Internationaler Business-Knigge: Panama, Iran, Botswana, Pakistan

Internationaler Business-Knigge

Geschäftlich am anderen Ende der Welt? Worauf es ankommt, verrät unser Business Guide

Keyfacts über Business Guide

  • Iran: Nicht die linke Hand verwenden
  • Pakistan: Risikofreude ist kaum vorhanden
  • Panama: Niemand sagt gerne "nein"
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Was zieht man an zum Geschäftstermin in den USA? Wie funktioniert Small-Talk in China? Und was sind die größten Fehler, die man beim Restaurantbesuch mit Geschäftspartnern in Frankreich unbedingt vermeiden sollte? Kein Problem, denn an Ratgebern zum richtigen Verhalten in den etablierten Ländern herrscht kein Mangel.

Wie aber sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einen zum Auslandseinsatz in exotischere Regionen der Welt schickt? Am richtigen Verhalten entscheidet sich regelmäßig auch in solchen Ländern der geschäftliche Erfolg fern der Heimat. Dabei geht es um Sitten und Gebräuche, die in vielen Fällen aus den Lebensumständen in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Aber auch Fragen der gesellschaftlichen Hierarchie spielen eine Rolle. Wenigstens dann, wenn sie festlegen, in welcher Reihenfolge Gesprächs- und Geschäftspartner zu begrüßen sind – und welche Fettnäpfchen dabei drohen.

Immer wichtiger wird für Geschäftsreisende auch die Frage nach der Risikobereitschaft der Businesscommunity ihres Reiselandes. Wo in dem einen Land jede strategische Neuausrichtung freudig begrüßt wird, mag Ihr Geschäftspartner anderen Ortes bedeutend zurückhaltender agieren.

KPMG Klardenker klärt auf. Teil drei einer unregelmäßigen Serie zum Business im Ausland.

Iran, rund 75 Millionen Einwohner, BIP rund 390 Milliarden US-Dollar

Der Iran, vor 1935 noch Persien genannt, liegt zwischen dem Kaspischen Meer und der Straße von Hormus am Persischen Golf. Das rohstoffreiche Land verfügt über rund ein Zehntel der weltweiten Ölreserven und produziert den teuersten Kaviar der Welt: 27.000 Euro kostet der Almas-Kaviar pro Kilo.

Im Iran legt man viel Wert auf eine offene und herzliche Begrüßung. Männer begrüßen sich untereinander üblicherweise mit einem leichten Händedruck. Da der Islam iranischen Männern jeden körperlichen Kontakt mit fremden Frauen untersagt, sollten Sie als ausländische Geschäftsfrau nur Frauen die Hand schütteln. Als ausländischer Geschäftsmann können Sie iranischen Frauen die Hand geben, wenn diese es anbieten. Sprechen Sie iranische Männer mit dem Titel „agha“ sowie dem Nachnamen an, Frauen mit dem Titel „khanoom und dem Nachnamen. Mit „Salaam“ – „Hallo“ beginnt der Small Talk. Nach der ersten Begrüßung kann die Frage „Haaletun tshetore?“ – „Wie geht es Ihnen?“ folgen.

Visitenkarten werden im Iran meistens erst ab dem Senior-Level ausgetauscht. Achten Sie darauf, ihre Funktion gut sichtbar auf der Karte zu vermerken, da Stellung und Position im Iran sehr wichtig sind. Sind Sie häufiger im Iran unterwegs, sollten Sie eine Seite der Karte auf Farsi übersetzen lassen. Achten Sie darauf, die Karte mit der rechten Hand oder mit beiden Händen zu überreichen.

Risikofreude ist bei iranischen Geschäftsleuten sehr gering ausgeprägt. Insbesondere westlichen Veränderungen steht man im Iran eher skeptisch gegenüber. Stellen Sie sich also darauf ein, dass der Diskussion etwaiger Risikofaktoren bei Geschäftsterminen ein großer Stellenwert zugeschrieben wird.

