Stadt der Zukunft: Mitmachen erwünscht

Wie Smart Cities die Städte demokratisieren könnten

Keyfacts

  • Smarte Städte können zu mehr Demokratie beitragen
  • Kommunale Entscheider lernen vom Wissen der Vielen
  • Digitalisierung verbessert die Möglichkeit zur Teilhabe
Mathias Oberndörfer
  • Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor
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Eine funktionierende Gemeinschaft setzt auf die Stimme der Vielfalt. Das gilt im großen, wie auch im Kleinen. Anders gesagt: Wenn die Stimme einer Stadt aus dem großen Chor ihrer Bewohner besteht, dann ist der Weg zu einer Smart City nicht denkbar ohne die Stimmen aller, die in ihr leben. Man kennt das aus früheren Geschichten aus dem ländlichen Raum, wo die Menschen – so die Erwartung, irgendwo zwischen Klischee und Wirklichkeit – mehr aufeinander achten, weil sie mehr voneinander wissen. Keine besondere Überraschung –  wer lange am selben Ort mit denselben Menschen Zeit verbringt, der weiß anschließend eine ganze Menge über sie.

Smarte Städte: Potenzial für mehr Mitsprache

In der modernen Stadt und Metropole ist das eher die Ausnahme, ist Anonymität der Wesenskern, der – nebenbei gesagt – für viele Menschen auch den Reiz der Stadt ausmacht. Wer hier die falschen Schlüsse zieht, verschenkt Potenzial. Eben jenes Potenzial, das in den Fähigkeiten der Mitbürger liegt, in der Nachbarschaft, in der eigenen Straße. Wenn gegenwärtig über die Stadt der Zukunft diskutiert wird, dann geht es häufig um vernetzte Verkehrsströme, vernetzte Datenflüsse und die möglichen Effizienzgewinne für die Nutzung der städtischen Infrastruktur. Wenn sich – wie die OECD annimmt – die Zahl der Autos bis 2050 global verdoppelt haben wird, dann werden die Städte im Stau ersticken. Höchste Zeit also, um sich Gedanken zu machen über eine bessere Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Ein anderer Gedanke in Sachen Smart Cities tritt dabei gelegentlich in den Hintergrund, ist aber ebenso wichtig: Smarte Stadt könnte auch bedeuten, die Kenntnisse ihrer Bewohner stärker als zuvor zu aktivieren, Partizipation zu ermöglichen, von dem Wissen der anderen zu profitieren. Anders gesagt: Die Intelligenz der Vielen zu nutzen, um das Gemeinwesen zu verbessern.

Digitale Bürgerhaushalte können beispielsweise ein Weg in diese Richtung sein, ebenso wie Methoden des E-Consulting, bei dem kommunale Entscheider in ihrer Entscheidungsfindung durch die Einschätzungen beteiligter Bürger profitieren. So steht im Idealfall am Ende ein besseres Ergebnis, was einer Verwaltung unter permanentem Kostendruck die Möglichkeit gibt, knappe Ressourcen anschließend schneller auf andere Fragestellungen zu konzentrieren. Und die Möglichkeit zu Partizipation stärkt die Zufriedenheit der Bürger mit parlamentarisch-demokratischen Strukturen. Es ist – zugespitzt formuliert – ein Nachweis dafür, wie Smart Cities die Städte demokratisieren können.

Öffentliche Hand kennt keine Kultur des Scheiterns

Funktioniert das immer? Nein, leider nicht beziehungsweise: natürlich nicht. Verwaltungen der öffentlichen Hand mögen zwar in den meisten Fällen das Potenzial zu mehr Innovationen haben, einerseits. Andererseits sind die – auch gesetzgeberischen – Ansprüche an ihre Verwaltungstätigkeit besonders hoch. Anders als in der freien Wirtschaft gibt es im öffentlichen Sektor keine „Kultur des Scheiterns“, wie wir sie häufig aus besonders innovativen Branchen feststellen. „Einfach mal versuchen, wer fällt, steht wieder auf“ mag einem als Grundgedanke in seiner optimistischen Haltung zwar sympathisch sein, ist im öffentlichen Sektor aber eher selten. Warum? Weil die öffentliche Hand Rechtssicherheit garantiert und garantieren muss, und das immer. Beta-Phasen sind hier eben so wenig erlaubt wie Provisorien.

Konkret gesagt: Wer das Gemeinwesen mit mehr Digitalisierung zu mehr Teilhabe und Partizipation befähigen will, der muss dafür garantieren, dass die Angelegenheit klappt. Blindes Vertrauen war noch nie eine kluge Strategie. Wer auf etwas vertrauen möchte, der sucht nach Tendenzen, die dieses Vertrauen rechtfertigen. Das gilt auch für den öffentlichen Sektor. Was auf der einen Seite als Hemmschuh erscheinen könnte, bietet auf der anderen Seite auch Perspektiven. Mit der fortschreitenden Digitalisierung in anderen Bereichen des Lebens wird die Adaptionsgeschwindigkeit solcher Anwendungen auch für den öffentlichen Sektor immer schneller. Gleichzeitig steigt die Notwendigkeit, sich mit diesen neuen Realitäten auch aus verwaltungstechnischer Sicht auseinanderzusetzen.

Wie erreichen Smarte Städte ihre Bewohner?

Die Fragen dabei mögen sich zwar nicht geändert haben, die Antworten indes sehr wohl. Wie also erreicht die Stadt der Zukunft ihre Bürger, wenn diese sich in zunehmendem Maße nicht mehr über die etablierten Wege der Kommunikation informieren? Wie bringt sich eine Verwaltung ein bei städteplanerischen Großprojekten, die häufig kontrovers in der Bevölkerung diskutiert werden? Das gilt umso mehr in Zeiten, in denen Stimmungsschwankungen zwar nicht die Regierbarkeit von Kommunen in Frage stellen, aber bei denen dennoch eine Art von Widerspruch artikuliert wird, der mitunter nicht mehr konstruktiv ist.

Und natürlich gibt es auch Vorbehalte gegen die Strategien einer smarten, vernetzten Stadt. Die Sorge um den Datenschutz spielt da ebenso mit hinein wie die Befürchtung, dass die der Digitalisierung zugrunde liegenden Daten letzten Endes nicht zu mehr Komfort und Sicherheit, sondern zu mehr Kontrolle und Einschränkung der Freiheit führen würden.

Tatsächlich aber ist es so: Die Digitalisierung ist zunächst einmal ein technischer Innovationsschritt, der das Leben künftig eher stärker als schwächer prägen wird. In welche Richtung dieser Schritt aber gemacht wird, ist offen. Offenheit ist gut, weil Offenheit Vielfalt ermöglicht. Vielfalt zuzulassen ist das Wesen der Demokratie.

Mathias Oberndörfer
  • Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor
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