Textile Kreislaufwirtschaft - Wenn die Jeans sich im Kreis dreht

Wie Kreislaufwirtschafts-Konzepte für eine nachhaltigere Textilindustrie sorgen können.

Keyfacts

  • Die Textilindustrie belastet die Umwelt, unter anderem durch den jährlichen Ausstoß von 1,2 Milliarden Tonnen CO₂.
  • Die Kreislaufwirtschaft bietet Lösungsansätze für nachhaltige Produktions- und Konsumkonzepte.
  • Der Erfolg von Nachhaltigkeitsstrategien ist zum Großteil von neuen Technologien und Geschäftsmodellen abhängig.
Christian Hell
  • Partner, Governance & Assurance Services
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Kaufen, anziehen, wegwerfen – nach diesem Prinzip nutzen viele Konsumenten Kleidung und andere Güter. Für kleines Geld ergattern sie eine große Menge an T-Shirts, Hosen und Schuhen. Die Qualität ist bescheiden, aber weil es so günstig war, kann die Kleidung nach zwei- oder dreimaligem Tragen und nach unter einem Jahr im Müll landen.

Der große Fußabdruck der Fast Fashion

Der Wunsch der Konsumenten nach günstiger Mode und immer schneller aufeinander folgende Kollektionen – auch Fast Fashion genannt – belastet die Umwelt drastisch.

Einem Bericht der Ellen MacArthur Stiftung zufolge verbrauchte die Textilindustrie im Jahr 2015 98 Millionen Tonnen nicht-erneuerbare Ressourcen und 93 Milliarden Kubikmeter Wasser. Die gesamte Textilproduktion ist in nur einem Jahr für 1,2 Milliarden Tonnen CO₂-Ausstoß verantwortlich. Das ist mehr als alle jährlichen internationalen Flüge und Schifffahrten zusammengenommen. Ein Weitermachen wie bisher würde langfristig zu katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt führen. Die Branche hat darum erkannt, dass eine Umstellung in Richtung Nachhaltigkeit daher unumgänglich ist.

Kreislaufwirtschaft als Lösungsansatz

Ein Lösungsansatz für eine nachhaltigere Bekleidungsindustrie ist die „Circular Economy“, also Kreislaufwirtschaft. Sie hat zum Ziel, dass alle in der Produktion eingesetzten Rohstoffe wieder vollständig in den Produktionsprozess zurück fließen und so lange wie möglich wiederbenutzt werden. Somit soll der Nutzen von Ressourcen und Rohstoffen gesteigert werden. Die Kreislaufwirtschaft ist das Gegenteil der linearen Wirtschaft, in der die meisten eingesetzten Rohstoffe nach der Nutzungsdauer eines Produkts weggeworfen, entsorgt, deponiert oder verbrannt werden.

Beispiele für neue Geschäftsmodelle

Einige Modeunternehmen haben die Problematik der Ressourcenknappheit und Wegwerfkultur erkannt. Sie entwickeln neue Geschäftsmodelle im Sinne der „Circular Economy“, um diese Risiken zu Chancen zu machen.

Ein großer Sportartikelhersteller hat beispielsweise eine Kollektion herausgebracht, die durch Wiederverwertung von Plastikabfällen aus dem Meer entsteht. Dadurch reduziert sich die Umweltverschmutzung und der Ressourcenbedarf für neue Plastikprodukte sinkt.

Ein niederländischer Jeanshersteller bietet seinen Kunden ein Leih- und Leasingkonzept an. Statt neu zu kaufen, leiht sich der Konsument eine Jeans und kann sich dadurch neuen Trends und Jahreszeiten schnell anpassen. Indem das Produkt im Besitz des Herstellers verbleibt, verbessert sich der Rohstoffkreislauf. Abgetragene Jeans werden nach Rückgabe entweder zu neuem Jeansgarn recycelt oder zu Vintage-Einzelstücken upgecycelt. Dadurch  wird die Nachhaltigkeit der Produkte weiter verbessert bzw. deren Lebenszyklus verlängert.

Darüber hinaus bieten Upcycling- und Second-Hand-Programme Unternehmen die Möglichkeit, den Rohstoffwert der Kleidung auch über den Verkauf hinaus zu kontrollieren und wiederholt zu nutzen. Ein schwedisches Modeunternehmen nimmt aussortierte Kleidung entgegen und verkauft sie je nach Zustand als Second-Hand-Ware oder verwertet sie für andere Produkte wie Putzlappen oder Dämm- und Isolierstoffe weiter.

Derzeit werden Infrarot-Sortiersysteme für Second-Hand Kleidung und chemische Verarbeitungstechnologien entwickelt, um gemischte Fasern aufzulösen und so beispielsweise Polyester oder Baumwolle voneinander zu trennen. Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Fasern in neuen Produkten wiederverwerten zu können. Diese neuen Technologien befinden sich jedoch noch in der Prototypphase.

Globale Ziele für nachhaltige Entwicklung

Um die richtigen Investitionen in Circular-Economy-Initiativen zu tätigen, sollten Textilunternehmen globale Nachhaltigkeitsziele für sich priorisieren. Die Vereinten Nationen haben 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) bezüglich der wichtigsten aktuellen Umwelt-, sozialen und wirtschaftlichen Probleme vereinbart. Unter anderem gehören hierzu die Bekämpfung des Klimawandels durch die Reduktion und Kontrolle von Ressourcennutzen sowie nachhaltiger Konsum und Produktion durch neue Prozesse und neue Konsumkonzepte für den Kunden. Hier spielen neue Ansätze im Sinne der „Circular Economy“ eine wichtige Rolle um als Unternehmen einen Beitrag zu leisten.

Hierzu dient der Bericht „Threading the Needle: Weaving SDGs in the Textile, Retail, and Apparel industry“, den KPMG in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Organisation Textile Exchange erstellt hat, als eine Orientierungshilfe für Textilunternehmen, die die SDGs in ihrer Wertschöpfungskette und in „Circular Economy“ Ansätzen realisieren wollen. Durch das entwickelte SDG Engagement Framework können Unternehmen Themen und Risiken für sich priorisieren und konkrete Lösungsansätze entwickeln.

Ressourcenverbrauch reduzieren

Zwischen 2000 und 2015 ist der Verkauf von Kleidung weltweit um das Doppelte angestiegen, während die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Kleidungsstückes stark zurückgegangen ist. Dies heißt auch, dass der Ressourcenverbrauch durch die Bekleidungsindustrie immens gestiegen ist. Das Modell „Fast Fashion“ und die Produktion von schnell wechselnder, billiger Kleidung sollte sich dringend ändern, um die Belastung für Ressourcen und die Umwelt zu verringern. Hier bietet die „Circular Economy“ eine Chance, damit Risiken für Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen für Gesellschaft und Umwelt vereinbart werden.

Christian Hell
  • Partner, Governance & Assurance Services
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