G20-Afrika-Konferenz: Gemeinsam eine Zukunft schaffen

G20-Afrika-Konferenz

Die G20-Staaten streben Partnerschaften mit afrikanischen Staaten an

Keyfacts über G20-Afrika-Konferenz

  • G20-Staaten wollen investieren
  • Die Korruptionsprobleme sind lösbar
  • Der Agrarsektor wächst
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Mitte Juni 2017 haben sich politische Entscheidungsträger und Investoren aus der Privatwirtschaft im Rahmen der internationalen Konferenz „G20 Africa Partnership – Investing in a Common Future“ in Berlin getroffen. Die Afrika-Konferenz resultiert aus der Initiative des Bundesfinanzministeriums „Compact with Africa“. Ihr Ziel: bessere Möglichkeiten für ausländische Investitionen in die öffentliche Infrastruktur und die Privatwirtschaft afrikanischer Staaten zu schaffen. Dr. Matthias Heckel, Head of Country Practice Afrika, war für KPMG vor Ort. Im Interview schildert er seine Eindrücke von der Konferenz.

KPMG Klardenker: Herr Heckel, Sie waren auf der G20-Afrika-Konferenz in Berlin. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis?

Dr. Matthias Heckel: Die Zeit der paternalistisch geprägten Entwicklungszusammenarbeit ist endgültig vorbei und auch die Betrachtung des Kontinents als günstiger Rohstofflieferant gehört nun hoffentlich der Vergangenheit an. So ist einer der wesentlichen Kernpunkte des „Compact with Africa“, einen Dialog mit unseren afrikanischen Partnern auf Augenhöhe zu führen. Entsprechend sind es nicht die Geberländer, sondern die afrikanischen Staaten, die entscheiden, welche Reformen in welcher Priorität im eigenen Land in Angriff genommen werden müssen, um den Umfang der privaten Investitionen in Afrika zu erhöhen. Ziel der Reformen ist es, dabei nicht nur für ausländische Investoren bzw. ausländisches Kapital attraktiver zu werden. Auch afrikanischen Unternehmern kommt eine wichtige Rolle bei der privatwirtschaftlichen Entwicklung Afrikas zu, wie unter anderem von der African Development Bank im Rahmen der G20-Afrika-Konferenz betont wurde. Alle privatwirtschaftlichen Akteure – sofern die Rahmenbedingungen entsprechend gesetzt sind – fungieren als Multiplikatoren, wenn es darum geht, nachhaltig zu wachsen.

KPMG Klardenker: Laut Handelsblatt wurden in den vergangenen zehn Jahren lediglich drei Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen auf dem afrikanischen Kontinent getätigt. Woran hapert es?

Dr. Matthias Heckel: Schon aus historischen Gründen war das Engagement von deutschen Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent vergleichsweise gering. Dies gilt insbesondere im Vergleich zu britischen, französischen oder zum Beispiel auch portugiesischen Unternehmen, die seit der Kolonialzeit ungleich besser im afrikanischen Markt vernetzt und investiert sind. Im Austausch mit interessierten deutschen Unternehmen habe ich häufig den Eindruck, dass Afrika als eine Blackbox wahrgenommen wird und dabei Risiken – insbesondere im Zusammenhang mit Korruption – eher überschätzt, und Chancen eher unterschätzt werden. Dieser Punkt wurde unter anderem auch im Rahmen des „High-Level Investor Roundtable“ angesprochen, zu dem KPMG eingeladen war. Dabei wurde betont, dass „Compact with Africa“ unter anderem auch zum Ziel hat, bestehende Informationsasymmetrien in Bezug auf die verschiedenen Regionen des afrikanischen Kontinents zu reduzieren. Das wird letztlich – so bleibt zu hoffen – auch einen positiven Effekt auf die Investitionsbereitschaft vieler deutscher Unternehmen haben.

KPMG Klardenker: Generell sehen Sie aber durchaus die Bereitschaft in Afrika zu investieren?

Dr. Matthias Heckel: Ja. Andere Länder wie beispielsweise China machen es vor. Die chinesische Regierung ist der größte Investor in Afrika. Das Land hat in den vergangenen Jahren in verschiedene Projekte auf dem Kontinent investiert und baut die Zusammenarbeit stetig aus.

KPMG Klardenker: Die Korruptionsprobleme wären damit jedoch noch nicht behoben.

Dr. Matthias Heckel: Die Korruptionsprobleme sind langfristig lösbar bzw. auf Unternehmensebene auch kurzfristig bereits beherrschbar. Mit verantwortungsvoller Unternehmensführung und angemessenen Methoden, wie sie in den B20-Handlungsformulierungen für die G20 diskutiert worden sind, können wichtige Schritte zur Bekämpfung von Korruption getan werden. Dabei müssen alle an einem Strang ziehen und auch die Unternehmen sind gefragt. Auf Regierungsebene wird ein entsprechender rechtlicher Rahmen in den afrikanischen Ländern geschaffen. Aufgabe der Unternehmen ist es, auf eine Einhaltung dieser Gesetze hinzuwirken, etwa durch die Einführung transparenter Unternehmensprozesse und verstärkter Überprüfung von Geschäftspartnern.

