Start-Ups brechen alte Strukturen auf

Traditionelle Familienunternehmen brauchen frische Impulse von außen

Keyfacts

  • Veränderungen von innen sind schwer.
  • Das Neue bringt kreative Zerstörung.
  • Wer Altes in Frage stellt, kommt voran.
Maria Gleichmann-Pieroth
  • Senior Manager, KPMG
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Familienunternehmen glauben an Altbewährtes und Gewachsenes. Es gibt kaum etwas, das die Eigentümer so durcheinander wirbelt wie ein Start-up. Gut so.

Familienunternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht in kurzfristiger Gewinnmaximierung denken, sondern in Generationen. Das kann allerdings die Belegschaft weniger flexibel machen, weniger dynamisch. Innovationen werden halbherzig angefasst – und die Auseinandersetzung mit Innovationen durch Digitalisierung ist ihnen weniger vertraut.

Dinosaurier trifft auf Maus

Veränderungen von innen sind schwer. Ein Prophet gilt nichts im eigenen Land. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Hole ein dynamisches, junges und flexibles Start-up – und bringe mit Radikalität frische Impulse ins Haus.

Die Jungunternehmer wirbeln die althergebrachten Strukturen mächtig durcheinander. Kontrolle trifft auf Freiraum, Sicherheit auf Selbstbestimmung, Anzug auf Flipflop, Fehlerfreiheit auf Fehlerkultur. Wo Kreativität entstehen soll, wird Altes in Frage gestellt. Auch wenn es ungemütlich wird.

Kooperationen mit den jungen Wilden haben diesen Charme der Unabhängigkeit. Durch Start-ups sprudeln neue Ideen von außen in das Unternehmen – das stört, rüttelt wach und zeigt die Notwendigkeit zu verändern. Vorbei mit der Selbstgewissheit einer etablierten Organisation.

Familienunternehmen haben Startvorteile

Die Entscheidungswege sind kürzer als in einem Konzern. Meistens bedienen sie internationale Märkte – dadurch können sie durch gute Erträge im angestammten Geschäft neue Ideen leichter quersubventionieren und Impulse aufnehmen.

Lediglich in ihren Finanzierungsstrukturen müssen Familienunternehmen offener werden. Viele sind gegenüber Venture-Capital- oder Private Equity Finanzierungen oder Joint Ventures eher skeptisch.

Aber die Digitalisierung ist kein Knopf, den man so einfach drücken kann. Sicher, aufgrund der unterschiedlichen Mentalität kommt es zwangsläufig zu Differenzen zwischen Old und New Economy. Umso wichtiger, dass der Chef überzeugt ist. Es braucht einen (r)evolutionärer Kopf, der den digitalen Mehrwert versteht und im Unternehmen angeht.

Wer mit einem Jungunternehmen kooperieren will, muss 4 Punkte beachten:

1. Entwickeln Sie eine Strategie. Es braucht ein digitales Zielbild, wo das Unternehmen in drei bis fünf Jahren stehen will – insbesondere mit Blick auf den Markt und die Kunden. Analysieren Sie den digitalen Reifegrad Ihres Unternehmens.

2. Gewinnen Sie digitale Talente. Wenn Digitalisierung vom Chef gelebt wird, sollten Sie im zweiten Schritt Digitalkompetenzen in allen Geschäftsbereichen aufbauen. Dazu gehören Blogger, Social-Media-Manager, Web-Analysten oder Datenspezialisten. Die Suche nach digitalen Talenten bringt automatisch neue HR-Anforderungen mit sich.

3. Verzahnen Sie Geschäftsbereiche. Die IT und das Business müssen enger zusammenarbeiten. Bilden Sie Brücken und verstärken Sie die Teamarbeit, auch um die Online- und Offline-Welt optimal miteinander zu verbinden. Digitalisierung ist mehr als Industrie 4.0!

4. Treten Sie mit den Start-ups in einen Dialog. Stellen Sie Fragen an die Jungunternehmer: Was heißt Digitalisierung in meinem Unternehmen, was könnt ihr besser, wie kann mit wenig Aufwand etwas Neues in meinem Geschäftsmodell entstehen?

Ich bin davon überzeugt: Wer sich weiterentwickelt, bleibt wach, wer Altes in Frage stellt, kommt voran. Der Schulterschluss von Start-ups und mittelständischen oder Familienunternehmen setzt Kraft frei für neue digitale Geschäftsmodelle.

Maria Gleichmann-Pieroth
  • Senior Manager, KPMG
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist.