren. Das kann über digitale Logbücher oder Mess- und Steuerungssysteme für die Schiffsperformance erfolgen“, sagt Mathias. Dabei gehen verringerte CO2-Emissionen mit einem effizienten Schiffsbetrieb einher. „So gibt es gerade hier eine deutliche Schnittmenge von Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz.“

02. Februar 2018
Zusammengefasst

»Es muss über kurz oder lang in Effizienzverbesserungen der Schiffe investiert werden. Denn Gesetzgeber und Öffentlichkeit setzen die ohnehin schon gebeutelte Branche zunehmend unter Veränderungsdruck.«

In der Pflicht: Im Rahmen der europäischen Klimaschutzstrategie greift nun eine EU-Verordnung, die die Erfassung, Berichterstattung und Verifizierung von CO2-Emissionen von Schiffen auf Fahrten von und zu EU-Häfen verlangt. Die in allen EU-Mitgliedsländern unmittelbar geltende Verordnung regelt Pflichten zur Erfassung und Berichterstattung der jährlichen Treibhausgasemissionen.

Katrin Mathias Manager, Governance & Assurance Services
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