Internationaler Business-Knigge: Australien, Grönland, Vanuatu, Malediven

Internationaler Business-Knigge

Geschäftlich am anderen Ende der Welt? Worauf es ankommt, verrät unser Business Guide

Keyfacts über Business Guide

  • Grönland: Verzichten Sie aufs „Nasereiben“
  • Malediven: Entscheidungsfindung kann länger dauern
  • Vanuatu: Betonen Sie Ihre Sympathien
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Was zieht man an zum Geschäftstermin in den USA? Wie funktioniert Small-Talk in China? Und was sind die größten Fehler, die man beim Restaurantbesuch mit Geschäftspartnern in Frankreich unbedingt vermeiden sollte? An Ratgebern zum richtigen Verhalten in den etablierten Ländern herrscht kein Mangel.

Wie aber sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einen zum Auslandseinsatz in exotischere Regionen der Welt schickt? Am richtigen Verhalten vor Ort entscheidet sich regelmäßig der geschäftliche Erfolg in der Ferne. Dabei geht es um Sitten und Gebräuche, die in vielen Fällen aus den Lebensumständen in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Aber auch Fragen der gesellschaftlichen Hierarchie spielen eine Rolle. Wenigstens dann, wenn sie festlegen, in welcher Reihenfolge Gesprächs- und Geschäftspartner zu begrüßen sind – und welche Fettnäpfchen dabei drohen.

Immer wichtiger wird für Geschäftsreisende auch die Frage nach der Risikobereitschaft ihres Reiselandes. Wo in dem einen Land jede strategische Neuausrichtung freudig begrüßt wird, mag Ihr Geschäftspartner in einem anderen Land bedeutend zurückhaltender agieren.

KPMG Klardenker klärt auf. Teil sechs einer unregelmäßigen Serie zum Business im Ausland.

Vanuatu, knapp 260.000 Einwohner, BIP rund 720 Millionen US-Dollar

Vanuatu liegt nordöstlich von Australien im Südpazifik und besteht aus mehr als 80 Inseln. Die meisten Inseln sind vulkanischen Ursprungs, viele von ihnen sind zu klein, um Menschen in größerem Umfang als Lebensort dienen zu können. Vanuatus Wirtschaft stützt sich auf Landwirtschaft und Tourismus. Als Offshore-Finanzplatz gewann Vanuatu an Einfluss.

Begrüßungen in Vanuatu fallen freundlich aus: Händeschütteln und Lächeln. Wer mag, lässt sich von seinem Gesprächspartner den traditionellen Shakehand nach Art des Landes zeigen. Ältere Frauen begrüßen Sie bitte als „Mama“ – das gilt als respektvoll. Ältere oder ranghöhere Männer begrüßen Sie besonders respektvoll, wenn Sie ihren vollen Namen und Titel nennen. Gut möglich, dass künftige Begegnungen informeller ausfallen. Die Signale dafür kommen von Ihrem Gesprächspartner.

Visitenkarten sind weniger wichtig als in manchen anderen Ländern. Natürlich: Sie haben Karten dabei und tauschen sie auch aus. Aber ohne großen Aufwand: Einfach annehmen, kurzen Blick drauf werfen und ab mit ihnen in die Brieftasche. Karten mit englischer Schrift sind völlig ausreichend; kaum jemand erwartet von Ihnen, dass Sie die Amtssprache Bislama auf Ihren Karten beherrschen – oder eine der anderen über 100 Sprachen, die in Vanuatu gesprochen wird.

Unternehmerisches Risiko wird in Vanuatu in den meisten Fällen von der Leitungsebene eingegangen. Es wird erwartet, dass Ranghöhere die Entscheidungen treffen. Dementsprechend groß ist die Bereitschaft mancher Manager, bis in das Privatleben ihrer Mitarbeiter „hineinzuregieren“. Wenn Sie riskantere Pläne vorschlagen, wenden Sie sich damit also immer an die Entscheider.

Die Kommunikation in Vanuatu ist darauf bedacht, die gegenseitige Sympathie zu betonen. Gut möglich, dass Ihnen sehr direkte Fragen gestellt werden. Kein Problem ist es allerdings, wenn sie auch auf direkte Fragen ausweichend antworten. Wer Wut zeigt, verliert, immer. Wer sich beschwert, verbessert seine Lage nicht. Sie bleiben bitte immer gelassen und haben ein feines Gespür dafür, ob Ihr Gegenüber Augenkontakt mag. Oder sich dadurch beleidigt fühlt. Möglich ist beides.

