Unternehmen müssen strategisch Strom einkaufen

Firmen suchen bei Energiekosten nach Einsparpotenzialen und effektiven Lösungen

Keyfacts

  • Steigende Energiekosten belasten Unternehmen
  • Blick von außen kann bei Einsparungen helfen
  • Reduzierung der Energiekosten gehört in die Unternehmensstrategie
Reinhard Frigger
  • Director, Advisory Operations
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Der Blick ins Portemonnaie verrät es: Strom ist teurer geworden. Besonders Privatkunden bekommen das schmerzlich zu spüren. Alljährlich flattern den Haushalten Preisanpassungsschreiben ihrer Versorger ins Haus. Steuern, Netzentgelte und Umlagen treiben die Energiekosten in die Höhe. Viele Kunden wechseln kurzerhand zum günstigeren Anbieter. An den Stromnebenkosten ändert die Flucht zu einem neuen Versorger jedoch nichts – sie sind nicht verhandelbar, da gesetzlich vorgeschrieben. Die Umlagen machen inzwischen rund drei Viertel des Strompreises aus.

Schneise durch den Tarifdschungel

Steigende Energiekosten belasten nicht nur den Geldbeutel der Privatkunden, auch Unternehmen suchen händeringend nach Einsparpotenzialen und effektiven Lösungen, um im Vertragsdschungel von Spezial-, Sondertarifen und Ausnahmeregelungen den Überblick zu behalten. Strategischer Energieeinkauf wird für viele zu einem wichtigen Thema. Doch nur wer die richtigen Hebel kennt und sie auch professionell bedient, spart am Ende bares Geld.

Ganz klar: Alle Unternehmer möchten ihre Energiekosten senken. Viele mittelständische Firmen haben häufig aber weder die Zeit noch die personellen Ressourcen, die verschiedenen Tarifmodelle zu durchforsten, das Kleingedruckte in Abnahmeverträgen richtig einzuschätzen und die Entwicklungen an den Energiebörsen im Blick zu behalten.

Doch um optimal Strom einkaufen zu können, müssen Unternehmer energiewirtschaftliche Grundlagen kennen – und zwar branchenübergreifend. Einkäufer und Controller in energieintensiven Unternehmen beschäftigt das Thema seit geraumer Zeit. Ohne Wissen über die Märkte und Rahmenbedingungen im Energiesektor lassen sich Entscheidungen zum optimalen Wann und Wie der Energiebeschaffung nicht fundiert treffen.

Alles hat seine Zeit, auch der Stromeinkauf

Stromintensiv produzierende Unternehmen sind in der Regel von der EEG-Umlage befreit. Eine Entlastung, in deren Genuss kleinere Mittelständler oft nicht kommen. Sie müssen die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien zahlen. Nicht produzierende Unternehmen und Mittelständler müssen somit andere Hebel bedienen, um Einsparungen zu realisieren. Kurzfristige Lieferverträge mit Stromlieferanten sind ein Mittel der Wahl – beispielsweise mit monatlichen Laufzeiten. Sich über Jahre an einen Versorger zu binden, kommt für viele Unternehmen nicht mehr in Frage. Kombinationen aus kurzfristigen Verträgen und Jahreslieferverträgen sind keine Seltenheit mehr. Häufig lohnt es sich daher auch, bestehende Verträge noch einmal neu zu verhandeln.

Welche Beschaffungsstrategie ein Unternehmen verfolgt, muss jedes für sich entscheiden. Dabei sollte es aber auch auf den Blick von außen, auf professionelle Unterstützung bauen. Gerade für mittelständische Unternehmen lohnt es sich, auf Dienstleister zurückzugreifen, die zwischen ihnen und den Stromlieferanten vermitteln und Ausschreibungen für sie organisieren. Für die wirtschaftlich beste Lösung sollten alle Liefer- und Netznutzungs-Verträge auf den Prüfstand.

Energie lückenlos managen

Nur auf die Beschaffung und die Stromkosten zu schielen, verengt die Sicht auf das Wesentliche. Zumal der Kampf um knappe Rohstoffe und Energie weiter an Fahrt gewinnt. So wird jede nicht verbrauchte Kilowattstunde (kWh) langfristig zu einem echten Wettbewerbsvorteil. Unternehmen gleich welcher Größenordnung kommen heute nicht mehr umhin, sich intensiv mit dem Thema Energieeffizienz zu befassen. Ressourcenschonender Einsatz von Energie wird zunehmend integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie; auch die Rolle des Einkaufs definiert sich neu: als zentrale Steuerungseinheit und Schnittstelle – entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Die Formel klingt simpel: Nur durch Verbrauchsreduktion lassen sich auch in Zukunft die Energiekosten minimieren. Die praktische Umsetzung ist deutlich komplexer. Management und Controlling brauchen belastbare Daten in Bezug auf Energieflüsse, Verbrauchsverhalten, Marktlage und Preisentwicklungen, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen können. Energieeinkäufer müssen künftig als Schnittstellenmanager auftreten und auch so kommunizieren – mit allen Fachbereichen und Abteilungen des Unternehmens. Integration ist das Zauberwort. Alleingänge einzelner Abteilungen führen oft zu nichts und bewirken das Gegenteil von effizienter Energienutzung. Gelingt der Bewusstseinswandel im Inneren, stärkt das die Wettbewerbsposition – das sollte jedem Unternehmen klar sein.

Reinhard Frigger
  • Director, Advisory Operations
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