KPMG Klardenker: Niemand würde Asien oder auch Europa als einheitlichen Markt sehen. Afrika besteht aus 54 Ländern. Welche sind aus Ihrer Sicht die vielversprechendsten?

Dr. Matthias Heckel: Vor dem Hintergrund von „Compact with Africa“ besteht natürlich eine hohe Erwartung in Bezug auf die Reformbereitschaft bzw. eine investorenfreundliche Entwicklung der Compact-Staaten Elfenbeinküste, Marokko, Ruanda, Senegal und Tunesien sowie den neu hinzugekommenen Ländern Ghana und Äthiopien. Das bedeutet jedoch nicht, dass zwangläufig alle anderen afrikanischen Staaten weniger interessant für Investoren sind. Letztlich beruht jede Investitionsentscheidung auf einer Vielzahl von Faktoren und jede Standortentscheidung will sorgfältig abgewogen werden.

KPMG Klardenker: Welche Sektoren bieten aus Ihrer Sicht die besten Investitionschancen?

Dr. Matthias Heckel: Ein sehr wachstumsstarker Sektor in Afrika ist der Agrarsektor. Der Fokus der G20 und B20 liegt darüber hinaus auf Investitionen in erneuerbare Energien, den Ausbau des digitalen- und Verkehrsnetzes sowie auf dem Bildungs- und Gesundheitswesen. Ein großes Potenzial steckt auch im Bereich digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Dynamik und der Wissenshunger der überwiegend jungen Bevölkerung in Afrika bieten einen großartigen Nährboden für Innovation und Digitalisierung. Ein Beispiel von vielen ist etwa das mobile Bezahlsystem M-PESA, welches in Kenia entwickelt wurde und mittlerweile von zehntausenden Menschen in verschiedenen Ländern genutzt wird.

KPMG Klardenker: Was müssen deutsche Unternehmen mitbringen, damit Sie in den genannten Ländern und Sektoren erfolgreich sind?

Dr. Matthias Heckel: Afrika ist ein sehr facettenreicher Kontinent mit 54 Staaten, 3.000 Ethnien und Volksgruppen sowie mehr als 3.000 Sprachen. Dies stellt Investoren vor besondere Herausforderungen. Eine „One Size Fits All“-Herangehensweise gibt es deshalb nicht. Es ist Investoren zu raten, sich von Beginn an im Rahmen einer akkuraten Marktanalyse ein realistisches Bild von den Bedingungen vor Ort zu machen und natürlich auch die bestehenden Risiken nicht zu beschönigen. Entscheidend ist zudem, dass lokale Entscheidungsträger früh eingebunden werden, und dass der Dialog mit bereits erfolgreich bestehenden Unternehmen vor Ort geführt wird. Oder wie es die Bundeskanzlerin auf der Afrika-Konferenz ausgedrückt hat: „Reden Sie Tacheles“. Unternehmen sollten ihre Erwartungen an ihre Geschäftspartner kommunizieren und dabei auch von Beginn an ihren Beitrag zur Bekämpfung von Korruption leisten.

KPMG Klardenker: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des afrikanischen Kontinents?

Dr. Matthias Heckel: Afrika steht in diesem Jahr weit oben auf der G20-Agenda. Damit die Arbeit der B20- Arbeitsgruppen und der G20 fruchtet, benötigt es nun das Vertrauen der Privatwirtschaft. Ich würde mich sehr freuen, wenn insbesondere deutsche Privatinvestoren Unternehmergeist beweisen und ihre Bedenken ablegen. Die Segel für einen Aufbruch in eine gemeinsame nachhaltige Zukunft mit Afrika sind jedenfalls gesetzt. Mit unserer über 100-jährigen Präsenz auf dem afrikanischen Markt begleiten wir deutsche Unternehmen gerne bei der Erschließung dieses wachstumsstarken und chancenreichen Kontinents.

27. Juni 2017
Zusammengefasst

»Ich würde mich sehr freuen, wenn insbesondere deutsche Privatinvestoren Unternehmergeist beweisen und ihre Bedenken ablegen.«

Der Agrarsektor in Afrika wächst. Der Fokus der G20 und B20 liegt darüber hinaus auf Investitionen in erneuerbare Energien, den Ausbau des digitalen- und Verkehrsnetzes sowie auf dem Bildungs- und Gesundheitswesen. Ein großes Potenzial steckt auch im Bereich digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Dynamik und der Wissenshunger der überwiegend jungen Bevölkerung in Afrika bieten einen großartigen Nährboden für Innovation und Digitalisierung.

Dr. Matthias Heckel Senior Manager, Audit, Forensic, Leiter Country Practice Afrika
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Kommentare

Werden Sie in absehbarer Zeit in Afrika investieren?

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