Die öffentliche Kommunikation – zu der auch Geschäftstermine zählen – verläuft im Iran sehr höflich und formell. Um die Würde ihres Gesprächspartners zu wahren, vermeiden Iraner klare Verneinungen und greifen lieber auf schwammige Aussagen wie „Vielleicht morgen“ zurück.

Besser nicht: Linkshänder aufgepasst! Im Iran ist es unüblich, jemandem die als „unrein“ geltende Hand zu reichen oder diese gar zum Essen zu benutzen

Pakistan, rund 196 Millionen Einwohner, BIP rund 270 Milliarden US-Dollar

Pakistan grenzt an den Iran, Afghanistan und Indien und hat die sechstgrößte Bevölkerung der Welt. Alle sieben Sekunden kommt hier ein Baby zur Welt. Das Land ist Weltmarktführer in der Herstellung von handgenähten Fußbällen und verfügt mit der Tharparkar Wüste über die einzige fruchtbare Wüste weltweit.

In Pakistan wird Gastfreundlichkeit groß geschrieben. Behalten Sie allerdings im Hinterkopf, dass sich nur wenige Frauen in der Öffentlichkeit mit Männern unterhalten. Die Begrüßung beschränkt sich daher meist auf Personen des gleichen Geschlechts. Achten Sie in allen Begrüßungssituationen darauf, Begeisterung und Freude über das Kennenlernen beziehungsweise Wiedersehen zu zeigen. Er-kundigen Sie sich bei Ihrem Gegenüber außerdem nach seiner Familie, ansonsten gelten Sie schnell als unhöflich und desinteressiert.

Visitenkarten sind in Pakistan ein Statussymbol. Vermerken Sie deswegen unbedingt Ihre Universitätsabschlüsse und beruflichen Auszeichnungen auf Ihrer Karte. Wichtig ist außerdem, dass Ihre Visitenkarten in einem guten Zustand sind - Knicke und Risse sind ein absolutes No-Go. Wenn Sie eine Visitenkarte erhalten, sollten Sie diese ausgiebig studieren, bevor Sie sie einstecken.

In Pakistan steht man Veränderungen eher skeptisch gegenüber. Die Risikofreude unter pakistanischen Geschäftsleuten ist dementsprechend gering ausgeprägt. Seien Sie sich bewusst, dass es in Pakistan ein regelrechtes Labyrinth aus Regeln gibt, das die Umsetzung von neuen Projekten zusätz-lich erschweren kann.

Bewahren Sie bei der Kommunikation mit pakistanischen Geschäftspartnern die Ruhe – auch wenn Ihr Gegenüber unter Stress dazu tendieren könnte, laut und emotional zu werden. Plötzliches Schwei-gen wird in Pakistan gerne eingesetzt, um Unmut oder Irritation auszudrücken. Versuchen Sie in diesem Fall, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken oder Ihre Aussage noch einmal umzuformulieren.

Besser nicht: Vermeiden Sie lautes Lachen und Rauchen in der Öffentlichkeit. Beides könnte schnell als bewusste Provokation interpretiert werden.

Botswana, rund 2,3 Millionen Einwohner, BIP rund 14 Milliarden US-Dollar

Botswana ist ein Binnenstaat im südlichen Afrika, der zu rund 80 Prozent aus Wüste besteht. Dank seines hohen Diamantvorkommens zählt Botswana zu den wohlhabendsten Ländern des Kontinents. Die Grenze zu Sambia ist mit einer Länge von gerade einmal 150 Metern die kürzeste Grenze der Welt.

Die Begrüßung erfolgt in Botswana meistens mit einem Handschlag. Seien Sie sich aber bewusst, dass dieser etwas anders funktioniert, als Sie es aus Deutschland gewöhnt sein dürften. Nehmen Sie zunächst die rechte Hand Ihres Gegenübers und schütteln Sie diese wie gewohnt. Verhaken Sie dann Ihren Daumen mit dem Ihres Gegenübers, sodass Ihre Fingerkuppe nach oben zeigt. Sie beenden den Handschlag, indem Sie wieder zum lockeren Schütteln übergehen.

Visitenkarten werden in Botswana ohne große Formalitäten ausgetauscht. Achten Sie allerdings darauf, Ihre Karte mit der Vorderseite nach oben gerichtet zu überreichen und werfen Sie einen Blick auf die Ihnen gereichte Karte, bevor Sie diese einstecken.

Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern variiert die Risikofreude in Botswana je nach Entscheidungsebene. Generell gilt: Je einflussreicher ein Geschäftsmann innerhalb seines Unternehmens ist, desto mehr Risiko kann er eingehen. Einer riskanten Entscheidung geht allerdings meist eine gründliche Abwägung aller Risikofaktoren und Chancen voraus.

Die offizielle Amtssprache in Botswana ist Englisch. Zwar kommuniziert ein Großteil der Bevölkerung miteinander in der Nationalsprache Setswana, doch können Sie bei Ihren Geschäftsreisen davon ausgehen, dass Meetings mit ausländischer Beteiligung auf Englisch abgehalten werden. Beachten Sie bei der Kommunikation außerdem die non-verbale Ebene, die oft weit über das Gesagte hinausgeht.

Besser nicht: Zeigen Sie nicht mit dem Finger auf Personen. Die Geste wird mit Tieren in Verbindung gebracht und gilt als unangemessen.

Panama, rund 3,9 Millionen Einwohner, BIP rund 52 Milliarden US-Dollar

Das Wort "Panama" bedeutet übersetzt "fischreicher Platz". Der das Land durchquerende Panamakanal verbindet die Karibik im Norden mit dem Pazifik im Süden. Panamas Landeswährung Balboa ist genau wertgleich mit dem US-Dollar und existiert nur in Münzform. Zu den wichtigsten Exportgütern des Landes zählen Ananas, Bananen, Kaffee und Rohrzucker.

Kennt man sich eher oberflächlich, reicht man sich in Panama zur Begrüßung die Hand. Wird die Beziehung intensiver, ist eine Umarmung weit verbreitet. Um Fettnäpfchen zu vermeiden, lassen Sie Ihren Geschäftspartner bei der Begrüßung den ersten Schritt machen. Duzen Sie Ihr Gegenüber erst, wenn Sie explizit dazu eingeladen werden.

Visitenkarten werden in Panama üblicherweise beim ersten Kennenlernen ausgetauscht. Achten Sie darauf, dass Ihre beruflichen und universitären Qualifikationen auf Ihrer Karte vermerkt sind. Außer-dem empfiehlt es sich, eine Seite der Visitenkarte auf Spanisch übersetzen zu lassen.

In panamaischen Unternehmen ist Risikofreude mittelmäßig stark ausgeprägt. Riskante Entscheidungen werden meist von Führungspersonen auf hoher Unternehmensebene getroffen.

Bei der Kommunikation spielt die non-verbale Ebene eine große Rolle. Gesichtsausdruck und Körpersprache werden gerne dazu genutzt, um über das gesprochene Wort hinausgehende Botschaften zu kommunizieren. „Nein“ ist eine Antwort, die Geschäftspartner in Panama aus Höflichkeit nicht gerne geben. Sind Sie sich nicht sicher, wie Ihr Gegenüber wirklich über Ihr Anliegen denkt, versuchen Sie dieses noch einmal anders zu formulieren – und achten Sie bei der Antwort ganz genau auf die non-verbale Ebene.

Besser nicht: Verzichten Sie auf ein schnelles Sandwich-to-Go. Essen im Gehen trifft in Panama auf Unverständnis.

01. August 2017
Zusammengefasst

»Wie funktioniert Small Talk in Panama? Was zieht man an zum Geschäftstermin in Botswana? Und was sind die größten Fehler, die man auf Geschäftsreisen in Pakistan oder dem Iran vermeiden sollte?«

Ein Knigge für Geschäftstermine in den USA, England und Frankreich? Gibt's schon. Wie sieht es aber aus beim Auslandseinsatz in exotischeren Regionen der Welt? Wir klären auf.

Uwe Nowotnick Partner, Global Mobility Services
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Kommentare

Worauf achten Sie beim Auslandseinsatz?

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