So viel „Wumms“ steckt im Konjunkturpaket

Wie KPMG-Experten die Maßnahmen der Regierung bewerten

Keyfacts

  • Die Senkung des Umsatzsteuersatzes stellt die Unternehmen vor Herausforderungen, da Maßnahmen binnen kurzem umzusetzen sind.
  • Die Erhöhung der Kaufprämie für Elektroautos ist ein konsequenter Schritt, um die Transformation in der Automobilindustrie voranzutreiben.
  • Die Unterstützung der Kommunen durch Bund und Länder gibt Spielraum für die notwendigen Investitionen.
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„Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“ – unter diesem Motto steht das neue Konjunkturpaket, das die große Koalition beschlossen hat. Die Bezeichnung, mit der Bundesfinanzminister Olaf Scholz das Maßnahmenbündel betitelte, hat sich auch schon verbreitet: „Wumms“. Denn: „Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen“, sagte der Minister zu dem insgesamt 130 Milliarden Euro schweren Paket.

Zu den mehr als 50 Maßnahmen zählen u.a.:

  • Senkung der Umsatzsteuer in der zweiten Jahreshälfte 2020 von 19 auf 16 Prozent bzw. von 7 auf 5 Prozent (ermäßigter Satz),
  • Verschiebung der Fälligkeit der Einfuhrumsatzsteuer auf den 26. des Folgemonats,
  • bessere Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen über eine degressive Abschreibung (AfA),
  • Überbrückungshilfen für kleinere und mittlere Unternehmen,
  • Senkung der EEG-Umlage ab 2021, was bei den Stromkosten zu Entlastungen führt,
  • höhere Prämien beim Kauf eines Elektroautos,
  • Förderung von Zukunftsinvestitionen z. B. im Bereich E-Mobilität, flächendeckendes 5G-Netz, Wasserstofftechnologie, künstliche Intelligenz.

Umsatzsteuer

Die niedrigeren Steuersätze sollen bereits am 1. Juli 2020 in Kraft treten und bis 31. Dezember 2020 gelten. Die Änderungen stellen Unternehmen vor vielfältige Herausforderungen, wie Nancy Schanda, Partnerin Tax, erläutert. „Ausgangspunkt sind die Geschäftsvorfälle und deren systemseitige Prozessierung (z. B. Abrechnungsarten und -wege). Auf dieser Basis sollten die systemseitig erforderlichen Änderungen im ERP-System kurzfristig angestoßen werden, beispielsweise die Anpassung des systemseitigen Steuerfindungskonzepts auf Ein- und Ausgangsseite für Umsatzsteuer, die Anlage zusätzlicher Steuerkennzeichen, die Anpassung von Reports etc.“, so Nancy Schanda. „Entsprechendes Budget insbesondere für erfahrungsgemäß knappe IT-Ressourcen sollte kurzfristig angefragt werden.“

Mit der Steuersatzsenkung will die Bundesregierung Wachstumsimpulse für die Wirtschaft setzen. „Es wird spannend sein zu sehen, wie der Markt reagieren wird“, kommentiert Nancy Schanda. „Zunächst ist ein hoher Umstellungsaufwand zur Umsetzung des Konjunkturpakets zu erwarten. In diesem Zusammenhang stellt sich zudem die Herausforderung, dass für die Umsetzung wenige Werktage verbleiben werden.“ Angesichts des Umstellungsaufwands bleibe zu hoffen, dass die Finanzverwaltung den Unternehmen mit den notwendigen Erleichterungen entgegenkommt, so die KPMG-Steuerexpertin.

