Erneuerbare Energie: Warum sich Windräder auch ohne Subventionen rechnen

Windenergie stellt sich dem Wettbewerb

Das aktuelle Bieterverfahren war ein Erfolg, das Konzept ist aber verbesserungsfähig.

Keyfacts über Onshore-Windenergie

  • Einige Betreiber von Windkraftanlagen auf See verzichten bereits freiwillig auf Zuschüsse.
  • Auch die Erzeugung von Windenergie an Land ist schon fast wettbewerbsfähig.
  • Von 70 geförderten Projekten waren 65 sogenannte Bürgerwindparks.
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Die Ergebnisse der ersten Tarifauktion für die Produktion von Windenergie an Land waren mit großer Spannung erwartet worden, weil im April bei einer Ausschreibung für Windenergieanlagen auf See einige Bewerber freiwillig auf eine Förderung verzichtet hatten. Es genügt ihnen, ihren Strom ab den Jahr 2025 zum dann erwarteten Marktpreis zu verkaufen. Und das bedeutet, dass sie nach eigener Überzeugung auch ohne staatliche Zuschüsse mit konventionellen Energieträgern konkurrieren können – eine in der subventionsverwöhnten Branche der Erneuerbaren bis dahin undenkbare Vorstellung.

Wie also würde die Auktion für Windkraft an Land verlaufen? Beworben hatten sich Projekte mit einem Volumen von mehr als 2000 Megawatt. Die Bundesnetzagentur förderte 70 Gebote mit insgesamt 807 Megawatt – was in etwa der Leistung von zwei Kohlekraftwerken entspricht.
Die erzielten Preise waren mit durchschnittlich 5,71 Cent/KWh auch hier deutlich niedriger, als dies Beobachter noch vor wenigen Monaten erwartet hätten.

65 Bürgerwindparks gefördert

Gemessen am Ziel des Gesetzgebers, die Förderung der Erneuerbaren deutlich zu senken, war dieses Ergebnis ein voller Erfolg. Zum Vergleich: Anlagen, die vor 2017 genehmigt wurden und vor dem 1.1.2019 ans Netz gehen, bekommen noch einen garantierten Abnahmepreis von 6,97 bis 8,03 Cent/KWh für ihren Strom.

4,2

Cent/KWh  betrug der kleinste Gebotswert eines Bürger-Energieprojekts, das einen Zuschlag erhielt.

Auch das ebenfalls angestrebte Ziel, trotz weniger Zuschüssen die Akteursvielfalt der deutschen Windenergiebranche aufrechtzuerhalten, wurde erreicht. Von den 70 geförderten Projekten handelte es sich bei 65 um sogenannte Bürgerwindparks.
Sie werden in solchen Verfahren privilegiert: Während normale Bieter stets den Preis erhalten, den sie geboten haben, können Bürgergesellschaften den sogenannten Clearing-Preis in Anspruch nehmen, das heißt, sie erhalten immer den Preis des höchsten bezuschussten Gebots.

Entsprechend niedrig stiegen viele von ihnen in die Auktion ein. Der kleinste Gebotswert eines Bürgerenergieprojekts, das einen Zuschlag erhielt, lag bei lediglich 4,2 Cent/KWh.

Nach Ansicht von Rainer Heidorn, Partner und Energierechtler bei KPMG, bieten allerdings vor allem diese Zusammensetzung des Bieterkreises und ihre Folgen auch Anlass zur Kritik.

Realisation aller Projekte ist fraglich

„Der hohe Anteil an Bürgerwindpark-Projekten bei den Zuschlägen lässt darauf schließen, dass viele Teilnehmer niedrig geboten und auf einen höheren Clearing-Preis vertraut haben, als er am Ende erzielt wurde. Es wird sich zeigen, ob wirklich alle diese Projekte gebaut werden, oder ob sich einige der Bieter am Ende verspekuliert haben.“

Wenn nicht ganz gestrichen, so dürfte ein Großteil der Projekte zumindest sehr viel später verwirklicht werden als geplant, glaubt Heidorn. „Setzt sich dieser Trend bei den nächsten Ausschreibungsterminen fort, kann es dadurch durchaus zu Lücken in den Auftragsbüchern der Hersteller kommen. Und daran hängen mittlerweile viele Arbeitsplätze.“

Deshalb hält es der Energierechtler für sinnvoll, bei zukünftigen Verfahren das Kontingent für privilegierte Bürgerwindparks zu begrenzen – und stattdessen auch andere Akteure zum Zuge kommen zu lassen. „Projektentwickler zum Beispiel, die diesmal mit wenigen Ausnahmen gar nicht dabei waren, schaffen ebenfalls Arbeitsplätze. Schon deshalb gehören sie im Sinne einer echten Akteursvielfalt ebenfalls dazu“, meint Rainer Heidorn.

02. Juni 2017
Zusammengefasst

»„Es wird sich zeigen, ob wirklich alle Bürgerwindparks gebaut werden oder ob sich einige der Bieter am Ende verspekuliert haben.“«

Das überraschende Ergebnis der aktuellen Tarifauktion zeigt, das bezüglich der Strompreise die Branche der erneuerbaren Energien die Herausforderung annimmt und sich dem Wettbewerb mit anderen Energieträgern stellt. Nach Ansicht von Rainer Heidorn, Partner und Energierechtler bei KPMG, bietet das jüngste Bieterverfahren aber auch Anlass zur Kritik.

Rainer Heidorn Partner, Leiter Energierecht & Anlagenbau
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Kommentare

Wann wird die Windenergiebranche vollständig auf Zuschüsse verzichten können?

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