Verantwortung des Vorstands: Die gute und die schlechte Gier

Millionengehälter und Annehmlichkeiten von Top-Managern stehen immer wieder in der Kritik

Keyfacts

  • Millionengehälter von Managern in der Kritik
  • Gier Hauptmotiv für Wirtschaftskriminalität
  • Täter sind angesehen und gebildet
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Christoph Kampmeyer
  • Director. Compliance & Forensic
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Der persönliche Fahrer, ein Flug im Privatjet – es gibt so manche Annehmlichkeit, von der Unternehmenschefs profitieren. In der Öffentlichkeit kommen solche Vergünstigungen nicht gut an. Gibt es eine Grenze zwischen Gier und gutem Gehalt?

Die Millionengehälter von Top-Managern geraten immer wieder in die Kritik. Nicht nur in den Medien ist die Vergütung ein Thema mit großem Konfliktpotenzial. Sogar Manfred Götz, der Vorsitzende der Kodex-Kommission brandmarkt inzwischen die steigenden Festgehälter.

Auch variable Gehaltsbestandteile stehen in der Kritik. Einige argumentieren, dass diese Vergünstigungen notwendig sind, damit überhaupt jemand in die Rolle eines Vorstands schlüpft. Wieder andere sagen, nur so könne der Vorstand seine Rolle wirklich wahrnehmen.

Ist das so?

Die Unternehmensleitung muss rasch und kompetent Urteile treffen, die Einfluss auf teilweise mehrere Tausend Menschen haben. Dazu muss sie rechtzeitig über alle Entwicklungen informiert sein. Ein eigener Fahrer ermöglicht ihr, ohne Stress zu reisen, gleichzeitig zu arbeiten und nicht noch einen Parkplatz zu suchen. Durchaus nachvollziehbar, wie ich meine.

Der Vorstand trägt die Verantwortung für die Mehrung der Unternehmenswerte

Er leitet ein Unternehmen in eigener Verantwortung unter Berücksichtigung der Belange der einzelnen Interessengruppen. Sein Ziel ist die nachhaltige Wertschöpfung. So steht es im Deutschen Corporate Governance Kodex (DCKG), der die Regeln für die Vorstände und Aufsichtsräte manifestiert.

Aber: Gibt es eine Grenze, ab der der Vorstand mit seinem Handeln Unternehmensvermögen vernichtet?

Aus meiner Sicht ein klares JA

Damit meine ich nicht, dass eine unternehmerische Entscheidung getroffen wird, die sich im Nachhinein als Fehleinschätzung herausstellt. Ich meine, dass rein persönlich motiviertes Verhalten des Einzelnen dem Unternehmen schadet.

Gier ist das Hauptmotiv für Wirtschaftskriminalität

Der typische Täter ist angesehen, gebildet – und gierig. Das zeigte schon unsere Studie aus dem vergangenen Jahr. Gier bedeutet nicht unbedingt die Gier nach Geld. Auch Macht oder Ansehen können Gier wecken.

„Gier ist gut. Gier ist richtig. Gier funktioniert“, sagte Anfang der 80er Jahre der Börsenhai Gordon Gekko im Filmklassiker „Wall Street“. Gier ist ein Antrieb im Kapitalismus. Denn Gier treibt den Einzelnen zu besseren Leistungen an, zu höherem Einkommen und letztlich zu mehr Wohlstand.

Die schlechte und die gute Gier

Ich frage mich: Wie kann ich Gier zielgerichtet einsetzen? Dazu lohnt es sich, die Rolle des Vorstands näher zu betrachten.

In den 1970er Jahren untersuchte Professor Meredith Belbin die verschiedenen Rollen eines Teams. Er definierte neun Positionen für ein ideales Management: Eine davon besetzt der Koordinator, der Vorstand. Es geht um eine Person, die selbstsicher auftritt, Ziele darstellt, die Entscheidungsfindung fördert und über eine gute Delegationsfähigkeit verfügt.

Diese Eigenschaften unterschreibe ich vollständig für jeden Vorstand.

Aber auch einem Vorstand muss ein Rahmen gesetzt werden

Der DCGK spricht von Compliance. Die gesetzlichen Bestimmungen und die unternehmensinternen Richtlinien sind einzuhalten. Das bedarf der Kontrolle. Verstößt die Unternehmensleitung gegen die Regeln, sind Sanktionen wichtig.

Das heißt: Jedes Unternehmen muss ein funktionierendes internes Kontrollsystem besitzen. Die entsprechenden Aufsichtsgremien müssen ihre Kontrollaufgaben wahrnehmen. Bei Verstößen müssen spürbare Konsequenzen gezogen werden.

Es gilt die Gier in einem Vorstand zu wecken

Damit dieser Entscheidungen trifft, die den Erfolg des Unternehmens vergrößern. Es sind aber gleichzeitig solche Regeln zu setzen, mit denen der Vorstand nicht einer der sieben Todsünden, also der Gier oder Habgier, verfällt. Denn damit unterliegt er einer weiteren Todsünde: dem Hochmut, der bekanntlich vor dem Fall kommt.

Christoph Kampmeyer
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