So vermeiden Kliniken Liquiditätsengpässe

Unser Experte nennt Maßnahmen, die jetzt eingeleitet werden sollten

Keyfacts

  • Den Krankenhäusern sind wegen der Covid-19-Krise Erlöse weggebrochen.
  • Dank Fördermitteln und staatlichen Hilfsprogrammen sind viele Einrichtungen bisher gut durch die Krise gekommen.
  • Wenn die staatliche Unterstützung ausläuft, drohen jedoch Liquiditätsprobleme.
Martin Hohmann
  • Director, Deal Advisory
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Wer sich in den vergangenen Monaten auf eine geplante Operation, etwa einen orthopädischen Eingriff, eingestellt hatte, musste Geduld aufbringen. Damit in den Kliniken möglichst viele Betten für die Behandlung von Corona-Patienten freibleiben, wurden elektive, also planbare, Eingriffe abgesagt. Die Folge: leere Betten und finanzielle Verluste.

Kliniken ist ein Großteil der Erlöse weggebrochen

Für die ausbleibenden Einnahmen gab und gibt es unterschiedliche Hilfsprogramme und staatliche Unterstützung. Ein Beispiel: Für die leerbleibenden Betten steht den Krankenhäusern eine Freihaltepauschale zu, die zumindest einen Teil der Verluste kompensieren soll. Diese liegt seit dem 1. Juli 2020 zwischen 360 Euro und 760 Euro.

Neben dieser Pauschale sieht das sogenannte Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz weitere Hilfen vor, um Liquiditätsengpässe in Kliniken zu vermeiden. Unter anderem wird die Rechnungsprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherer (MDK) erleichtert, es gibt Zuschüsse für Schutzkleidung und Zahlungsfristen sind angepasst worden.

Sich auf staatliche Unterstützung zu verlassen ist nicht genug

Wegen der Hilfsprogramme der Regierung sind die Krankenhäuser bislang mehrheitlich gut durch die Krise gekommen. Wer sich jetzt aber auf Freihaltepauschalen und den staatlichen Hilfsprogrammen ausruht, wird Ende dieses Jahres, spätestens aber 2021, vor Liquiditätsproblemen stehen. Stand jetzt laufen die Freihaltepauschalen Ende September aus. Auch andere Förderprogramme enden in den kommenden Monaten.

Krankenhäuser sollten verschiedene Szenarien skizzieren

Deswegen sollten bereits jetzt Maßnahmen eingeleitet werden, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden und zu antizipieren. Kliniken sollten verschiedene Szenarien skizzieren, was passiert, wenn Sie bestimmte Förderleistungen zurückzahlen müssen. Dazu gehört auch, sicherzustellen, dass keine Doppelsubventionen erhalten wurden.

Verschiedene Szenarien aufzustellen und durchzukalkulieren hilft dabei, sich besser auf die neue Normalität nach der Corona-Krise vorzubereiten und mögliche Probleme im Vorfeld zu erkennen. Daneben sollten weitere liquiditätssichernde Sofort-Maßnahmen getroffen werden: Lieferanten-Zahlungsziele ausschöpfen, Stundungsvereinbarungen mit Lieferanten vorbereiten, Jahressonderzahlung aussetzen oder Investitionen, wenn möglich, aufschieben und Liquiditätsreserven durch verbessertes Patienten- und MDK-Management heben.

Wichtig ist in Abhängigkeit der Höhe der Liquiditätsbedarfe auch Gespräche mit Finanzierungspartner (z.B. Gesellschafter und Banken) vorzubereiten. Hierzu ist rechtzeitig eine aussagefähige Dokumentation zu erstellen auf deren Grundlage Finanzierungsentscheidungen getroffen werden können.

Können in den Kliniken alle Betten wieder genutzt werden?

Krankenhäuser sollten mit allen Stakeholdern offen kommunizieren. Zum Beispiel können Zahlungsziele angepasst werden oder es kann besprochen werden, wie mit Zahlungsrückständen umgegangen wird. Wichtig ist, dass die Klinikleitung ein Bild davon hat und skizziert, was nach dem Auslaufen der Förderprogramme passiert. Können dann alle Betten wieder für elektive Eingriffe genutzt werden? Wie viele sollte man freihalten? Mit welchen Einnahmen lässt sich planen? Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt, die aber bereits jetzt simuliert werden können.

Meiner Meinung nach sind viele Krankenhäuser noch nicht gut auf die neue Normalität vorbereitet. Wer sich aber mit möglichen Szenarien befasst, wird gut vorbereitet reagieren können und damit kritische Situationen vermeiden bzw. abmildern.

 

Martin Hohmann
  • Director, Deal Advisory
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