Cross-Channeling sichert das Überleben im Modehandel

Cross-Channeling sichert das Überleben

KPMG-Studie prognostiziert deutliche Steigerung des Online-Handels in der Modebranche

Keyfacts über Modebranche

  • Online-Anteil steigt in den kommenden zehn Jahren von heute 21 auf rund 36 Prozent
  • Stationärer Fachhandel kann mit digitalen Innovationen mithalten
  • Reine Online-Händler bauen zunehmend das stationäre Geschäft auf oder aus
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Online gewinnt, offline verliert? So einfach funktioniert der Modefachhandel nicht, wie die aktuelle KPMG- Studie belegt. Der Kampf des Einzelhandels gegen die reinen E-Commerce-Anbieter ist demnach keineswegs so aussichtslos, wie es die aktuellen Wachstumsraten des Online-Handels vermuten lassen. Ein Blick auf den Fashion-Markt 2025.

Auf der Konferenz #Fashiontech Berlin während der Berlin Fashion Week 2016 ging es nicht nur darum, wie Mode und Technik zueinander finden. Thema war auch die Zukunft von Retail und E-Commerce. Sebastian Paas, Fashion-Experte bei KPMG, nahm in seinem Vortrag den Modemarkt 2025 unter die Lupe.

Laut der aktuellen Studie Fashion 2025 wird der Online-Anteil in den kommenden zehn Jahren von heute 21 auf rund 36 Prozent deutlich steigen. Ein wesentlicher Grund dafür ist Mobile Shopping. Immer mehr Menschen erledigen ihre Käufe unterwegs mit dem Smartphone. Doch auch dem stationären Fashion-Fachhandel gelingt es, sich 2025 auf dem Markt zu behaupten – sein Anteil hat sich trotz der starken Onlinekonkurrenz nur leicht verringert.

„Das Szenario beweist: Der stationäre Fachhandel kann im Konkurrenzkampf mit dem Online-Handel mithalten, wenn er seine Stärken – von der klassischen Beratung bis hin zum Anprobieren – mit digitalen Innovationen verknüpft“, bringt es Sebastian Paas auf den Punkt.

Cross-Channeling: Stationäre Käufe werden online vorbereitet

Die Überlebensstrategie des Modehandels heißt: Cross-Channel. Ziel ist es, kanalübergreifende Services mit Mehrwert zu schaffen und digitale Technologien möglichst kreativ zu nutzen. Füße in 3D vermessen lassen? Ein Scanner in der Umkleide, der sagt, ob der Pullover auch eine Größe kleiner verfügbar ist? Oder eine App, die Kunden bestimmte Vorteile bringt, wenn sie sich registrieren – wie bei Marc O’Polo: Treue Kunden können dort ihre Artikel online reservieren und im Laden während einer persönlichen Beratung kaufen (Click & Collect).

Zum einen sparen sich Kunden auf diese Weise Versandkosten und Wartezeiten, zum anderen bekommt der Händler die Kundschaft wieder persönlich zu Gesicht. Stellt er sich geschickt an, kann er ihr zur online gekauften Mütze noch einen passenden Schal verkaufen. Die Anteile von Click & Collect erreichen in einzelnen Unternehmen laut Studie bereits beachtliche Dimensionen: Ernsting’s Family beispielsweise hatte Anfang 2015 eine Pick-up-Rate von 80 Prozent sowie Zusatzkäufe in Höhe von 30 Prozent bei Abholungen. „Mit dem Click & Collect-Ansatz erzielen Cross-Channel-Händler einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber rein stationären Händlern und Online-Pure-Playern“, sagt Sebastian Paas.

36 %

des Umsatzes in der Modebranche wird in zehn Jahren online umgesetzt werden.

Kein Handel ohne Onlineshop?

Die Befragung von KPMG hat zudem ergeben, dass Anbieter, die beide Kanäle vereinen, als innovativer, kundenfreundlicher und sympathischer gelten. Der Kunde der Zukunft erwartet vom Präsenzhandel die Vorteile des digitalen Shoppings und zwingt den Handel förmlich, die Online- und Offline-Welt immer enger miteinander zu verweben.

Brauchen also auch kleine mittelständische Händler einen teuren Onlineshop, um den Anschluss nicht zu verlieren? „Nein“, sagt Sebastian Paas. Zumindest aber müsse jeder Händler online sichtbar sein, so der dringende Appell des KPMG-Experten. „Ob er via Facebook mit seinen Kunden kommuniziert, freies WLAN im Laden anbietet oder über eine mobile Website Angebote bewirbt – es gibt viele Möglichkeiten, sich zu positionieren, auch ohne eigenen Online-Shop.“

Die Zalandos dieser Welt stehen unter Zugzwang

Das selektive Einkaufsverhalten der Modeliebhaber bringt auch reine E-Commerce-Händler immer mehr in Zugzwang. Persönliche Beratung und Kundenkontakt auf Augenhöhe ist im Netz schwerer möglich. Auch die Vorteile des stationären Handelns – dass sinnliche Erlebnis beim Einkauf in all seinen Formen – lassen sich online nicht Eins-zu-Eins umsetzen. Viele E-Commerce-Händler bieten mittlerweile Curated Shopping an. Die maßgeschneiderte Beratung soll die Kundenzufriedenheit steigern.

Darüber hinaus bauen die reinen Online-Händler zunehmend das stationäre Geschäft auf oder aus – in Form von Showrooms, Pop-up-Stores oder Flagship Stores. Mit dem Präsenzhandel wollen die Onlinehändler nicht nur Umsatz generieren. Es geht auch darum, sich klar von der Konkurrenz abzugrenzen, denn die ist nur einen Klick entfernt. Der Händler bekommt ein Gesicht, wird erlebbar und bleibt nicht länger eine austauschbare Suchmaske.

29. März 2016
Zusammengefasst

»Der stationäre Fachhandel kann im Konkurrenzkampf mit dem Online-Handel mithalten, wenn er seine Stärken – von der klassischen Beratung bis hin zum Anprobieren – mit digitalen Innovationen verknüpft.«

Online gewinnt, offline verliert? So einfach funktioniert der Modefachhandel nicht, wie die aktuelle KPMG- Studie belegt. Der Kampf des Einzelhandels gegen die reinen E-Commerce-Anbieter ist demnach keineswegs so aussichtslos, wie es die aktuellen Wachstumsraten des Online-Handels vermuten lassen. Die Überlebensstrategie des Modehandels heißt: Cross-Channel. Ziel ist es, kanalübergreifende Services mit Mehrwert zu schaffen und digitale Technologien möglichst kreativ zu nutzen.

Sebastian Paas Partner, Consulting
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Wie kann der stationäre Handel in der Modebranche überleben?

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