Internationaler Business-Knigge: Suriname, Brunei, Island und Nigeria

Internationaler Business-Knigge

Geschäftlich am anderen Ende der Welt? Worauf es ankommt, verrät unser Business Guide

Keyfacts über Business Guide

  • Suriname: Argumente statt Übertreibungen
  • Brunei: Visitenkarten beidhändig überreichen
  • Nigeria: Die linke Hand gilt als unrein
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Was zieht man an zum Geschäftstermin in den USA? Wie funktioniert Small-Talk in China? Und was sind die größten Fehler, die man beim Restaurantbesuch mit Geschäftspartnern in Frankreich unbedingt vermeiden sollte? An Ratgebern wie einem Business-Knigge zum richtigen Verhalten in den etablierten Ländern herrscht kein Mangel.

Wie aber sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einen zum Auslandseinsatz in exotischere Regionen der Welt schickt? Am richtigen Verhalten vor Ort entscheidet sich regelmäßig der geschäftliche Erfolg in der Ferne. Dabei geht es um Sitten und Gebräuche, die in vielen Fällen aus den Lebensumständen in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Aber auch Fragen der gesellschaftlichen Hierarchie spielen eine Rolle. Wenigstens dann, wenn sie festlegen, in welcher Reihenfolge Gesprächs- und Geschäftspartner zu begrüßen sind – und welche Fettnäpfchen dabei drohen.

Immer wichtiger wird für Geschäftsreisende auch die Frage nach der Risikobereitschaft ihres Reiselandes. Wo in dem einen Land jede strategische Neuausrichtung freudig begrüßt wird, mag Ihr Geschäftspartner in einem anderen Land bedeutend zurückhaltender agieren.

KPMG Klardenker klärt auf. Teil eins einer unregelmäßigen Serie zum Business im Ausland.

Suriname, knapp 550.000 Einwohner, BIP rund 5 Milliarden US-Dollar

Das kleinste Land Südamerikas war einst niederländische Kolonie und ist reich an Bodenschätzen wie Bauxit und Gold.

Ein Händedruck mit einem Lächeln reicht zur Begrüßung in den meisten Fällen. Ein freundliches "Fa’y go?" (Wie geht’s?) kann Türen öffnen. In größeren Gruppen warten Sie, bis Ihr Gastgeber Sie vorgestellt hat. Tut er es nicht, fragen Sie einen Bekannten um Hilfe – oder machen es selbst.

Der Austausch von Visitenkarten ist kein besonders förmlicher Akt. Dennoch sollten Sie darauf achten, die Karten in ein dafür passendes Etui zu stecken. Die Karten einfach in die Tasche zu stecken, kann Ihnen als Respektlosigkeit ausgelegt werden.

Die Bereitschaft zu einem unternehmerischen Risiko ist in Suriname eher mäßig vorhanden. Wer einen Wechsel bisheriger Abläufe vorschlagen möchte, der ist gut beraten, wenn er Vertrauenspersonen benennen kann, die die Vorteile einer strategischen Neuausrichtung betonen können.

Menschen in Suriname neigen dabei zu einer direkten Kommunikation und bevorzugen Argumente, die auf Fakten und Tatsachen beruhen. Wer nur die Vorteile eines Geschäftes betont und dabei in Superlative verfällt, erntet eher Skepsis.

Besser nicht: Suriname hat ein tropisches Klima. Bitte wechseln Sie dennoch Ihre Badegarderobe nach dem Strand- oder Poolbesuch.

Brunei, rund 420.000 Einwohner, BIP knapp 13 Milliarden US-Dollar

Das erdgas- und erdölreiche Sultanat Brunei liegt auf der Insel Borneo im Südchinesischen Meer. Die seit mehr als 600 Jahren durchgängig regierende Herrscherfamilie regiert das Land aus dem größten Palast der Welt: fast 1800 Zimmer.

Die Begrüßung unterscheidet sich oft nach dem Alter des Gegenübers. Während sich viele jüngere Menschen mit einem Händeschütteln begrüßen, senken ältere Menschen zur Begrüßung den Kopf und Lächeln.

Überreichen Sie Ihre Visitenkarte mit beiden Händen so, dass Ihr Gegenüber den Namen lesen kann. Besonders aufwendig gestanzte Karten kommen im Regelfall besonders gut an. In der hierarchisch geprägten Kultur Bruneis gilt es als unhöflich, in Anwesenheit anderer Menschen etwas auf Visitenkarten zu schreiben.

Die mäßig ausgeprägte Risikotoleranz führt dazu, dass strategische Neuausrichtungen nur langsam und bedächtig umgesetzt werden können. Wer hier auf schnelle Änderungen drängt, beweist nur sein mangelndes Verständnis für die Kultur des Landes.

Die Etikette verlangt, dass Älteren in der Kommunikation besonderer Respekt entgegen gebracht wird. Jemanden im Gespräch auch bei den nichtigsten Sachverhalten zu korrigieren führt dazu, dass beide Seiten stark an Ansehen verlieren.

Besser nicht: Berühren Sie niemals den Kopf Ihres Gesprächspartners. Der Kopf gilt als Sitz der Seele, ihn zu berühren als sehr unhöflich.

Island, knapp 340.000 Einwohner, BIP rund 16,7 Milliarden US-Dollar

Islands Hauptinsel ist die größte Vulkaninsel der Welt und das am dünnsten besiedelte Land Europas.

Die egalitäre Gesellschaft Islands ist auch bei der Begrüßung erkennbar. Da der Nachname eher als Kurzzusammenfassung der Familiengeschichte gilt, reden Isländer sich in den allermeisten Fällen ausschließlich mit ihrem Vornamen an.

Auch der Umgang mit Visitenkarten ist recht locker. Es gibt keine besonderen Rituale bei der Übergabe; auch eine Übersetzung des Textes in die isländische Sprache ist nicht erforderlich.

Die von Unternehmergeist geprägte isländische Gesellschaft führt zu einer eher hohen Risikobereitschaft. Auch wenn bei möglichen Strategiewechseln eine Risikoanalyse erwartet wird, ist doch die Tendenz zu einer optimistischen Grundhaltung erkennbar. Eine nachvollziehbare Haltung in einem Land, das von gewaltigen Naturereignissen geprägt ist. „Wird schon werden“ könnte das inoffizielle isländische Motto lauten.

Ehrliche Worte zählen bei der Kommunikation am meisten. Man könnte auch sagen: Nur Worte zählen. Ein grundloses Lächeln oder andere Signale der Körpersprache bedeuten hier eher wenig.

Besser nicht: Sie müssen nicht unbedingt über Ihr Privatleben reden – die anderen tun es schließlich auch nicht.

Nigeria, knapp 190 Millionen Einwohner, BIP rund 490 Milliarden US-Dollar

Das westafrikanische Land hat die meisten Einwohner aller afrikanischen Länder, ist reich an Bodenschätzen – aber auch an Konflikten.

Eine ausführliche Begrüßung ist in Nigeria normal und erwünscht. Männer legen dabei gelegentlich ihre linke Hand auf die Schulter des Gegenübers. Small Talk ist wichtig. Lächeln Sie, erkundigen Sie sich nach der Familie, der Gesundheit ihres Gesprächspartners, anderen Aspekten des Miteinanders. Als ein Zeichen des Respektes gegenüber älteren Menschen ist es durchaus angebracht, sie als „Onkel“ oder „Tante“ anzusprechen.

Beim Austausch von Visitenkarten achten Sie darauf, sie nicht mit der linken Hand anzunehmen. Benutzen Sie beide Hände oder die rechte. Sie haben einen Universitätsabschluss? Dann sorgen Sie dafür, dass er auch auf Ihrer Visitenkarte steht.

Die Risikobereitschaft ist in Nigeria mittelmäßig ausgeprägt. Da die Regierung in den letzten Jahren Versuche unternommen hat, die Abhängigkeit des Landes vom Erdölexport zu verringern, ist davon auszugehen, dass die Bereitschaft zu mehr Risiko in nächster Zeit eher zunehmen wird.

Die Kommunikation unterscheidet sich in dem multiethnisch geprägten Land mitunter sehr stark: Von humorvollen Ausführungen über eher sachliche Darstellungen. Von laut zu leise. Und von direkt zu eher umschreibend. Auch die Körpersprache spielt häufig eine Rolle. Achten Sie bei der Auswahl Ihres Dolmetschers darauf, dass er all diese Varianten verstehen und korrekt wiedergeben kann.

Besser nicht: Die linke Hand gilt als unrein. Machen Sie alles mit rechts, machen Sie alles richtig.

20. April 2017
Zusammengefasst

»Wie funktioniert Small Talk in Suriname? Was zieht man an zum Geschäftstermin in Brunei? Und was sind die größten Fehler, die man auf Geschäftsreisen in Island oder Nigeria vermeiden sollte? «

Ein Knigge für Geschäftstermine in den USA, England und Frankreich? Gibt's schon. Wie sieht es aber aus beim Auslandseinsatz in exotischeren Regionen der Welt? Wir klären auf.

Uwe Nowotnick Partner, Global Mobility Services
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Worauf achten Sie beim Auslandseinsatz?

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