Internationaler Business-Knigge: Haiti, Laos, Libanon, Mosambik

Internationaler Business-Knigge

Geschäftlich am anderen Ende der Welt? Worauf es ankommt, verrät unser Business Guide

Keyfacts über Business Guide

  • Laos: Finger weg von Reliquien
  • Haiti: Französischsprachige Visitenkarten kommen gut an
  • Mosambik: Nehmen Sie sich Zeit.
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Was zieht man an zum Geschäftstermin in den USA? Wie funktioniert Small-Talk in China? Und was sind die größten Fehler, die man beim Restaurantbesuch mit Geschäftspartnern in Frankreich unbedingt vermeiden sollte? An Ratgebern zum richtigen Verhalten in den etablierten Ländern herrscht kein Mangel.

Wie aber sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einen zum Auslandseinsatz in exotischere Regionen der Welt schickt? Am richtigen Verhalten vor Ort entscheidet sich regelmäßig der geschäftliche Erfolg in der Ferne. Dabei geht es um Sitten und Gebräuche, die in vielen Fällen aus den Lebensumständen in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Aber auch Fragen der gesellschaftlichen Hierarchie spielen eine Rolle. Wenigstens dann, wenn sie festlegen, in welcher Reihenfolge Gesprächs- und Geschäftspartner zu begrüßen sind – und welche Fettnäpfchen dabei drohen.

Immer wichtiger wird für Geschäftsreisende auch die Frage nach der Risikobereitschaft ihres Reiselandes. Wo in dem einen Land jede strategische Neuausrichtung freudig begrüßt wird, mag Ihr Geschäftspartner in einem anderen Land bedeutend zurückhaltender agieren.

KPMG Klardenker klärt auf. Teil vier einer unregelmäßigen Serie zum Business im Ausland.

Mosambik, rund 25.900.000 Einwohner, BIP 12,1 Milliarden US-Dollar

Mosambik ist eines der sechs portugiesischsprachigen Länder in Afrika. Seine natürlichen Schätze beschränken sich nicht nur auf traumhafte Strände. Internationale Investoren zieht es vor allem wegen der Kohle, des Titaniums und der Öl-und Gasreserven in den südost-afrikanischen Staat.

Morgens punkten Sie bei der Begrüßung in Mosambik mit einem freundlichen „Bom dia“ („Guten Morgen“) – nachmittags dann lieber „Boa tarde“ („Guten Tag“). Lassen Sie sich Zeit. Es kann sein, dass Ihr Geschäftspartner nach dem Handschlag Ihren Arm nicht gleich loslässt. Und über Familie, Land und Geschäfte muss man sich ja auch noch austauschen.

Wie in vielen Ländern wird es auch in Mosambik geschätzt, wenn Visitenkarten in die Landessprache übersetzt werden. Beim Überreichen drehen Sie die portugiesische Schriftseite nach oben. Von Beamten bekommen Sie nicht immer eine Karte, Ihre wird aber gerne angenommen.

Sie haben große Pläne für Veränderungen im Unternehmen? Dafür ernten Sie in Mosambik erstmal keinen enthusiastischen Beifall. Die Risikobereitschaft und der unternehmerische Esprit sind hier noch gering ausgeprägt. Neue Ideen werden vorsichtig geprüft.

Auch bei der Kommunikation gilt: Zeit ist Silber, Geduld ist Gold. Bei Besprechungen ist das Pflegen von Beziehungen genauso wichtig wie unternehmerische Sachverhalte. Nehmen Sie sich also Zeit für die mosambikanische Gastfreundschaft. Zudem sollten Sie auf die Hierarchie achten. Zeigen Sie vor allem dem ranghöchsten Geschäftspartner Respekt.

Besser nicht: Legen Sie Ihre Hände während einer Unterhaltung ganz leger in die Hosentasche, kommt das bei älteren Mosambikanern nicht gut an.

Haiti, knapp 10.500.800 Einwohner, BIP 8,3 Milliarden US-Dollar

Das kleine Land auf der karibischen Hispaniola-Insel war zu Kolonialzeiten einer der größten Zuckerproduzenten der Welt. Bis heute ist Haitis Wirtschaft landwirtschaftlich geprägt. Politische Unruhen und Naturkatastrophen sorgen immer wieder für Probleme.

Die Begrüßung fällt in Haiti unkompliziert aus: Schütteln Sie Hände – und zwar am Anfang und am Ende des Meetings. Sprechen Sie Geschäftspartner mit „Monsieur“ oder „Madame“ an – es sei denn, man bietet Ihnen das „Du“ an.

Während der Vorstellung werden auch Visitenkarten ausgetauscht. Respekt zeigen Sie vor allem, wenn Sie den Kartentext übersetzen und bei der Übergabe die französische Seite präsentieren.

Die fehlende Infrastruktur und mangelnde internationale Finanzhilfen wirken sich auch auf die Risikobereitschaft der Haitianer aus. Legen Sie einen gewagten Geschäftsplan vor, wird das Risiko zunächst vorsichtig analysiert und kalkuliert.

Im Gegenzug dazu ist die Kommunikation in Haiti deutlich entspannter. Vor einer Besprechung heißt es vor allem: Smalltalk, Smalltalk, Smalltalk. Auch bei Geschäftsthemen bleibt der Ton unbeschwert. Anekdoten, Parabeln und Gelächter sind dabei nicht selten.

