Autobauer und die Umsatzsuche

Autobauer und die Umsatzsuche

Mit dem Auto allein wird in Zukunft kaum noch Geld verdient.

Keyfacts über digitales Ökosystem

  • Ein vernetztes Auto macht künftig mehr Umsatz als zehn traditionelle Fahrzeuge
  • Der Kunde und dessen Datenspur werden die neue Währung sein
  • Offline- und Online-Welt treffen aufeinander - eine komplette Verschmelzung ist ungewiss
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24. Februar 2017

Womit ist in Zukunft Geld zu verdienen? Immer öfter stellen sich Autobauer auf der ganzen Welt genau diese Frage. Einigkeit besteht allerdings über einen Fakt: Das Auto alleine wird künftig als Profitquelle nicht mehr ausreichen.

Wie aus der neuen Global Automotive Executive Survey 2017 hervorgeht, ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt, woher der Umsatz in Zukunft kommen soll. „Ist die Profitquelle der Kunde, seine Daten oder das digitale Ökosystem, diese Fragen müssen sich die Autobauer alsbald beantworten“, beschreibt Dieter Becker, Global Chair of Automotive bei KPMG in Deutschland, die Situation.

Die neue Dimension

Geht man nach den Einschätzungen der Top-Entscheider aus der Autobranche, ist das digitale Ökosystem eine besonders vielversprechende Einnahmequelle. 85 Prozent der fast 1000 befragten Führungskräfte aus 42 Ländern gehen davon aus, dass der Umsatz in Zukunft im digitalen Ökosystem gemacht wird und nicht nur mit dem Fahrzeug an sich. Der Unternehmenserfolg der Autohersteller kann laut Becker und 71 Prozent der Befragten nicht einzig und allein am Fahrzeugabsatz bemessen werden. Der Wert pro Kunde wird hingegen in den Fokus rücken.

„Das Fahrzeug wird immer noch die zentrale Rolle spielen, jedoch nicht mehr die Haupteinnahmequelle. Die Marktteilnehmer, die den Kunden und dessen Datenspur für sich gewinnen können, haben aller Voraussicht nach die besten Chancen, sich am Markt zu behaupten, denn ein vernetztes Auto wird künftig wohl mehr Umsatz generieren als zehn traditionelle, nicht vernetzte Autos. Das sehen auch 3 von 4 der Executives so“, prognostiziert Becker.

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen relativ deutlich, dass sich die Autoindustrie zwischen zwei Welten bewegt. Auf der einen Seite haben wir die hardwarebezogene Offline-Welt, also das Auto als Fortbewegungsmittel, und auf der anderen Seite die softwarebezogene Online-Welt, all das, was wir als digitales Ökosystem verstehen. Beide Welten werden sich auf lange Sicht nicht komplett vereinen lassen. Wir brauchen daher eine zusätzliche Dimension, in der sich beide Welten treffen können“, sagt Becker weiter. Allerdings sei das digitale Ökosystem noch nicht marktreif und die Verteilung der einzelnen Player in der Wertschöpfungskette um den Kunden herum noch nicht entschieden.

1000

Führungskräfte aus 42 Ländern wurden für die neue Global Automotive Executive Survey 2017 befragt.

Für Becker wird der Kampf um den Kunden noch heftiger ausgefochten, ohnehin hätten sich die Top-Themen im Vergleich zu den Ergebnissen von 2016 verschoben:  „Eigentlich hatte sich die gesamte Branche darauf eingestellt, die Themen Konnektivität im Besonderen und Digitalisierung im Allgemeinen zu fokussieren“, meint der Autoexperte weiter.

Doch plötzlich stehen die Antriebsformen wieder auf der Agenda der Entscheider – noch vor Digitalisierung und Vernetzung: „Jeder zweite Entscheider sieht die Antriebsformen als besonders wichtig an – besonders die Batterietechnologie steht ganz oben auf der Agenda. Mit Tesla, Apple und Google schicken sich neue Konkurrenten an, die komplett auf Verbrennungsmotoren verzichten“, begründet Becker das Interesse am Verbrennungsmotor.

Wohin mit dem Geld?

Wohin die Reise für die Autobauer nun also geht, ist allerdings unklar. Demzufolge befinden sie sich in einer Art Investitionsdilemma: „Es ist klar ersichtlich, dass sich die Branche in einem Dilemma befindet zwischen Investitionsentscheidungen, Erreichung der CO2-Ziele und unterschiedlichen Produktentwicklungszyklen“, erklärt Becker.

Der Experte meint: „Die Lösung für das Dilemma zwischen automobiler und digitaler Welt kann nur eine Integration aller Elemente in einem virtuellen Cloud-Ökosystem sein, worin alle Marktteilnehmer, vom Endkonsumenten über Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnik bis hin zu traditionellen Hardware Anbietern, vereint werden.“ Interessant dabei sei jedoch auch, dass in solch einem digitalen Ökosystem für den Kunden Datensicherheit eine zentrale Rolle spielen wird. Daher sei es notwendig den Sicherheitsbegriff neu zu definieren, denn traditionelle Kaufkriterien könnten über Bord geworfen werden. Diese ganz neue Sicherheitsdebatte wird zwischen Autobauer und IT-Unternehmen geführt. Beide müssen auf einen Nenner kommen.

Und weiter: „Es gibt zwei Goldadern: die, der Upstream-Daten, beinhaltet Daten die vom Fahrzeug selbst generiert werden, während die Goldader der Downstream-Daten die Kunden und Nutzerdaten umfassen.“ Im digitalen Ökosystem werden diejenigen Umsätze generieren die es verstehen die Datengoldmienen richtig zu nutzen, um über die Kundenschnittstelle die Nutzungsrechte der Datenspur ihrer Kunden und deren vernetzte Fahrzeuge zu bekommen.

Zusammengefasst

»Ist die Profitquelle der Kunde, seine Daten oder das digitale Ökosystem, diese Fragen müssen sich die Autobauer alsbald beantworten.«

Was wird aus dem Auto? Fakt ist, dass die Fahrzeuge an sich bald nicht mehr genug Profit machen. Die Hersteller begeben sich deshalb heute schon auf die Suche - vielleicht zu spät?

Dieter Becker Partner Head of Automotive
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Was wird aus dem Auto?

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