Chinas Automarkt: Wird der nächste Tesla ein Chinese?

Kommt der nächste Tesla aus China?

Was der chinesische Automobilmarkt für deutsche Autobauer bedeutet.

Keyfacts über China

  • Der chinesische Automarkt wird immer wichtiger
  • E-Mobilität in China boomt
  • Chinesische Autobauer erweitern ihre Expertise
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Gemessen an der Zahl der verkauften Autos ist China schon längst der größte Automarkt der Welt: 28 Millionen Fahrzeuge wurden nach Statista-Angaben im letzten Jahr verkauft. Aber es ist nicht nur die pure Menge an Autos, auch bei Elektroantrieb und vernetztem Fahren wird das Land für die Weltwirtschaft immer wichtiger. Über China im Umbruch und die daraus resultierenden Herausforderungen für deutsche Unternehmen sprechen wir mit Andreas Feege, Partner und Leiter Country Practice China bei KPMG Deutschland.

Herr Feege, was unterscheidet den chinesischen vom deutschen Automobilmarkt – mal abgesehen von den unterschiedlichen Größen?

Die Rahmenbedingungen in China sind deutlich anders. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Stadt, die Urbanisierung erreicht dabei bisher ungekannte Höhen. Parallel dazu sehen wir, dass die Mittelschicht in den letzten Jahren stark angewachsen ist. Und sie ist durchaus umweltbewusster als in der Vergangenheit – was nicht die schlechteste Idee ist, wenn man in einer Millionenstadt mit dementsprechender Verkehrsbelastung lebt. Hier wächst also eine breite Schicht potenzieller Kunden heran, die sich in ihrer Affinität gegenüber technischen Innovationen deutlich von den deutschen Verhältnissen unterscheidet. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Fahrzeugdichte pro Einwohner immer noch sehr gering ist und kaum jemand einen Wagen least.

Inwiefern sind chinesische Autofahrer technisch affiner als deutsche?

Das Alter eines Autofahrers in China ist wesentlich jünger als in Deutschland und die Vernetzung des Autos mit dem Handy und dem Internet ist dem Kunden wesentich wichtiger. Bei Fragen des Datenschutzes machen sich Chinesen in der breiten Masse auch weniger Gedanken als Deutsche. Man ist wesentlich aufgeschlossener und optimistischer gegenüber E-Mobilität. Das liegt sicher auch daran, dass Elektromobilität in chinesischen Städten bereits weit verbreitet ist – ob nun als Bus, Kastenwagen oder E-Roller. Damit sind die Rahmenbedingungen für die zwei wichtigsten Zukunftstrends der Mobilität in China denkbar gut.

Welche Rolle spielt die chinesische Politik hierbei?

Eine große. Mit staatlichen Kaufanreizen wurde in der Vergangenheit der Absatz von Kleinwagen, Hybrid- und Elektroautos massiv angeschoben. Im letzten Jahr wurden in China knapp 340.000 Elektroautos zugelassen, in der EU waren es knapp 150.000. Prozentual gesehen bedeutet das ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr in der EU – und von 62 Prozent in China.

In Zukunft könnten Quotenregelungen an diese Stelle rücken. Dann würde der Anteil der E-Autos bei den Herstellern von planmäßig acht Prozent im nächsten Jahr auf bis zu 12 Prozent im Jahr 2020 steigen. Damit steigt auch die Expertise, die chinesische Autobauer im Bereich der E-Mobilität mitbringen in den nächsten Jahren zwangsläufig an.

62

Prozent mehr Elektroautos wurden im letzten Jahr in China zugelassen, gemessen am Vorjahr

Also rollen bald chinesische Elektroautos über deutsche Straßen?

Nicht zwangsläufig. Allerdings dürften chinesische Unternehmen, die momentan als Staatsbetrieb häufig noch defizitär sind, von der Internationalisierungsstrategie der chinesischen Regierung profitieren. Am Ende ist immer der vorne, der seinen Kunden das bessere Angebot macht. Das gilt nicht nur im Automobilbereich: Mit dem Zukauf von ausländischem Know-how wie beispielsweise kürzlich bei dem Robotik-Unternehmen Kuka werden chinesische Unternehmen künftig auch bessere Angebote machen können.

Zurück zum Auto: In welcher Position befinden sich deutsche Anbieter?

Im Bereich der Luxusklasse dominieren sie. Und sie sind so profitabel wie nie. Die Stellung auf dem Weltmarkt für Automobile wird sich auch künftig in China entscheiden, wie China als Einzelland schon jetzt der wichtigste Markt für deutsche Unternehmen ist. Allerdings dürften die momentan hohen Margen im zunehmenden Wettbewerb sinken, auch wenn deutsche Marken immer mehr lokale Modelle entwickeln und produzieren. Und die entscheidende Frage ist ohnehin, wann autonome Fahrzeuge und das Internet des Autos die aktuellen Geschäftsmodelle verändern werden. Wenn die Massenfertigung von Elektrofahrzeugen die traditionellen Motoren ablöst, sollten deutsche Unternehmen darauf vorbereitet sein. Und hier rücken chinesische Unternehmen derzeit stark nach, die mittlerweile nicht nur westliche Spitzenmanager sondern auch Designer einstellen.

Wagen Sie doch mal eine Vorhersage: Wo steht China im Jahr 2025?

Bei den Schlüssel-Trends E-Mobilität und vernetztes Fahren sollte das Land an der Weltspitze stehen. Es gibt Schätzungen, dass 13 der 15 größten Produktionsstandorte im Jahr 2023 in China liegen werden. Aufgrund der vom Staat zur Verfügung gestellten Ladenetze, geringerer Ansprüche der Verbraucher an Geschwindigkeit und Reichweite, bestehender Erfahrungen mit Batterien und dem staatlichen Druck einer höheren Quote lokaler Marken am chinesischen. Automarkt (70% wird angestrebt für Elektro und Hybridfahrzeuge bis 2020) werden wir aufgrund des Wandels zur Elektromobilität und des autonomen Fahrens wesentlich häufiger von heute bereits großen chinesischen Unternehmen wie BYD und GAC oder neuen, bei uns fast unbekannten Playern, wie Nio, FMC oder Faraday hören. Disruptive Player mit weltweiter Bedeutung wie beispielsweise Google oder Tesla werden in Zukunft nicht nur aus Amerika kommen.

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30. Mai 2017
Zusammengefasst

»Die größer werdende chinesische Mittelschicht ist durchaus umweltbewusster als in der Vergangenheit – was nicht die schlechteste Idee ist, wenn man in einer Millionenstadt mit dementsprechender Verkehrsbelastung lebt.«

28 Millionen Fahrzeuge wurden im letzten Jahr in China verkauft – der größte Automobilmarkt der Welt. Aber es ist nicht nur die pure Menge an Autos, auch bei Elektroantrieb und vernetztem Fahren wird das Land für deutsche Autobauer immer wichtiger.

Andreas Feege Partner, Audit, Leiter Country Practice China
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Kommentare

Was müsste ein Auto aus China können, damit Sie es kaufen?

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