Steigende Kosten und sinkende Qualität im Gesundheitswesen

Finanzielle Anreize müssen die Qualität der Versorgung stärker in den Fokus rücken

Keyfacts

  • Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten in Europa
  • Kostenentwicklung und Qualitätsverbesserung stehen nicht im Verhältnis
  • Deutschland ist im Qualitätsranking ins Mittelfeld abgerutscht
Prof. Dr. Volker Penter
  • Partner, Niederlassungsleiter
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Die Kosten im deutschen Gesundheitssystem steigen immer weiter. Wirkt sich dies auch auf die Qualität aus? Nicht unbedingt. Ich meine, es ist an der Zeit, den Kurs zu ändern!

Ein gutes Gesundheitssystem verspricht Lebensqualität und muss seine Kosten wert sein. Dass Deutschland sich eins der teuersten Systeme in Europa leistet, ist deshalb nicht negativ. In den letzten Jahren allerdings stand die zunehmende Kostenentwicklung immer weniger im Verhältnis zur Qualitätsverbesserung. Im Gegenteil: Deutschland rutschte im Qualitätsranking von den vorderen Plätzen ins Mittelfeld ab und hat Stand heute seine Spitzenposition verloren. Ausgerechnet die medizinische Behandlungsqualität schnitt im Vergleich zu früheren Erhebungen deutlich schlechter ab. Woran liegt das?
Schon aus ethischen Gründen muss bei Diagnostik, Behandlung und Medikation der Mensch im Mittelpunkt stehen. Unser Gesundheitssystem bringt die Leistungserbringer aber in eine scheinbar ausweglose Situation: Es belohnt nicht den Erfolg einer Maßnahme oder gar die Vermeidung einer Erkrankung, sondern nur die Quantität und Effizienz einer medizinischen Behandlung. Der Patient droht dabei aus dem Fokus zu geraten.

Diesen Richtungswechsel kann niemand wollen

Dabei sollte eigentlich die Qualität gefördert werden: Alle Krankenhäuser legen darüber Rechenschaft ab, wie es der Paragraf 137 SGB V vorschreibt. Freiwillige Initiativen ergänzen das Bild zusätzlich. Ökonomische Anreize verschieben jedoch die Blickrichtung von Qualität zur Quantität und Fallanzahl. Das Wachstum der Leistungsmenge wird belohnt, nicht die spezifische Steigerung ihrer Qualität. Diesen Richtungswechsel kann niemand wollen – weder Ärzte noch Krankenhäuser und schon gar nicht die Patienten. Warum schlagen wir nicht wieder einen anderen Kurs ein?
Weil die Kurskorrektur schwierig ist. Wir brauchen zuerst einen Konsens darüber, welche Kriterien für die Qualität überhaupt ausschlaggebend sind. Während die einen auf die Bedeutung von Gerätetechnik pochen, setzen die anderen auf das medizinische und pflegerische Personal. Erkennt man Qualität vorrangig am Behandlungsprozess, am Ergebnis der Behandlung in einer Einrichtung – oder in allen an der Behandlung beteiligten Einrichtungen? An einer Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung generell? Alle diese Faktoren sind wichtig, trotzdem müssen wir uns aber auf ein entscheidendes Kriterium einigen. Ökonomische Anreize brauchen ein klares Ziel, wenn sie wirken sollen. Sonst wird das System zu komplex und die Anreize bleiben wirkungslos.
Um die Qualität von Behandlungen messen zu können, werden objektiv nachvollziehbare Daten benötigt. Aufgrund dieser Daten muss mit allen Beteiligten ein neues Entgeltsystem entwickelt und abgestimmt werden und die technische Umsetzung erfolgen. Das ist sicher nicht einfach – aber es ist machbar.

Wir brauchen im deutschen Gesundheitswesen öffentliche Qualitäts-Berichte

Die Frage, wie man Patienten in die Beurteilung der Qualität mit einbeziehen kann, bleibt grundsätzlich schwer zu beantworten. So zeigen Studien, dass die Qualität von Krankenhäusern durch die Patienten ganz anders eingeschätzt und bewertet wird als in strukturierten Berichten. Patienten sind subjektiv mit Kriterien zufrieden, wo das aus objektiver Sicht nicht angebracht scheint, und anders herum unzufrieden, wo sie nach objektiven Maßstäben sehr gut behandelt werden. Trotzdem bleibt die Patientenzufriedenheit und ihre Bedürfnisse selbstverständlich immer von hoher Bedeutung.
Ich denke, im deutschen Gesundheitswesen brauchen wir daher öffentliche Berichte. Sie müssen objektive Werte zur Qualität des Behandlungserfolgs und die Belange der Patienten zusammenführen, auf einfachem Weg verfügbar und für die Patienten nutzbar sein. Finanzielle Anreize müssen verstärkt die Qualität in den Fokus rücken, anstatt Mengenwachstum zu belohnen. Damit rückt der Patient wieder mehr in den Mittelpunkt. Wird der momentane Kurs nicht korrigiert und schlagen wir nicht neue Wege ein, bekommen wir unweigerlich ein immer teurer werdendes Gesundheitssystem – ohne dass unsere berechtigten Ansprüche an die Qualität erfüllt werden.

Prof. Dr. Volker Penter
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