Afrika: Marktchancen für den deutschen Mittelstand

Marktchancen in Afrika

Familienunternehmen sollten in den Absatz- und Investitionsmarkt der Zukunft investieren.

Keyfacts über Afrika

  • Die afrikanische Wirtschaft wächst stetig
  • Mittelständler sollten Markteintritt nicht verpassen
  • Deutsches Know-how ist gefragt
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„Hurry boy, it’s waiting there for you” – diese Zeile aus dem Lied „Africa“, das die Rockband Toto vor über 25 Jahren veröffentlicht hat, steht sinnbildlich für die Bedeutung, die der afrikanische Kontinent heute für deutsche Unternehmen hat. Es ist ein Wachstumsmarkt, den sie noch nicht besetzen, während andere Nationen – wie etwa China, Indien, die USA oder Großbritannien – ihre Wachstumschancen dort längst erkannt haben.

Stetiges Wachstum

Die afrikanische Wirtschaft wächst stetig – Länder mit einem jährlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von über fünf Prozent sind keine Seltenheit. Zum Vergleich: In Deutschland stieg das BIP im Jahr 2016 um knapp zwei Prozent. Afrika ist aber nicht nur deshalb für deutsche Unternehmen interessant. Vier Faktoren tragen besonders dazu bei, dass immer mehr Unternehmen, aber auch europäische Institutionen, ihre Blicke auf den Kontinent richten: Die große Innovationskraft und der Unternehmergeist der Bevölkerung – trotz struktureller Herausforderungen. Deren Aufgeschlossenheit für neue Produkte und Dienstleistungen. Eine junge Arbeitsbevölkerung. Und, nicht zuletzt, die wachsende politische Stabilität in vielen Ländern des Kontinents.

Vielzahl von Märkten und Chancen

So ist Afrika dieses Jahr auch Schwerpunktthema der deutschen G20-Präsidentschaft gewesen. Ein vordringliches Anliegen ist dabei ein nachhaltiger wirtschaftlicher Fortschritt. Unternehmen, die den Kontinent langfristig als Investitions- und Absatzmarkt nutzen möchten, müssen jedoch im Blick haben, dass Afrika ein facettenreicher, vielfältiger Kontinent ist, der sich nicht vereinheitlichen oder auf einen kleinstmöglichen Nenner bringen lässt.

So wie es nicht das eine Afrika gibt, gibt es dort nicht nur den einen Absatzmarkt oder die eine Markteintrittsstrategie. Doch von der Dynamik Afrikas kann Deutschland wirtschaftlich profitieren und die lokalen Entwicklungsherausforderungen mit moderner Technologie und fortschrittlichem Wissen in Chancen umwandeln.

Nicht nur verlängerte Werkbank

Unabhängig vom jeweiligen Land ist es maßgeblich, dass deutsche Unternehmen den afrikanischen Kontinent nicht nur als eine weitere verlängerte Werkbank sehen. Um auf dem afrikanischen Kontinent erfolgreich zu sein, gilt für deutsche Unternehmen, Wertschöpfung vor Ort aufzubauen und die Produkte vergleichsweise bezahlbar zu halten, die sie dort vertreiben möchten. Oder wie es der Marshallplan mit Afrika des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung betont: Das Engagement auf dem afrikanischen Kontinent darf keine Entwicklungshilfe sein. Afrika braucht afrikanische Lösungen, die gemeinsam vor Ort – im Idealfall eigenverantwortlich – umgesetzt werden. In diese Richtung zielen auch die Staaten der Afrikanischen Union mit ihrer Agenda 2063 – einem Langzeit-Entwicklungsplan, der die afrikanische Gesellschaft und Wirtschaft in die Zukunft führen soll.

Kontrollierbares Investment, unbezahlbarer Vorsprung

Um Toto noch einmal zu zitieren: „Gonna take some time to do the things we never had” – ein Prinzip, das in Afrika sicherlich noch an vielen Orten gilt und gelebt wird. Während die Städte rasant wachsen, geht der Wandel in den ländlichen Regionen immer noch sehr langsam voran. Doch Afrika hat Fahrt aufgenommen und es ist für deutsche Familienunternehmen und Mittelständler an der Zeit, beim Markteintritt in Afrika dabei zu sein.

Wer frühzeitig vor Ort ist, kann die Voraussetzungen auf struktureller und emotionaler Ebene schaffen, um erfolgreich auf dem afrikanischen Kontinent Fuß zu fassen. Es ist wichtig, lokale Partner zu finden und Netzwerke sukzessive aufzubauen. Denn wie auch in anderen Ländern kommt Netzwerken und Partnerschaften in Afrika eine immens hohe Bedeutung zu. Sie sind oft essentiell für den Erfolg einer Unternehmung – so eröffnen sie häufig erst den Zugang zu relevanten Informationen oder Märkten.

Das Investment bleibt bei einer solchen Herangehensweise kontrollierbar, der Vorsprung gegenüber anderen Unternehmen mit späterem Markteintritt aber unbezahlbar.

Geschäftliche und unternehmenskulturelle Gemeinsamkeiten

Auf der Suche nach Partnern werden Mittelständler und Familienunternehmen aus Deutschland sehr wahrscheinlich schnell fündig werden. Viele afrikanische Unternehmen sind ebenfalls klein- bis mittelständisch geprägt, ihr Wertesystem ist ähnlich. Kurzum: Es gibt nicht nur auf der geschäftlichen, sondern auch auf der unternehmenskulturellen Ebene vielfältige Anknüpfungspunkte. Zudem gilt: Die Stärken des deutschen Mittelstandes – unter anderem seine Vielseitigkeit und Innovationskraft – sind in Afrika hoch angesehen und willkommen.

Deutsche Ingenieurskunst genießt nach wie vor einen guten Ruf. Deutsche Unternehmen haben darum im Bereich der Infrastruktur besonders gute Chancen in Afrika. Der Kontinent ist aber auch für zahlreiche weitere Branchen interessant – etwa für Lebensmittel- und Konsumgüter, das Gesundheitswesen, Transport und Logistik, Handel, Telekommunikation sowie Energie und Elektrizität. Deutschen Unternehmen bieten sich auf dem afrikanischen Kontinent viele Chancen – es ist an der Zeit, zuzugreifen. Oder wie es bei Toto heißt: „I know that I must do what‘s right.“

03. August 2017
Zusammengefasst

»Das Engagement auf dem afrikanischen Kontinent darf keine Entwicklungshilfe sein. Afrika braucht afrikanische Lösungen, die gemeinsam vor Ort – im Idealfall eigenverantwortlich – umgesetzt werden.«

Afrika ist ein Absatz- und Investitionsmarkt der Zukunft, der gerade sukzessive erschlossen wird. Deutsche Mittelständler und Familienunternehmen sollten die Chance nutzen und aktiv Teil des afrikanischen Wirtschaftswachstums werden.

Dr. Christian Lindfeld Senior Manager, Familienunternehmen, Afrika-Experte
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Kommentare

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