Smart Cities - warum Kommunen aufrüsten sollten

Deutsche Kommunen sollten sich dem digitalen Wandel stellen, sonst werden sie abgehängt

Keyfacts

  • Smart Cities sind keine Modeerscheinung.
  • Die öffentliche Hand unterstützt den Weg in die digitale Stadt.
  • Smart Cities verbessern die Lebenswelt der Bewohner.
Dr. Nicolas Sonder
  • Leiter Technologischer Wandel im öffentlichen Sektor, KPMG Law
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Busse und Bahnen bewegen sich ohne Fahrer durch die Stadt, über eine App werden Fahrscheine gekauft, für Autofahrer werden dort freie Parkplätze angezeigt – klingt smart und ist es auch. Darmstadt hat kürzlich den Wettbewerb „Digitale Stadt“ gewonnen und will diese Ideen bald umsetzen. Damit wäre die Stadt tatsächlich eine „Smart City“. Dieser digitale Aufbruch ist dringend nötig. Denn Smart Cities sind keine Modeerscheinung. Sie sind die Lösung, um die Herausforderungen des demografischen Wandels, den steigenden Kostendruck und den zunehmenden Wettbewerb zu meistern. Oder einfacher: Deutschland verschläft den digitalen Wandel, wenn es in Zukunft nicht weitere Smart Cities gibt.

Öffentliche Hand unterstützt den Weg in die digitale Stadt

Doch langsam tut sich etwas. Bleiben wir beim Beispiel Darmstadt. 14 Städte hatten sich für einen Wettbewerb des Digital-Verbands Bitkom beworben. Sie sollten eine Jury mit Zukunftskonzepten überzeugen. Darmstadt hat neben einem modernen Verkehrskonzept weitere Visionen. Zum Beispiel soll die Müll-Abholung effektiver gestaltet werden. Sensoren in Mülleimern messen dabei den Füllstand. Das örtliche Krankenhaus will Online-Beratungen anbieten und digitalisiert Patientenakten.

Auch die öffentliche Hand fördert inzwischen mit ähnlichen Wettbewerben den Weg in die digitale Stadt. Hier sei die Initiative „digitale Zukunftskommune“ in Baden-Württemberg genannt. Städte mit besonderen Digitalisierungsstrategien oder Modellvorhaben werden dabei mit einer Förderung bedacht.

Dass in Kommunen das Bewusstsein für die digitale Zukunft gestiegen ist, zeigt auch ein Blick nach Brandenburg – ein Bundesland, das nicht gerade mit flächendeckender Internetversorgung glänzt. In Bad Belzig, an der Grenze zu Sachsen-Anhalt, soll in den kommenden Jahren ein „Smart Village“ entstehen, sozusagen der kleine Bruder der „Smart City“. Die Ziele sind ähnlich wie in Darmstadt: Ausweise können online beantragt werden, in der Stadt gibt es kostenlose W-LAN-Hotspots verfügbar und unterrichtet wird mit Smartphones.

Ohne Digitalisierung sind Verwaltungen überlastet

In der Kleinstadt setzt man große Hoffnungen in das Projekt. „Ich bin überzeugt, dass eine vielfältige moderne und Medienlandschaft ein wichtiger Baustein in einem funktionierendem Gemeinwesen ist“, sagte Bürgermeister Roland Leisegang der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Diese Aussage zeigt, dass sich die Kommunen bewusst sind, dass sie die Digitalisierung in Angriff nehmen sollten. Ihnen bleibt kaum eine andere Wahl: Städte und Kommunen werden sonst die technologischen und innovativen Entwicklungen verpassen. Das wirkt sich negativ auf die Lebenswelt in einer Stadt aus. Überlastete Verwaltungen können Bürgeranliegen nicht mehr analog nachkommen. Kommunale Wirtschaftsstandorte werden die Anforderungen von Unternehmen an eine starke digitale Infrastruktur zur Bewältigung der Datenbewegungen nicht mehr befriedigen können. Ein weiterer Punkt: Wertschöpfung für Innovationen und Wachstum können ebenfalls nicht generiert werden.

Smart Cities verbessern die Lebenswelt der Bewohner

Gründe, bereits jetzt im Alltag mit der digitalen Entwicklungen Schritt zu halten, gibt es viele. In Brandenburg ist ein wichtiger die demografische Entwicklung. Die Bewohner werden älter, die Infrastruktur in vielen Orten ist schwach. Wenn die Bewohner bei der Digitalisierung mitgenommen werden, kann sich das positiv auf ihre Lebenswelt auswirken. Sie könnten dann bequem von Zuhause einen Arzttermin vereinbaren, ihre Ausweise verlängern oder etwas zu Essen bestellen. Damit diese Beispiele Wirklichkeit werden, ist eine flächendeckende Internetversorgung Voraussetzung. So werden Ortschaften auch attraktiver – zum Beispiel für Berliner Startups, die Brandenburg bisher nur wegen der Ruhe, nicht aber wegen digitaler Wunderdinge schätzen. In einer Stadt wie Darmstadt – viele Studenten, junge Familien – liegt die Sache anders. Hier gehört das Handy zum Alltag – entsprechend sind die Ansprüche. Das Smartphone dient der Lebens- und Alltagsoptimierung. Auch diesen Wünschen sollten Verwaltungen durch zeitgemäße Apps und Angebote gerecht werden.

Mittelweg zwischen Wirtschaftlichkeit, Umsetzung und Rechtssicherheit

Was muss passieren und wie können Kommunen sich in eine Smart City verwandeln? Kommunen benötigen eine Strategie oder zumindest einen Plan, wo sie stehen und wohin es gehen muss. Dann ist ferner die Schaffung einer Organisationsstruktur verantwortlich, die auf die Aufgaben der digitalen Transformation eingestellt ist. Das Ziel: der goldene Mittelweg zwischen Wirtschaftlichkeit, technologischer Umsetzung und Rechtssicherheit.

Der Autor dieses Beitrags diskutiert am 3. Juli auf der Tagung Baden-Württemberg 4.0 zu Smart Cities und den Städten der Zukunft. Mehr dazu erfahren Sie hier

Dr. Nicolas Sonder
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