Frauenkarrieren entscheiden sich am Küchentisch, nicht am Schreibtisch

Augen auf bei der Partnerwahl

Wie erfolgreich Frauen im Beruf sind, hängt ab von der Unterstützung durch das Umfeld

Keyfacts über Frauen

  • Anteil weiblicher Führungskräfte steigt nur langsam
  • Doppelbelastung Beruf und Familie ist oftmals Karrierehemmnis
  • Hausarbeit ist noch immer überwiegend „Frauensache“
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Als eine Mitarbeiterin mit Kind kürzlich eine Beförderung abgelehnt hat, weil ihr Lebenspartner damit nicht mehr auf der gleichen Karrierestufe wäre, habe ich mich noch einmal gefragt, warum trotz umfänglicher Diversity-Bemühungen noch immer so viele Frauenkarrieren nicht in den Führungsetagen enden.

Kinder, Küche und Karriere – für Frauen oft K.-o.-Kriterium

Während Studien Frauen teils bessere Führungsqualitäten bescheinigen als Männern, sind es oft sogar die Frauen selbst, die sich gegen eine Führungsaufgabe entscheiden. Die Belastung, Karriere und Familie zu vereinen, erscheint ihnen zu hoch: In einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung nennt jede zweite Frau (51 Prozent) die Doppelbelastung als Grund für die Aufgabe eines Karrierewunsches.

Das bisschen Haushalt …

Dabei differiert die geschlechterspezifische Wahrnehmung: Eine eher gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland sehen 44 Prozent der befragten Männer gegeben, aber nur 36 Prozent der Teilnehmerinnen. Dieses Zerrbild kommt nicht von ungefähr: Eine DIW-Studie zeigt, dass männlichen Führungskräften oftmals eine Frau zu Hause den Rücken freihält und sich um die Kinder kümmert, während weibliche Spitzenkräfte wesentlich seltener auf eine Unterstützung durch den Partner bauen können. Vier von fünf (82 Prozent) leisten trotz eines Vollzeitjobs an Werktagen Hausarbeit und übernehmen den Großteil der dort anfallenden Tätigkeiten (56 Prozent). Laut einer Zeit-Studie bringen Frauen für den Haushalt pro Tag etwa 164 Minuten auf, während sich Männer nur circa 90 Minuten beteiligen. Auch um die Kinder kümmern sich weibliche Führungskräfte sehr viel mehr Stunden als die männlichen Kollegen.

80

Prozent der Frauen wünschen sich mehr Unterstützung durch den Partner

Fehlende Betreuungsinfrastrukturen

Noch immer prägen reale Hindernisse wie lange Arbeitszeiten, unflexible Arbeitsbedingungen und die Abhängigkeit von einer verlässlichen Kinderbetreuung den Alltag weiblicher Führungskräfte. In einem taz-Interview bringt es eine Managerin auf den Punkt: „Machen wir uns nichts vor. Ein Führungsjob nimmt keine Rücksicht auf Kitaschließzeiten“.

Der flächendeckende Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und Ganztagsschulen ist deshalb notwendig, um Eltern in Führungspositionen die notwendigen Infrastrukturen zu geben.

 

Gerechte Aufgabenteilung – im Job und an der Waschmaschine

Damit mehr Frauen den Aufstieg im Job erleichtert wird, ist die gesamte Familie gefragt: Laut der genannten Studie der Bertelsmann Stiftung wünschen sich 80 Prozent der Frauen Unterstützung seitens des Partners. Auch wenn hohe Effektivität und Multitasking als weibliche Führungsqualitäten gelten – bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie stößt Organisationstalent an seine Grenzen. Um die Doppelbelastung ausgewogen auf mehrere Schultern zu verteilen, ist Gleichberechtigung auch im Haushalt erforderlich – sei es durch verstärkte Mithilfe seitens des Partners, die Einbindung von Großeltern bei der Kinderbetreuung oder durch externe Hilfen.

Generelles Umdenken ist unabdingbar, insbesondere in Bezug auf den Stellenwert weiblicher Karrieren. In Zeiten zunehmender Doppelkarrieren passt das klassische Rollenverständnis nicht mehr. Um erfolgreich im Beruf zu sein, benötigen Frauen in der Familie, den Unternehmen und der Gesellschaft verstärkt Unterstützung, Anerkennung und Wertschätzung. Es muss beiden Partnern möglich sein, eine eigene Karriere voranzutreiben. Hierzu ist auch zu Hause Teamwork gefragt – in gegenseitiger Abstimmung und Wertschätzung der Leistung.

 

Umdenken – Kampf gegen Klischees

Frauenkarrieren werden auch durch Klischees beendet. Müttern, die arbeiten, wird häufig von der Umwelt suggeriert, dass sie als „Rabenmütter“ ihren Nachwuchs vernachlässigen, und geben dann aufgrund des schlechten Gewissens ihre Karrierepläne auf. Aber auch Männer, die Elternzeit nehmen und ihre Kinder betreuen, gelten oft als „unmännlich“. Diese Klischees müssen für Männer und Frauen ausgeräumt werden, um Karrieren von Eltern zu ermöglichen: Nicht nur „Not He for She, She for the Children“, sondern vielmehr „We for We“, wie ich es Mitte Januar auf einer Paneldiskussion auf dem World Economic Forum in Davos von Frauen aus dem Silicon Valley gehört habe.

