Internationaler Business-Knigge: Katar, Indonesien, Bahamas, Kambodscha

Internationaler Business-Knigge

Geschäftlich am anderen Ende der Welt? Worauf es ankommt, verrät unser Business Guide

Keyfacts über Business Guide

  • Bahamas: Halten Sie Case-Studies bereit
  • Indonesien: Achten Sie auf die Körpersprache
  • Kambodscha: Fragen Sie nicht nach Namen – zumindest nicht beim ersten Treffen
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Was zieht man an zum Geschäftstermin in den USA? Wie funktioniert Small-Talk in China? Und was sind die größten Fehler, die man beim Restaurantbesuch mit Geschäftspartnern in Frankreich unbedingt vermeiden sollte? An Ratgebern zum richtigen Verhalten in den etablierten Ländern herrscht kein Mangel.

Wie aber sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einen zum Auslandseinsatz in exotischere Regionen der Welt schickt? Am richtigen Verhalten vor Ort entscheidet sich regelmäßig der geschäftliche Erfolg in der Ferne. Dabei geht es um Sitten und Gebräuche, die in vielen Fällen aus den Lebensumständen in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Aber auch Fragen der gesellschaftlichen Hierarchie spielen eine Rolle. Wenigstens dann, wenn sie festlegen, in welcher Reihenfolge Gesprächspartnerinnen zu begrüßen sind – und welche Fettnäpfchen dabei drohen.

Immer wichtiger wird für Geschäftsreisende auch die Frage nach der Risikobereitschaft ihres Reiselandes. Wo in dem einen Land jede strategische Neuausrichtung freudig begrüßt wird, mag Ihr Geschäftspartner in einem anderen Land bedeutend zurückhaltender agieren.

KPMG Klardenker klärt auf. Teil fünf einer unregelmäßigen Serie zum Business im Ausland.

Katar, knapp 2,3 Millionen Einwohner, BIP gut 173 Milliarden US-Dollar

Katar liegt an der Westküste des Arabischen Golfs, östlich der Arabischen Halbinsel. Zum Land gehören einige Inseln. Doha ist als Hauptstadt die einzige große Stadt Katars und wird vor allem durch einen Mix traditioneller arabischer und moderner Architektur charakterisiert.

Begrüßungen in Katar sind oft überschwänglich. Augenkontakt und ein freundliches Lächeln sind immer gut. Wenn sich Katarer treffen, nehmen sie sich Zeit und unterhalten sich über verschiedenste Themen. Begrüßungen sind also sehr wichtig. Männer geben sich meistens die Hand, während Frauen sich umarmen. Gute Freunde begrüßen sich entweder auch mit Handschlag oder mit einem Kuss auf die Wange.

Visitenkarten auszutauschen ist durchaus üblich. Dabei bietet es sich besonders an, eine Seite der Karte auf Arabisch übersetzt zu haben. Allgemein sollten Visitenkarten mit beiden Händen überreicht werden und beim Erhalt sollte man stets darauf achten, sie sich anzuschauen, bevor man sie verstaut.

Unternehmerisches Risiko ist in Katar relativ gering ausgeprägt, wobei sich das Managementteam einer Organisation öfter darüber hinwegsetzt. Viele Unternehmen stellen Auswanderer in Senior-Positionen an. Deshalb kommt es zu einer Verschmelzung der nationalen Kultur und der Kultur der Auswanderer. Das Bildungssystem wurde überarbeitet. Es ist nun darauf ausgelegt, analytisches und kritisches Denken zu fördern. Dadurch wird im Laufe der Zeit auch die Risikotoleranz tendenziell steigen.

Kommunikation hängt vom ethnischen Hintergrund der Person ab. Nur 25 Prozent der Bevölkerung sind Katarer. Daher hat man oft Kontakt mit Arabern aus anderen Ländern, die sehr viel Wert auf ein gegenseitiges Kennenlernen legen. Bei Kontakt mit westlichen Auswanderern spielt Smalltalk kaum eine Rolle. Die Kommunikation ist indirekt, da sowohl Worte als auch die nonverbale Kommunikation eine große Bedeutung haben.

Besser nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen oder Schuhe beziehungsweise Füße so ausrichten, dass die Sohlen auf andere zeigen.

Indonesien, gut 258 Millionen Einwohner, BIP gut 1.000 Milliarden US-Dollar

Indonesien hat noch immer mit Armut und Arbeitslosigkeit zu kämpfen, was nicht zuletzt einer schlechten Infrastruktur, Korruption und einer ungleichen Ressourcenverteilung unter den Regionen zuzuschreiben ist. Indonesiens Präsident Joco Widodo versucht dem seit 2014 entgegenzusteuern und hat gemäß einer aktuellen Studie bereits Fortschritte erzielt.

Begrüßungen sind formell und darauf ausgerichtet, Respekt zu zeigen. Ein Händedruck ist die gängigste Form und wird häufig von „Selamat“ (herzlichen Glückwunsch) oder auch „selamat pagi“ (guten Morgen), "selamat siang" (guten Tag), oder "selamat malam" (guten Abend) begleitet. Zudem ist generell üblich, die älteste Person zuerst vorzustellen beziehungsweise sich vorstellen zu lassen.

Visitenkarten werden nach einem anfänglichen Händedruck ausgetauscht. Darauf sollte die eigene Position deutlich dargestellt sein, um das eigene Image und die Vertrauenswürdigkeit zu untermauern. Obwohl nicht zwingend notwendig, sollte eine Seite der Karte in indonesischer Sprache lauten, um das Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit zu zeigen.

Die unternehmerische Risikobereitschaft ist sehr gering. Veränderungen werden meist schrittweise vorgenommen, damit sich die Angestellten langsam an jede neue Phase gewöhnen können. Die Implementierung neuer Prozesse kann daher viel Zeit kosten, da sie wiederholt erklärt werden müssen. Angestellten wird die Zeit gegeben, Veränderungen zu diskutieren. Durch diese Unsicherheit hinsichtlich Veränderungen ist es wichtig, alles Neue mit Fallstudien und Beispielen zu demonstrieren. Es bietet sich daher also vor allem an, die Vorteile der Veränderung aufzuzeigen.

Die Kommunikation ist stets ruhig und kontrolliert. Indonesier nutzen einen indirekten Kommunikationsstil, der auf Gesagtem, Gesten und anderen Formen der Körpersprache aufbaut. Dabei bevorzugen sie eine ruhige und leise Tonlage. Ähnlich wie andere ostasiatische Länder hat Indonesien zudem eine High-Context-Kultur. Stimmlage, Körpersprache, Augenkontakt und Gesichtsausdrücke sollten mit dem Gesagten zusammenpassen.

Besser nicht: Wer die Hände in die Hüften stemmt, gilt schnell als arrogant. Das wollen Sie nicht. Und Kaugummikauen in der Öffentlichkeit? Das wollen Sie lieber auch nicht.

Bahamas, rund 320.000 Einwohner, BIP knapp neun Milliarden US-Dollar

Die ehemalige britische Kolonie „Bahamas“ beschreibt eine Inselgruppe von etwa 700 Inseln. Die Bahamas sind ein beliebtes Ziel für Touristen und einer der weltweit größten Anbieter von Offshore-Finanzdienstleistungen. In der blühenden Wirtschaft der Karibik gibt es weder Einkommen-, Unternehmens- oder Erbschaftssteuern.

Begrüßungen erfolgen in der Regel per Handschlag, direktem Augenkontakt und einem freundlichen Lächeln. Generell sind die Bahamaer herzliche und gastfreundliche Menschen, auch wenn sie im Vergleich zu Bewohnern anderer Karibikregionen teilweise reserviert wirken. Es ist generell ratsam, sein Gegenüber zu siezen.

Visitenkarten werden ohne ein bestimmtes formelles Ritual ausgetauscht. Auf den Karten sollten stets alle möglichen relevanten Berufsabschlüsse vermerkt sein. Visitenkarten eines Geschäftspartners müssen mit Respekt behandelt werden. Erhalten Sie eine, sollte diese vor ihm in einem Etui verstaut werden, da der Umgang mit den Karten Rückschlüsse auf die zukünftige Zusammenarbeit ermöglicht.

Die unternehmerische Risikobereitschaft der Bahamaer hält sich in Grenzen. Veränderungen erfolgen meist nur langsam und nach langem Durchdenken und Abwägen. Möchten Sie also etwas Neues vorstellen, sollten sie es mit Hintergrundinformationen und Case Studies belegen. Diese unterstützenden Dokumente werden den Bahamaern ein besseres Gefühl geben.

Die Kommunikation spiegelt die Offenheit und Gastfreundschaft der Bahamaer wider. Es wird relativ direkt kommuniziert. Allerdings werden Botschaften auf eine sensible Weise transportiert. Da Tradition sehr geschätzt wird, ist es hilfreich, etwas über historische Hintergründe oder Inhalte zu erzählen. Außerdem stellen Bahamaer Ihnen solange Fragen, bis sie mit der Antwort zufrieden sind. Körperliche Gestern und Körpersprache sowie die Tonlage sind wichtige Elemente der Kommunikation.

Besser nicht: Persönliche Fragen stellen, solange Sie die Person nicht wirklich kennen. Shorts sind ungern gesehen – es sei denn, Sie liegen am Strand oder am Pool.

Kambodscha, gut 15 Millionen Einwohner, BIP knapp 21 Milliarden US-Dollar

Kambodscha ist reich an Kultur und landschaftlicher Schönheit, doch 20 Jahre Unruhe machten es seit 1991 zu einem der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder. Kambodscha ist eines der vier asiatischen Länder, das noch immer eine Monarchie hat. Das Land befindet sich in einem Prozess der Wiederherstellung. Das Einkommen pro Kopf steigt, bleibt aber gering.

Begrüßungen sind in der Regel warm und freundlich. Sie können auch etwas schüchtern und reserviert sein, wenn man noch nicht bekannt ist. Grüße variieren nach Alter der anderen Person und Intimität der Beziehung. Der traditionelle Gruß ist ein Bogen, der die Hände auf dem Brustkorb zusammenbringt. Größerer Respekt wird gezeigt, indem man die Hände höher hält und sich tiefer verbeugt. Ein Handschlag unter Fremden ist ebenfalls üblich. Man sollte immer so zurück grüßen, wie man begrüßt wurde. Bei geselligen Zusammenkünften erwarten Sie, dass Ihre Gastgeber Sie jedem Gast einzeln vorstellen, beginnend mit dem ältesten. Wenn Sie abreisen, sollten Sie sich wirklich bei jedem Gast verabschieden.

Visitenkarten werden nach der ersten Vorstellung untereinander ausgetauscht. Eine Seite sollte in Khmer übersetzt sein. Es ist wichtig, Visitenkarten mit Respekt zu behandeln, da die Art und Weise, wie Sie mit der Karte umgehen, darauf hinweist, wie Sie die Person behandeln werden.

Die unternehmerische Risikobereitschaft in Kambodscha ist gering. Dies ist den Unruhen der letzten zwanzig Jahre geschuldet. Daher steht man Veränderung meist skeptisch gegenüber. Dennoch agiert Kambodscha zunehmend international und übernimmt nach und nach westliche Werte. Wie die meisten asiatischen Kulturen ist man in Kambodscha gruppenorientiert und will daher stets eine gemeinsame Lösung finden. Deswegen ist es wichtig, Ideen und Projekte so zu präsentieren, dass sie im Sinne aller sind.

Besser nicht: Sie treffen einen Kambodschaner zum ersten Mal? Seien Sie freundlich – und fragen Sie ihn nicht nach seinem Namen.

04. Oktober 2017
Zusammengefasst

»Wie funktioniert Small Talk auf den Bahamas? Was zieht man an zum Geschäftstermin in Kambodscha? Und welche Fehler sollte man auf Geschäftsreisen in Indonesien oder Katar unbedingt vermeiden? «

Ein Knigge für Geschäftstermine in den USA, England und Frankreich? Gibt's schon. Wie sieht es aber aus beim Auslandseinsatz in exotischeren Regionen der Welt? Wir klären auf.

Uwe Nowotnick Partner, Global Mobility Services
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Kommentare

Worauf achten Sie beim Auslandseinsatz?

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