Besser nicht: Haiti teilt sich zwar eine Insel mit der Dominikanischen Republik, aber Business auf Spanisch ist hier nicht angebracht. Die Landessprachen sind Französisch und Haitianisch.

Libanon, rund 6.200.000 Einwohner, BIP 51,8 Milliarden US-Dollar

Der Libanon teilt sich eine Grenze mit Syrien und Israel. Vor 60 Jahren war Libanons Hauptstadt Beirut als das „Paris des Nahen Ostens“ bekannt – ein boomendes Handelszentrum mit dynamischen Kulturangeboten. Heutzutage wachsen vor allem Dienstleistungssektoren wie der Tourismus und das Bankwesen. Doch interne Konflikte sowie die syrische Flüchtlingskrise beanspruchen die Wirtschaft.

Im Libanon können Sie sich auf Arabisch, Französisch oder Englisch vorstellen. Am besten lernen Sie in einer dieser Sprachen ein paar Grundlagen, denn auf den typisch arabischen Smalltalk sollten Sie nicht verzichten. Ansonsten ist bei der Begrüßung das Händeschütteln üblich – vergessen Sie nicht direkten Augenkontakt. Manche religiöse Moslems bevorzugen beim Umgang mit dem anderen Geschlecht ein Kopfnicken.

Achten Sie beim Austausch von Visitenkarten darauf, die Karte mit zwei Händen zu übergeben und zu empfangen. Wichtig ist auch, die Karte rücksichtsvoll zu behandeln. Risse und Knicke vermeiden Sie mit einem kleinen Etui.

Trotz weitverbreiteter westlicher Geschäftspraktiken, gehen manche ältere Libanesen Veränderungen nur skeptisch an. Die Risikobereitschaft ist deswegen nur mittelmäßig ausgeprägt. Am besten wenden Sie sich mit riskanten Vorschlägen an Führungspersonen – bringen Sie Recherchematerialien mit.

Arabisch, Französisch oder Englisch? Im Libanon kann es verwirrend sein, in welcher Sprache die Kommunikation erfolgt. Informieren Sie sich lieber vor Besprechungen über die Verhandlungssprache – und bringen im Fall der Fälle einen Dolmetscher mit. Dank des indirekten Kommunikationsstils kann auch übersetzte Information manchmal „lost in translation“ sein. Bestätigen Sie Ergebnisse nochmal privat, wenn Sie Zweifel haben.

Besser nicht: Libanesen sind vor allem für ihre Gastfreundschaft bekannt. Diese sollten Sie auch schätzen - Kaffee oder Tee ablehnen ist ein absolutes No-Go.

Laos, rund 7 Millionen Einwohner, BIP 13,8 Milliarden US-Dollar

Laos, auch als „Land der Millionen Elefanten“ bekannt, ist ein Binnenstaat in Südostasien. Der laotische Regenwald beherbergt zahlreiche Rohstoffe wie beispielsweise wertvolle Hölzer. Doch die wahren Wirtschaftstreiber sind Investitionen, die Entwicklungshilfe und der Handel mit benachbarten Ländern.

In einem professionellen Umfeld schütteln Sie zur Begrüßung die Hand. In Laos ist es auch angebracht, Geschäftspartner mit dem Vornamen anzusprechen. Achten Sie nur darauf, „Mister“, „Madame“ oder - bei hohen Positionen - den Titel „Than“ davor zu setzen.

Ihre Visitenkarte sollten Sie zuerst dem Partner mit der höchsten Position überreichen. Dabei ist es wichtig, die Karte mit beiden Händen zu übergeben und die empfohlene laotische Übersetzung zu zeigen. Außerdem ist es in Laos üblich, auf Businesskarten den Nachnamen vor dem Vornamen anzugeben.

In geschäftlichen Angelegenheiten gehen laotische Unternehmen lieber auf Nummer sicher. Um die Harmonie am Arbeitsplatz zu erhalten, entscheiden sie sich eher für bewährte als für neue Methoden. Mit dieser niedrigen Risikobereitschaft können Sie meistens umgehen, wenn Sie die ganze Verantwortung für Änderungen auf sich nehmen. Jüngere Laoten sind in dieser Hinsicht offener.

Die Kommunikation ist in Laos eher indirekt. Wenn Ihrem Vorschlag nicht widersprochen wird, bedeutet das nicht unbedingt, dass Ihre Geschäftspartner damit einverstanden sind. Fragen Sie lieber nochmal nach, um Missverständnisse zu vermeiden. Achtung: Sollte ein Missverständnis trotzdem auftreten, ist eine Entschuldigung selbst dann angebracht, wenn Sie nicht schuld sind. In Laos wird die Entschuldigung nicht als Geständnis, sondern als Tugend empfunden.

Besser nicht: Buddhistische Reliquien dürfen Sie keinesfalls missachten. Das heißt: Nicht anfassen, nicht fotografieren und keine Zeigefinger oder Füße auf sie richten.

04. September 2017
Zusammengefasst

»Wie funktioniert Small Talk im Libanon? Was zieht man an zum Geschäftstermin in Laos? Und welche Fehler sollte man auf Geschäftsreisen in Mosambik oder auf Haiti unbedingt vermeiden? «

Ein Knigge für Geschäftstermine in den USA, England und Frankreich? Gibt's schon. Wie sieht es aber aus beim Auslandseinsatz in exotischeren Regionen der Welt? Wir klären auf.

Uwe Nowotnick Partner, Global Mobility Services
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Worauf achten Sie beim Auslandseinsatz?

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