Noch ein kleiner Tipp für die Partnerwahl: Suchen Sie sich den Mann genau aus, mit dem Sie Karriere machen wollen.

08. Februar 2017
Zusammengefasst

»Es muss beiden Partnern möglich sein, eine eigene Karriere voranzutreiben. Hierzu ist auch zu Hause Teamwork gefragt – in gegenseitiger Abstimmung und Wertschätzung der Leistung.«

Trotz verstärkter Maßnahmen zur Frauenförderung ist der Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland mit 29 Prozent relativ gering. Grund hierfür ist unter anderem, dass die Doppelbelastung von Karriere und Familie von vielen Frauen als zu hoch empfunden wird. Neben der Schaffung verbesserter Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit trägt auch die Unterstützung seitens des Partners und der Familie – sowohl als Rückhalt als auch konkret bei der Hausarbeit – dazu bei, Frauen das Erklimmen der Karriereleiter zu erleichtern.

Angelika Huber-Strasser Bereichsvorstand
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Kommentare

Wie verbessern Sie Ihre Rahmenbedingungen?

Kommentar von Thomas Fengler
19. April 2017 | 09:55 Uhr

Das ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, den Sie hier beschreiben. Ich habe in den letzten drei Jahren berufsbedingt über 100 Gespräche mit Frauen in Führungspositionen geführt und einen anderen Focus erkannt, den noch schwerer wiegt bzw. die Entscheidung Familie/Beruf in Richtung oft in Richtung Familie kippen lässt: Viele Frauen empfinden es irgendwann nicht mehr erstrebenswert in der Männer dominierten Führungswelt den täglichen Ellbogenkampf zu führen. Ein Bruch in der Karriere findet dann häufig im Erziehungsurlaub nach Geburt eines Kindes statt. Der Vater kann biologisch die Mutter in der Erziehung nicht ersetzen, da sind sich Psychologen inzwischen recht einig. Auch haben Frauen andere Verhaltens- und Begabungsmuster in Bezug auf Führung und gesellschaftlichem Umgang biologisch mit auf den Weg bekommen als Männer. Der Wiener Psychiater Raphael Bonelli liefert in seinen Büchern und Vorträgen dazu wissenschaftlich mehrfach bestätigte Analysen. Diese Differenz ist für die Männerwelt in Führungsetagen nicht selten ein Problem. Das macht den Frauen dann die Entscheidung Familie/Beruf "einfacher". Wenn ich von der Frau als Führungskraft verlange, die eigene Aufmerksamkeit schwerpunktmäßig vom eigenen Kind weg zum Beruf hin zu verlagern, und dann noch die Voraussetzungen dafür in den Führungsetagen auch seitens der Führungskultur und Organisation nicht geschaffen und gefördert sind, ist das Ergebnis des niedrigen Frauenanteils in hohen Führungsetagen nicht verwunderlich. Der finanzielle Anreiz kommt ja in der Bedürfnispyramide bei weitem nicht an erster Stelle. Die heute mehrheitlich praktizierte Führungskultur gibt das nicht her. Sie stammt aus dem Zeitalter der Industrialisierung um 1900 und verlangt von Frauen in männerkonforme, militär-hierarchisch geprägte Rollen zu schlüpfen. Das kann nicht gelingen.

Kommentar von A. Lehmann
11. Februar 2017 | 05:45 Uhr

Voll d'accord mit allem, was Sie schreiben. Allerdings ist es ja oft so, dass Frauen erst "mittendrin" feststellen, dass es nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt hatten oder brauchen würden, oder dass ihnen der Richtige zum richtigen Zeitpunkt nicht über den Weg gelaufen ist - jedenfalls ist es dann oft auch noch so, dass nicht nur ihr Partnernicht mitmachen kann / will, auch ihr Umfeld akzeptiert es nicht (es braucht schon Mut, zu sagen "ich gehe eine Woche auf Geschäftsreise" mit kleinen Kindern daheim, wenn gleichzeitig von allen möglichen Seiten her genau dafür Missbilligung oder auch nur ein "hach ja, wenn es sein muss, nicht wahr" daherkommt, übrigens auch von den Kindern selbst - nur mal als Beispiel.) Wenigstens eine Partnerschaft auf Augenhöhe ist allein schon wegen des Umfelds also so wichtig. Aber so wenige, die ich kenne, haben diese überhaupt. Bleibt also, sich entweder zu fügen oder sich zu trennen und dann wiederum entweder alleine immer noch oder gar größere Schwierigkeiten zu haben mit der Vereinbarkeit, oder in einer neuen Partnerschaft wieder alles neu auslöten zu müssen, inklusive "wer kümmert sich um die Kinder, der Stiefpapa oder ich? Ihm kann ich es kaum so sehr zumuten wie mir.... sind ja meine Kinder?" Es geht also immer gerade so weiter. Alleinerziehende Väter sowie Stiefväter haben natürlich auch jede Menge Probleme, denen sie sich stellen müssen, die, wie Sie richtig schreiben, ziemlich ähnliche Wurzeln haben. Ich glaube, mit einem einfachen "Augen auf bei der Partnerwahl" ist es deshalb nicht getan. Die Gesellschaft muss ganz fundamental umdenken. Für mindestens unsere Generation sehe ich da allerdings ziemlich schwarz.

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