Besser nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, der nicht Teil Ihrer Gesprächsrunde ist. Er oder sie könnte annehmen, dass über ihn oder sie hergezogen wird.

Australien, rund 24 Millionen Einwohner, BIP gut 1,2 Billionen US-Dollar

Australien ist eines der vermögendsten Länder weltweit. Eine entwickelte Industrie und Dienstleistungsgesellschaft, die außerdem auf die großen Rohstoffvorkommen ihres Landes zurückgreifen kann.

Begrüßungen sind unkompliziert, Händeschütteln, Lächeln, fertig. Bitte achten Sie darauf, dass die Frage „How are you?“ streng genommen keine Frage ist. Die Antwort darauf lautet immer, und zwar ohne Ausnahme: „Fine, thanks.“

Das lockere Miteinander setzt sich fort beim Austausch von Visitenkarten. Geben Sie sie einfach ab, werfen einen kurzen Blick auf die Karte Ihres Gegenübers und stecken Sie sie ein. Und achten Sie bitte darauf, dass Ihr Titel auf Ihrer Karte leicht und unmissverständlich zu verstehen ist. Im Zweifel gilt hier: Weniger ist mehr.

Australier neigen zu einer flexiblen Unternehmensführung, dementsprechend ausgeprägt ist ihre unternehmerische Risikobereitschaft. Ähnlich wie in den USA gilt Scheitern in Australien zwar als Niederlage; immer aber auch als Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen. Dem liegt eine optimistische Einstellung zugrunde, die davon ausgeht, dass harte Arbeit und das Streben um Innovation der Kern für eine bessere Zukunft sind. Kurz gesagt: Sie haben riskante Vorschläge? Nur raus damit, man wird Ihnen zuhören.

Die Kommunikation ist offen und direkt. Körpersprache spielt keine große Rolle. Man wird Ihnen in den meisten Fällen deutlich und klar sagen, was man von Ihren Aussagen hält. Und man wird im Gegenzug erwarten, dass auch Sie einen deutlichen – und natürlich dennoch freundlichen – Ton anschlagen. Das bedeutet aber auch: Fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstehen. Wenn Sie nicht fragen, wird man davon ausgehen, dass Sie alles verstanden haben. Schön, wenn das so ist. Schlecht, wenn nicht.

Besser nicht: Seien Sie nicht so steif. Anders gesagt: Machen Sie sich doch mal locker. Aber bitte nicht so locker, dass Sie auf die Idee kommen sollten, das Ausspucken in der Öffentlichkeit sei eine gute Idee. Das ist es nicht, Lockerheit hin oder her.

Malediven, knapp 350.000 Einwohner, BIP knapp 3,6 Milliarden US-Dollar

Die Malediven sind ein Inselstaat im Indischen Ozean. Fast 1200 Inseln, aber nur gut 200 davon, die von Einheimischen bewohnt werden. Die Malediven gelten als Urlaubsparadies, jenseits der Einnahmen aus dem Tourismus zählt das Land – und seine Bewohner – aber zu den ärmeren Ländern der Welt. Der steigende Meeresspiegel ist eine größer werdende Bedrohung für das Land.

Die Malediven sind ein islamisches Land. Vor diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass bei Begrüßungen auch Frauen mit Männern einen Handshake austauschen. Im Normalfall macht der Ältere hier den ersten Schritt. Sind Sie als Frau auf den Malediven unterwegs, ist es eine gute Idee, wenn Sie hier den ersten Schritt gehen und dadurch eventuelle Unsicherheiten rasch zerstreuen.

Beim Austausch von Visitenkarten präsentieren Sie die in die Landesprache Dhiveli übersetzte Seite Ihrem Gegenüber. Gehen Sie achtsam mit den Visitenkarten Ihres Gesprächspartners um. Ihr Umgang mit der Karte mag als Indiz für Ihren Umgang mit dem Mensch gesehen werden.

Entscheidungsträger legen gegenüber ihren Untergebenen oft ein paternalistisches Verhalten an den Tag. Offene Kritik an ihnen werden Sie jedoch fast nie hören, das geschieht im Privaten. Beachten Sie also unbedingt die Hierarchie. Die unternehmerische Risikobereitschaft folgt in Grundzügen diesem Muster. Entscheidungen werden weit oben getroffen und nach unten durchgestellt. Gleichzeitig wird darauf geachtet, den Eindruck von Geschlossenheit zu vermitteln. Praktisch bedeutet das: Die Suche nach einem Konsens spielt eine große Rolle. Haben Sie dies im Hinterkopf, wenn Sie riskante Entscheidungen vorschlagen: Es wird etwas dauern.

