Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? So kann das klappen

Fairer Lohn? So geht's

Gesetzlicher Zwang schafft nur neue Probleme. Besser wären Anreize, fair zu bezahlen

Keyfacts über Lohntransparenz

  • Nur die Hälfte der berufstätigen Frauen profitieren von dem Gesetz
  • Was genau „gleiche Arbeit“ bedeutet, bleibt unklar
  • Der Datenschutz wird vernachlässigt
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Wissen Sie, was Ihre Kollegen verdienen? Wahrscheinlich nicht. Denn über Geld spricht man nicht in Deutschland. Ein neues Gesetz aus dem Familienministerium, eben vom Bundestag verabschiedet, will das jetzt ändern. Und zwar, weil Frauen sieben Prozent weniger verdienen als Männer – auch wenn man unterschiedliche Qualifikation, Betriebszugehörigkeit, Branche, längere Erwerbspausen und andere Arbeitszeitmodelle herausrechnet.

Die Idee der Familienministerien sieht knapp zusammengefasst vor, dass der Inhaber von Betrieben mit mindestens 200 Mitarbeitern Auskunft darüber geben müssen, was Frauen und Männer verdienen, die die gleiche oder gleichwertige Arbeit verrichten. Die Motivation dahinter ist richtig. Natürlich sollen Männer und Frauen gleich behandelt werden und das gleiche verdienen. Doch das erreichen wir nicht mit dem neuen Gesetz zur Lohntransparenz.

Wenig Wirkung und ein Hintertürchen
Denn hier stehen Unternehmen schon vor der ersten Hürde: Was genau ist gleiche oder gleichwertige Arbeit? Das ist kaum eindeutig zu beantworten. Weil auch das Gesetz diese Thematik nicht klar klärt, lässt es Hintertürchen offen. Mit anderen Worten: Ein Unternehmen, das Frauen bewusst diskriminiert, wird auch weiterhin einen Weg finden, dies zu tun – einfach über eine unterschiedliche Definition des Arbeitsplatzes bzw. der zu verrichtenden Tätigkeiten. Damit ist niemandem geholfen.

Gleichzeitig würde nur weniger als die Hälfte der berufstätigen Frauen von der neuen Transparenz profitieren, weil sie nur für größere Unternehmen gilt. Das bestätigen auch die Gespräche, die ich mit meinen Kollegen vom Bundesverband der Personalmanager führe. Der Wirkungsgrad des neuen Gesetzes wird von Personalern als gering eingeschätzt.

Immenser Verwaltungsaufwand kontra Datenschutz
Nicht zuletzt würde das Gesetz einen immensen Verwaltungsaufwand generieren. Bestandsaufnahme und Analyse von Lohn und Tätigkeiten dürften in einem Betrieb bis zu einem Jahr dauern und einen sechsstelligen Betrag kosten. Das alles wird die Lust der Führungsetagen in Geschlechtergerechtigkeit zu investieren nicht gerade befeuern.

Und was ist mit dem Datenschutz? Eigentlich in deutschen Betrieben stets hochgehalten, wird er plötzlich vernachlässigt. Unternehmen müssten mit dem neuen Gesetz mehr Daten über Mitarbeiter erheben und auch speichern als bislang. Damit werden die Prinzipien der Datenvermeidung und Datensparsamkeit konterkariert.

So könnte es besser klappen
Dabei wäre es so leicht, sich für mehr Gleichstellung einzusetzen. Zum Beispiel mit einem Gesetz, dass Unternehmen nicht unter Generalverdacht stellt, sondern ihnen Anreize bietet, alle Mitarbeiter gleich zu entlohnen. Zum Beispiel mit Steuererleichterungen für jene Betriebe, die glaubhaft nachweisen, dass sie nicht diskriminieren. Dieses könnte man dann auch für kleine Betriebe einführen, so dass deutlich mehr Frauen davon profitieren könnten.

04. April 2017

Kommentare

Werden Sie fair bezahlt?

Kommentar von H.Frings
20. April 2017 | 07:08 Uhr

Bereits die Prämisse, daß Frauen bei sonst gleichen Umständen schlechter bezahlt werden als Männer ist keineswegs gesichert. Laut einer Studie des Institut der deutschen Wirtschaft beträgt der Unterschied übrigens lediglich 2%. In dieser Studie wurden weitere Faktoren (Teilzeitbeschäftigung, Bildungsstand und Dauer der Betriebszugehörigkeit) herausgerechnet, welche bei der Studie des Statistischen Bundesamtes nicht berücksichtigt wurden. Aber auch bei der Studie der deutschen Wirtschaft wurden bei weitem nicht alle möglichen Faktoren herausgerechnet. Trotz der dauernden Wiederholung der These, daß es eine Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern gibt, ist dies keineswegs erwiesen. Sogar die Möglichkeit, daß es eine Ungleichheit zu Lasten der Männer gibt, ist nach jetzigem Wissensstand nicht auszuschließen.

Kommentar von Klaus Dieter Probst
05. April 2017 | 09:51 Uhr

In Deutschland nicht, allerdings sind die "Jobs" meistens unterste Kaste. In Deutschland ist die Firewall (der von mir seit 20 Jahre ago, so bezeichnete Mittelbau) daran schuld, er ist einfach nicht entwicklungsfähig. Traurig, aber wahr. Diese Leute haben Angst vor Veränderung und vor Leuten die Veränderung bedeuten. Erst dann steigen auch die Löhne.

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