E-Health-Witz – Kommt ein Mann zum Arzt und fragt: Haben Sie Internet?

E-Health: Kommt ein Mann zum Arzt…

Warum wir immer älter und gesünder werden – und deshalb jetzt auf E-Health setzen sollten

Keyfacts über E-Health

  • Deutsche Gesundheitswirtschaft ist stark gewachsen
  • Die Lebenserwartung steigt an
  • Der demografische Wandel verlangt mehr Vernetzung im Gesundheitswesen
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Natürlich gibt es immer Ausnahmen: Zum Beispiel diejenigen, die für Zahnersatz ins Ausland reisen. Wer Brücken, Kronen oder Prothesen braucht, der bekommt sie mitunter außerhalb der Bundesrepublik billiger. Ob die dort gelieferte Qualität demselben Standard entspricht wie hierzulande, ist oft nicht sicher. Und so ist der Regelfall eher dieser: Wenn jemand im Ausland stärker erkrankt oder einen Unfall erleidet, will er in den meisten Fällen so schnell wie möglich zurück nach Deutschland. Andersherum passiert das wesentlich seltener.

Das deutsche Gesundheitssystem zählt weltweit zu den besten. Das ist die gute Nachricht vor dem morgigen Weltgesundheitstag. Die schlechte Nachricht: Schon länger breitet sich eine gewisse Selbstzufriedenheit aus bei den wesentlichen Akteuren des Gesundheitssystems. Wer sich zu lange auf den eigenen Erfolgen ausruht läuft Gefahr, anstehende Entwicklungen zu verschlafen. Diese Entwicklungen finden dann eben woanders statt. Die Innovationsdividende streichen dann am Ende andere ein. Zum Beispiel beim E-Health Gesetz und dem damit einhergehenden Aufbau eines vernetzten Informationssystems. Zwar habe man „Zeit aufgeholt“, wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dieser Tage sagte. Aber zum Wesen der Zeit gehört es nun mal, dass sie sich nicht aufholen lässt. Möglich ist nur, dass andere ihrerseits ins Trödeln geraten. Dafür jedoch gibt es derzeit kaum Anzeichen.

Gesundes Leben ist zum Trend geworden

Dabei ist die Aussicht insgesamt gut, das Potenzial für Änderungen demzufolge grundsätzlich hoch. Die aktuellen Zahlen aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie belegen das. Bei der sogenannten gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist ein deutliches Wachstum zu verzeichnen: Rund sieben Millionen Menschen arbeiten mittlerweile in der Branche – das sind fast so viele Beschäftigte wie im verarbeitenden Gewerbe. Seit dem Jahr 2005 sind mehr als eine Million neue Arbeitsplätze entstanden, analog dazu sind auch die Exporte stark gestiegen. Im letzten Jahr konnten Güter und Dienstleistungen im Wert von 116 Milliarden Euro ausgeführt werden – mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2005.

Wie kommt das, oder anders gefragt: Bedeutet Wachstum im Gesundheitssektor, dass die Menschen immer kränker werden? Nein, zum Glück nicht. Eher gilt das Gegenteil: Ein gesunder Lebensstil ist mittlerweile „in“. Die Hersteller von Bio-Produkten freuen sich – wenn auch insgesamt in einer Nische – über wachsende Marktanteile, Wellness- und Fitness-Studios waren noch nie so voll wie derzeit, wie auch der Anteil für privat bezahlte Gesundheitsleistungen insgesamt steigt. Das ist der eine Trend, der wiederum Einfluss auf die Industrie nimmt. Der andere Trend hingegen ist der, der in diesen Zeiten auch den Gesundheitssektor nicht ausspart: die Digitalisierung.

116

Milliarden Euro betrug die Summe der letztjährigen Exporte der deutschen Gesundheitswirtschaft – neuer Höchstwert.

Sie hat dazu geführt, dass die Änderungsgeschwindigkeit insgesamt stark zugenommen hat. Auf Verbraucherseite gilt das beispielsweise für Wearables wie Fitness-Armbänder, die das Herz-Kreislauf-System lückenlos überwachen und damit in vielen Fällen deutlich belastbarere Ergebnisse liefern als mehr oder weniger unregelmäßige Arztbesuche. Unterm Strich führt all das dazu, dass die Menschen künftig immer älter werden dürften. So prognostiziert das Imperial College in London in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine steigende Lebenserwartung für Menschen aus Industrieländern in der Spitze auf über 90 Jahre ab dem Jahr 2030. Die verbesserte Gesundheitsversorgung dürfte – so die Forscher – dazu führen, dass Frauen in Deutschland dann durchschnittlich 86 Jahre alt werden, Männer immerhin 82 Jahre.

E-Health Gesetz ist zu zögerlich

Das sind großartige Neuigkeiten, die den Handlungsdruck im Gesundheitssystem allerdings stark erhöhen. Das deutsche Gesundheitswesen ist – knapp gesagt – auf den demografischen Wandel derzeit kaum vorbereitet. Hierzulande gilt stattdessen: Fast jedes Krankenhaus will medizinische Vollversorgung leisten – auch wenn die nächste Klinik nur wenige Kilometer entfernt liegt. Statt mit einer vernetzten Medizin dafür zu sorgen, dass behandelnde Ärzte Patientendaten untereinander leichter austauschen können, belohnt das System der Fallpauschalen jede Operation, die an einem anderen Ort womöglich besser und spezialisierter durchgeführt werden könnte.

Das E-Health Gesetz, das eben diese Vernetzung ermöglichen soll, ist zurückhaltend und zögerlich – zumindest gemessen an der Geschwindigkeit in vielen anderen Ländern. Der Datenschutz spielt dabei aus gutem Grund eine wichtige Rolle. Aber er sorgt natürlich dafür, dass so manches Verhalten bei Medizinern für Kopfschütteln sorgt.

„Ist es nicht absurd“, fragte mich vor einiger Zeit ein Arzt, „dass viele Menschen ihr komplettes Leben inklusive aller privatesten Details in den sozialen Medien teilen – und ich kaum in der Lage bin, einem behandelnden Kollegen digitalisiert Einblick in die Krankenakte meines Patienten geben zu können?“

Der Mann hatte Recht.

06. April 2017
Zusammengefasst

»Wenn jemand im Ausland einen Unfall erleidet, will er meist so schnell wie möglich zurück nach Deutschland. Andersherum passiert das wesentlich seltener. Das spricht für das deutsche Gesundheitswesen.«

Vor dem Weltgesundheitstag präsentiert sich das deutsche Gesundheitssystem in bester Verfassung. Aber die Anzeichen steigen, dass anstehende Entwicklungen verschlafen werden. Zeit zum Aufwachen.

Prof. Dr. Volker Penter Head of Health Care
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Kommentare

Gesund und munter oder krank: Wie ist es um das deutsche Gesundheitssystem bestellt?

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