Von losen Fäden zum stabilen Netz

Wie die Sozialversicherung zum Motor der Digitalisierung wird

Keyfacts

  • Die Sozialversicherung ist direkt mit gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert.
  • Die moderne Sozialversicherung richtet sich ganz nach Kundenbedürfnissen.
  • Digitalisierung und Datenaustausch ermöglichen schnelle Verwaltungsprozesse.
Torsten Müller
  • Partner, Advisory
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Die Kunden verlangen heute moderne, leicht zugängliche Kommunikationswege, schnelle und transparente Prozesse und Entscheidungen – auch von ihrer Sozialversicherung (SV).

Die Bürgerinnen und Bürger wollen die SV ebenso ortsunabhängig und flexibel kontaktieren, wie sie es von privaten Dienstleistern gewohnt sind – bestenfalls online.

Fachkräftemangel betrifft auch die SV

Leider sehen viele Sozialversicherungsträger in ihren Kunden nur Aufträge, die es zu verwalten gilt. Wenn sich aber das Handeln nicht an den Kunden orientiert, sondern fokussiert bleibt auf Auftragserfüllung im Rahmen der Verwaltungsarbeit, besteht das Risiko, ineffizient zu handeln und die Erwartungen einer sich ändernden Gesellschaft nicht zu erfüllen. Zusätzlich führt der demografische Wandel zu sinkenden Personalressourcen. Weniger Personal soll also mehr Aufgaben bewältigen. Das funktioniert nur, wenn Prozesse und Abläufe vereinfacht und beschleunigt werden: durch Digitalisierung.

Vernetzung und Datenaustausch als Grundlage

Die Digitalisierung der SV liegt im Interesse der Versicherer, da sie Prozesse beschleunigt und Kosten senkt. Und sie liegt im Interesse der Versicherten, die nach schnellen Abläufen und schneller Kommunikation verlangen.

Um die Effizienz der Verwaltung zu steigern, sind Datenaustausch und Vernetzung der Sozialversicherungsträger nahezu unerlässlich. Dazu ist es erforderlich, dass man das intern und übergreifend vorhandene Knowhow zur Umsetzung digitaler Bausteine auch innovativ nutzt.

Bestehende Datenaustauschverfahren orientieren sich primär an dem Austausch von Abrechnungs- und Stammdateninformationen zwischen den Trägern der Sozialversicherung und lassen konkrete Anwendungsfälle für den Versicherten außen vor.

Hemmnisse für Datenaustausch

Aktuell scheitern digital unterstützte Anwendungsfälle für die Versicherten an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Unsere föderalen Strukturen und die Trennungen zwischen den Sozialgesetzbüchern wirken sich hier besonders hemmend aus. Digitalisierung kann nur durch Vernetzung Werte schaffen.

Wenn zum Beispiel ein Patient eine Reha-Behandlung bekommt, müssen derzeit noch aufwendig Zuständigkeiten geklärt werden, weil ja unterschiedliche Träger eingebunden sein können (Rentenversicherung, Kranken- und Pflegeversicherung). Weil die Sozialversicherungsträger kaum vernetzt sind, ist kein effizienter Datenaustausch möglich. Das kostet nicht nur auf Kundenseite viel Zeit und Nerven, sondern bindet auch erhebliche Ressourcen bei den Trägern. Zudem sind die verschiedenen Sozialversicherungsträger auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen bei der Digitalisierung.

Diese Hemmnisse gilt es abzubauen und aus losen Fäden ein stabiles Netz zu knüpfen.

Die Sozialversicherung als Motor der Digitalisierung

Die SV hat direkten und regelmäßigen Kontakt zu den individuellen Themen der sozialen Sicherung der Bürger. Dieses enge Verhältnis zwischen Versicherern und Versicherten bietet die Chance, veränderte Kundenbedürfnisse zu erkennen und in das Verwaltungshandeln zu integrieren. Darüber hinaus sollten die Sozialversicherungsträger diese Bedürfnisse an die Politik herantragen. So kann sich die SV als Motor der Digitalisierung begreifen und als Anwalt der Versicherten gegenüber der Politik, die die Hemmnisse beseitigen sollte.

Denn nur durch den Abbau der Hemmnisse und Weiterentwicklung zu einem modernen Sozialversicherungssystem bleibt die SV auch in Zukunft funktionsfähig.

Torsten Müller
  • Partner, Advisory
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist.