Wann beginnt Steuerhinterziehung?

Wann beginnt Steuerhinterziehung?

Wie unternehmensinterne Kontrollsysteme für Sicherheit sorgen.

Keyfacts über Tax Compliance

  • Falsche Deklarierung der Steuer kann zu einem Strafverfahren führen
  • Steuerabteilung muss wichtige Compliance-Instanz werden
  • Reputationsschäden durch Steuer-Nachlässigkeiten sind in Summe oft teurer als Strafzahlung
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09. Dezember 2016

Die Auftragsbücher sind voll, die Geschäfte des Unternehmens florieren. Doch es sind nicht immer nur Konjunkturflauten, die Unternehmenslenkern Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Irgendwann passiert es: Die Finanzämter fragen nach, wollen sich die Geschäftsberichte für die letzten Geschäftsjahre ansehen – oder gleich für die letzten fünf bis zehn.

Wer seine Bücher penibel führt, wähnt sich zumeist auf der sicheren Seite. Doch bereits die kleinen Fehler in der Deklaration können schwerwiegende Folgen haben.

Egal, ob man aus Versehen seinen Gewinn verkürzt hat, weil eine Rechnung nicht richtig erfasst wurde oder der Vorsteuer-Abzug aus Eingangsrechnungen falsch berechnet wurde. Wem das passiert, dem droht ein Ordnungswidrigkeits- oder gar Strafverfahren.

Der Gesetzgeber kann bereits bei einer fehlerhaften Steuererklärung von einer versuchten Steuerhinterziehung ausgehen.

Je nach Bekanntheitsgrad des Unternehmens und der Umsatzsumme drohen nicht nur üppige Strafzahlungen, sondern auch Reputationsschäden für das Unternehmen – die sind zumeist noch teurer als die Forderungen vom Finanzamt.

17 Mrd.

Euro Steuermehreinnahmen verzeichnet die Bundesrepublik Deutschland durch Betriebsprüfungen.

Tatsächlich haben sich viele Unternehmen bereits einem Wandel unterzogen: Die Steuerabteilung ist nicht mehr nur eine Facheinheit, losgelöst von allen anderen, sondern ihr wird die Rolle einer Compliance-Instanz zugeschrieben – und das ist auch gut so.

Compliance-Systeme gehören heute in jedes moderne Unternehmen, die Belegschaft ist willens, doch die Umsetzung bezüglich der steuerlichen Themen häufig noch mangelhaft. Das hat Gründe: Den Mitarbeitern sind die Vorgaben oft gar nicht voll umfänglich bekannt oder die Anforderungen sind so komplex und detailliert, dass sie kaum verstanden werden.

Dazu kommt, dass sich die abgeforderten Maßnahmen im Tagesgeschäft als nicht praktikabel herausstellen.

Wer sich im Unternehmen mit Steuern befasst, kann durch ein Tax Compliance Management System im wahrsten Sinne des Wortes zum Steuermann werden und für mehr Sicherheit sorgen.

Wer es schafft, ausgehend von der Steuerabteilung ein ganzheitliches Tax Compliance Management System aufzubauen, schafft nicht nur im eigenen Haus mehr Vertrauen, sondern auch beim zuständigen Finanzamt, denn nach der Prüfung ist vor der Prüfung.

Erst im Mai dieses Jahres hatte das Bundesministerium für Finanzen den Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt, durch ein sogenanntes. innerbetriebliches Kontrollsystem dem Vorwurf des Vorsatzes oder der Leichtfertigkeit bei der fehlerhaften Steuerdeklaration entgegenzutreten.

Kurzum: Hat sich ein Fehler in den Steuererklärungen eingeschlichen, kann das interne Kontrollsystem dafür sorgen, den Tatverdacht zu entkräften und insbesondere den Finanzbeamten helfen, die Korrektur einfach als Berichtigung der Steuererklärung zu akzeptieren.

Damit eine verzahnte Kontrollinstanz auch wirklich funktionsfähig ist, dafür hat das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) den Prüfungsstandard 980 aufgelegt, mit dem Unternehmen überprüfen können, ob alle relevanten Mechanismen – zum Beispiel auch bei den steuerlichen Verpflichtungen – ineinandergreifen.

Der IDW PS 980 ist die Grundlage für Wirtschaftsprüfer, die im Unternehmen die Wirksamkeit eines solchen Tax Compliance Management System zu bescheinigen und die angesprochene Rechtssicherheit zu erhöhen.

Noch immer gilt der Spruch: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Zusammengefasst

»Wer sich im Unternehmen mit Steuern befasst, kann durch ein Tax Compliance Management System im wahrsten Sinne des Wortes zum Steuermann werden und für mehr Sicherheit sorgen.«

Der Abteilung, die sich im Unternehmen mit Steuern befasst, kommt eine ganz besondere Aufgabe zu. Sie erklärt gegenüber dem Finanzamt die steuerlichen Abgaben - kommt es zu Fehlern bei der Deklaration, kann das schwerwiegende Folgen haben. Es drohen Ordnungswidrigkeiten oder gar Strafverfahren. Unternehmensinterne Kontrollmechanismen - wie ein Tax Compliance Management-System - können helfen, einen möglichen Vorsatz bei falschen Abrechnungen zu entkräften.

Matthias Helke Partner, Corporate Tax Services
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