Internationaler Business-Knigge: Uruguay, Südafrika, Mongolei, Oman

Internationaler Business-Knigge

Geschäftlich am anderen Ende der Welt? Worauf es ankommt, verrät unser Business Guide

Keyfacts über Business Guide

  • Uruguay: Unternehmerisches Risiko kaum vorhanden
  • Mongolei: Nicht in geschlossenen Räumen pfeifen
  • Südafrika: Non-verbale Kommunikation ist wichtig
Zusammenfassung lesen

Was zieht man an zum Geschäftstermin in den USA? Wie funktioniert Small-Talk in China? Und was sind die größten Fehler, die man beim Restaurantbesuch mit Geschäftspartnern in Frankreich unbedingt vermeiden sollte? Kein Problem, denn an Ratgebern zum richtigen Verhalten in den etablierten Ländern herrscht kein Mangel.

Wie aber sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einen zum Auslandseinsatz in exotischere Regionen der Welt schickt? Am richtigen Verhalten entscheidet sich regelmäßig auch in solchen Ländern der geschäftliche Erfolg fern der Heimat. Dabei geht es um Sitten und Gebräuche, die in vielen Fällen aus den Lebensumständen in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Aber auch Fragen der gesellschaftlichen Hierarchie spielen eine Rolle. Wenigstens dann, wenn sie festlegen, in welcher Reihenfolge Gesprächs- und Geschäftspartner zu begrüßen sind – und welche Fettnäpfchen dabei drohen.

Immer wichtiger wird für Geschäftsreisende auch die Frage nach der Risikobereitschaft der Businesscommunity ihres Reiselandes. Wo in dem einen Land jede strategische Neuausrichtung freudig begrüßt wird, mag Ihr Geschäftspartner anderen Ortes bedeutend zurückhaltender agieren.

KPMG Klardenker klärt auf. Teil zwei einer unregelmäßigen Serie zum Business im Ausland.

Uruguay, knapp 3,3 Millionen Einwohner, BIP rund 54 Milliarden US-Dollar

Uruguay ist das kleinste spanischsprachige Land Lateinamerikas. Es hatte in den vergangenen Jahren meist einen höheren Lebensstandard als seine Nachbarländer. Uruguays Vergangenheit als Steueroase für Offshore-Banking („Die Schweiz Lateinamerikas“) dürfte allerdings in nächster Zeit beendet sein. Auch Uruguay hat angekündigt, die OECD-Standards zur Bekämpfung grenzüberschreitender Steuerhinterziehung anzuwenden.

Die Begrüßung ist in Uruguay eher formal: Man gibt sich die Hand. Kennt man sich länger, darf es bei Männern auch mal eine Umarmung mit Schulterklopfen sein; Frauen geben sich ein Küsschen auf die rechte Wange. Gut beraten ist, wer bei der Anrede den Titel seines Gegenübers kennt – und nennt. Auch hier der Schwenk ins Private: Kennt man sich länger, wechselt man zum Vornamen. Sonst lieber nicht.

Der Austausch von Visitenkarten findet statt ohne besonderes Ritual. Viele Menschen in Uruguay sprechen eher weniger als mehr englisch. Es empfiehlt sich eine doppelte Beschriftung der Karten, also auch in spanischer Sprache.

Unternehmerisches Risiko ist in Uruguay eher gering vorhanden. Im Zweifelsfall wird eher in traditionellen Bahnen gedacht, als dass neue Risiken eingegangen werden. Außerdem zählen in dem kleinsten Land Südamerikas persönliche Beziehungen und Kontakte stärker als in anderen Ländern. Können Sie auf Empfehlungen von Bekannten Ihres potenziellen Geschäftspartners verweisen, haben Sie oft einen Stein im Brett.

Bei der Kommunikation gilt in Uruguay, was in ähnlicher Form für viele lateinamerikanische Länder gilt: Ein respektvolles Miteinander zählt im Zweifelsfall mehr als eine harte Aussage. Gut möglich, dass Sie eher eine ausweichende Antwort bekommen als eine, die Sie enttäuschen könnte.

Besser nicht: Wer gähnt, zeigt Langeweile. Immer. Lassen Sie das also lieber. Ausschlafen!

Südafrika, rund 54 Millionen Einwohner, BIP knapp 295 Milliarden US-Dollar

Einst ein Agrarland, zählt Südafrika mittlerweile zu einer der am stärksten entwickelten Volkswirtschaften Afrikas. Eine Stärke, die auch auf Rohstoffvorkommen wie Gold, Diamanten und Kohle basiert.

Bei der Begrüßung spielt häufig eine Rolle, in welchem Landesteil und bei welcher Ethnie man sich befindet. Mit einem einfachen Händedruck sind Sie meist auf der sicheren Seite. Außerdem gilt, je länger man sich kennt, desto herzlicher fällt die Begrüßung aus.

Aus Ihrem Umgang mit den Visitenkarten Ihrer Gesprächspartner schließen diese auf den zu erwartenden Umgang mit ihnen als Mensch. Also schreiben Sie lieber keine Notizen auf die Karten, während Ihr Gesprächspartner noch in der Nähe ist. Und stecken Sie die Karten nicht achtlos ins Etui, ohne wenigstens einen kurzen Blick darauf geworfen zu haben.