Weitere steuerliche Maßnahmen

Wie oben aufgeführt, hat die Bundesregierung neben der Umsatzsteuer noch mehr Tax-Erleichterungen vorgesehen. Dazu Nancy Schanda: „Wir gehen davon aus, dass die weiteren steuerlichen Maßnahmen wie z. B. die verschobene Fälligkeit der Einfuhrumsatzsteuer und Verbrauchsteuern deutliche Cashflow-Vorteile liefern werden. Auch aus den AfA-Regelungen ergeben sich Liquiditätsvorteile.“

Stärkere Förderung von E-Autos

Entgegen ersten Berichten über die Koalitionspläne enthält das Konjunkturpaket keine allgemeine Kaufprämie für Neuwagen. Beschlossen wurde, die bereits bestehende Umweltprämie für den Kauf eines Elektroautos zu erhöhen: Der Bund verdoppelt seinen Anteil an der Prämie, die bislang je zur Hälfte vom Staat und der Industrie getragen wird.

„Nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz bleiben auch nach der Corona-Krise das bestimmende Thema. Das haben die EU-Kommission und jetzt auch die Bundesregierung deutlich gemacht“, sagt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates. „Vor diesem Hintergrund ist die Erhöhung der Kaufprämie für E-Autos ein konsequenter Schritt, um die Transformation in der Automobilindustrie voranzutreiben. Für die Entwicklung der deutschen Autokonzerne sind aber insbesondere der chinesische und US-amerikanische Markt relevant. Auf diesen Märkten wird sich die Zukunft der Mobilität und damit auch die der deutschen Autobauer entscheiden.“

Finanzhilfe für Kommunen

Das Konjunkturpaket bringt auch den teils hochverschuldeten Kommunen Erleichterung. So wollen Bund und Länder gemeinsam die krisenbedingten Mindereinnahmen der Kommunen aus der Gewerbesteuer kompensieren – die Ausfälle werden auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Zudem beteiligt sich der Bund stärker an den Kosten sozialer Leistungen, etwa für die Unterkunft von Hartz-IV-Empfängern. Bislang übernimmt der Bund die Hälfte der Kosten, künftig soll der Zuschuss auf 75 Prozent steigen.

„Die Voraussetzungen für den Neustart nach der Krise sind mit dem Konjunkturpaket geschaffen – jetzt heißt es durchstarten“, kommentiert Mathias Oberndörfer, Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor bei KPMG. „Maßnahmen wie die hälftige Kompensation der krisenbedingten Gewerbesteuerausfälle, die Übernahme eines höheren Anteils der Kosten für die Unterkunft von Bedürftigen sowie die weitere Unterstützung des ÖPNV und des Gesundheitssektors stärken die Kommunen und geben ihnen Spielraum für die notwendigen Investitionen. Denn der Abbau des Investitionsstaus in der Infrastruktur, auch im Hinblick auf ein flächendeckendes Breitbandnetz, schafft einerseits Nachfrage im Inland, andererseits ist es eine der Voraussetzungen für einen starken Wirtschaftsstandort.“

Mathias Oberndörfer führt aus: „Weitere wichtige Impulse wie die Unterstützung der Kommunen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) gilt es zu nutzen, um die Digitalisierung konsequent und zügig weiter voranzutreiben. Im Ergebnis kann der öffentliche Sektor gestärkt aus der Krise in die Zukunft gehen und resilienter Partner der Wirtschaft sein.“

Gewerbliche Wirtschaft

„Das Konjunkturpaket der Regierung setzt stark auf Impulse im Bereich Steuern sowie der Aufrechterhaltung der öffentlichen wie der privaten Nachfrage“, kommentiert Stephan Fetsch, Head of Retail, Head of Consumer Goods, das Vorhaben der großen Koalition. „Besonders interessant sind alle Stützungsmaßnahmen der gewerblichen Wirtschaft, die dazu führen, dass Unternehmen sich neu orientieren und aufstellen. Als besondere Unterstützungsfelder sehe ich daher alles, was mit Reorganisation, dem Planen der zukünftigen Geschäftsentwicklung sowie der Prüfung der staatlichen Maßnahmen (Zweckhaftigkeit und Zulässigkeit von Unterstützungsleistungen) zu tun hat.“

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