Die Kommunikation auf den Malediven zielt darauf ab, Konfrontationen zu vermeiden. Man wird Ihnen eher sagen, dass etwas „schwierig“ ist als klar heraus mitzuteilen, wenn man etwas ablehnt. Auf den Malediven leben höfliche Menschen. Im Zweifelsfall werden sie eher das sagen, von dem sie glauben, dass Sie es hören wollen. Wenn eine Sache zu gut klingt um wahr zu sein, ist sie eben häufig genau das: nicht wahr.

Besser nicht: Füße sind eine schöne Sache, um sie zum Laufen zu benutzen. Für weitere Funktionen eignen sie sich nicht. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber nicht die Fußsohlen. Und bewegen Sie – abgesehen von Fußbällen - keine Gegenstände mit Ihren Füßen.

Grönland, gut 56.000 Einwohner, BIP rund 2,2 Milliarden US-Dollar

Grönland ist die größte Insel der Welt und ein autonomer Bestandteil von Dänemark. Gleichzeitig hat Grönland – abgesehen von Antarktika - die geringste Bevölkerungsdichte der Welt. Grönland ist also ein sehr exotischer Ort für Geschäftsreisen. Andererseits: Was haben Sie bei einem Business-Knigge für exotische Orte erwartet?

Begrüßungen in Grönland? Natürlich haben Sie von der Tradition des Nase-Aneinander-Reiben gehört. Machen Sie das lieber nicht, es sei denn, Sie gehören zur Familie oder sind ein wirklich enger Freund. Belassen Sie es beim Händeschütteln und lächeln Sie.

Grönland ist ein egalitäres Land, Status gilt hier nicht viel. Dementsprechend folgen Sie keiner besonderen Prozedur bei der Übergabe Ihrer Visitenkarten. Schön ist es, wenn eine Seite Ihrer Karte in grönländischer Sprache übersetzt ist. Ansonsten gilt: Werfen Sie einen Blick auf die Karte Ihres Gegenübers und verstauen sie.

Die unternehmerische Risikobereitschaft in Grönland ist das Ergebnis eines eher konsensorientierten Prozesses. Grönländische Unternehmen arbeiten in Teams. Natürlich haben Sie Ihre Ansprechpartner und auch grönländische Entscheider haben Entscheidungsgewalt. Dennoch werden sie darauf achten, bei ihren Entscheidungen ihre Teams mit einzubeziehen. Dafür sind einmal getroffene Entscheidungen auch belastbarer – und damit langfristiger von Bestand.

Die grönländische Kultur beruht auf Gleichheit und Gleichberechtigung. Das ist keine schlechte Idee, wenn man auf einer Insel lebt, die die meiste Zeit des Jahres von Eis bedeckt ist. Es geht besser Miteinander als Gegeneinander. Dementsprechend ist die Kommunikation in Grönland von Gleichberechtigung geprägt: direkt im Umgang, offenes Wort, ehrlicher Ton. Bilden Sie sich nichts ein auf Ihren Titel oder erwarten besondere Huldigungen aufgrund Ihrer Stellung. Sie haben sie nicht in Grönland verdient – und werden sie dort nicht bekommen. Machen Sie sich gerade, kommunizieren Sie frei heraus.

Besser nicht: Protzen Sie nicht. Klatschen Sie nicht beim Gottesdienst. Und bezeichnen Sie niemanden und niemals als „Eskimo“. Das passende Wort lautet „Inuit“.

06. November 2017
Zusammengefasst

»Wie funktioniert Small Talk in Vanuatu? Was zieht man an zum Geschäftstermin auf den Malediven? Und welche Fehler sollte man auf Geschäftsreisen in Australien oder Grönland unbedingt vermeiden? «

Ein Knigge für Geschäftstermine in den USA, England und Frankreich? Gibt's schon. Wie sieht es aber aus beim Auslandseinsatz in exotischeren Regionen der Welt? Wir klären auf.

Uwe Nowotnick Partner, Global Mobility Services
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Worauf achten Sie beim Auslandseinsatz?

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