Die Risikotoleranz in Südafrika ist mittelmäßig ausgeprägt. Egal, mit wem Sie verhandeln: Haben Sie immer Dokumente dabei, die frühere Erfolge in ähnlicher Sache belegen. Beim Verhandeln mit jüngeren Geschäftspartnern lässt sich in letzter Zeit ein Wandel beobachten: Entscheidungen werden stärker im Team getroffen. Das hat zwei Effekte: Zum einen fällt ein mögliches Scheitern nicht direkt auf einen einzelnen Entscheider zurück. Zum anderen steigt damit auch die Bereitschaft, etwas zu wagen.

Die Kommunikation unterscheidet sich mitunter deutlich zwischen den Ethnien. Was alle eint: Der Ton ist eher freundlich als direkt, Andere zu unterbrechen gilt immer als schlechter Stil, Körpersprache und non-verbale Kommunikation ist wichtig.

Besser nicht: Sprechen Sie nicht mit Händen in der Hosentasche. Und sprechen Sie nicht über Rassentrennung und weiterhin bestehende soziale Probleme.

Mongolei, rund drei Millionen Einwohner, BIP gut 11 Milliarden US-Dollar

Die Mongolei ist riesig – fast viermal so groß wie Deutschland. Und extrem dünn besiedelt: Nur gut drei Millionen Menschen leben in dem agrarisch geprägten zweitgrößten Binnenstaat der Welt.

Senken Sie den Kopf und geben Sie Ihrem Gesprächspartner zur Begrüßung die Hand. Das reicht. Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie dabei lächeln. Wenn Sie neu in eine Gruppe kommen, fangen Sie mit der Begrüßung an. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand anders es tut, ist eher gering. Sie sind eine Frau? Dann sagen Sie „Sain bainuu?“ (Wie geht’s?) oder antworten “Sain!” (Gut!).

Überreichen Sie Ihre Visitenkarte immer mit beiden Händen und immer zuerst dem Ältesten in der Gruppe. So gehen gute Manieren in der Mongolei. Gibt man Ihnen ein Karte, dann studieren Sie sie für einige Sekunden, bevor Sie sie ins Etui stecken.

Die Mongolei ist ein sehr hierarchisches Land mit klaren Strukturen. Entscheidungen werden oben getroffen. Die Risikobereitschaft ist weiter unten also praktisch nicht vorhanden. Zusätzlich ist das Land sehr bürokratisch. Bringen Sie also Zeit mit.

Achten Sie bei der Kommunikation darauf, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Smalltalk ist wichtig, wer auf ihn verzichtet, ist bestenfalls unhöflich. Erreichen werden Sie ohne ihn nichts. Auch ein direkter Kommunikationsstil wird als unangemessen empfunden. Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Gesprächspartner tun es schließlich auch.

Besser nicht: Benutzen Sie keine rote Tinte in Ihrem Stift. Rot ist den wichtigsten Menschen und Din-gen im Leben vorbehalten. So wichtig werden Sie nie sein. Und bitte: Pfeifen Sie nicht in geschlossenen Räumen. Sie könnten nach altem Glauben einen Wirbelsturm heraufbeschwören.

Oman, knapp 4,4 Millionen Einwohner, BIP gut 63 Milliarden US-Dollar

Oman ist eines der am dünnsten besiedelten Länder der Welt. Der Wandel vom Agrar- zum Erdöl-Export-Land hat auch zum Entstehen einer gut ausgebildeten Mittelschicht geführt. Regiert wird das Land als absolutistische Monarchie.

Begrüßungen sind wichtig im Oman. Freuen Sie sich, Ihren Gesprächspartner zu begrüßen. Lächeln Sie und halten Sie Augenkontakt. Sie wollen einen Schritt weiter gehen? Dann legen Sie Ihre rechte Hand nach dem Händeschütteln kurz auf Ihr Herz. Mehr Respekt geht nicht. Das patriarchale System sieht dieses Zeremoniell allerdings in den meisten Fällen nur für Männer vor. Frauen hingegen schütteln manche Männer im Oman nicht einmal die Hand.

Nehmen Sie ruhig ausreichend Visitenkarten mit. Zur guten Sitte gehört es, sie möglichst großflächig zu verteilen. Natürlich haben Sie eine Seite Ihrer Karte in arabische Schrift übersetzt. Und natürlich übergeben Sie die Karte Ihrem Gesprächspartner mit genau dieser Seite.

Die Risikobereitschaft ist im Oman mittelmäßig ausgeprägt. Darin spiegeln sich auch die Veränderungen der letzten Jahrzehnte, die dem Land große wirtschaftliche Vorteile gebracht haben. Auf der anderen Seite werden Änderungsvorschläge auch immer dahingehend betrachtet, wie stark sie die Sozialstruktur des Landes verändern würden.

Die Kommunikation mag mitunter als etwas sehr direkt empfunden werden. Fragen, die anderswo als zu intim gelten würden, werden hier mit großer Selbstverständlichkeit gestellt. Man will sich halt kennenlernen. Achten Sie darauf, dass Sie dem Gruppenältesten stets besonders zuvorkommend begegnen. Das Land ist hierarchisch geprägt und stark in strukturellem Denken verhaftet.

Besser nicht: Essen Sie nicht im Gehen. Sagen Sie nichts gegen den Sultan.

06. Juni 2017
Zusammengefasst

»Wie funktioniert Small Talk in der Mongolei? Was zieht man an zum Geschäftstermin in Südafrika? Und was sind die größten Fehler, die man auf Geschäftsreisen in Uruguay oder dem Oman vermeiden sollte?«

Ein Knigge für Geschäftstermine in den USA, England und Frankreich? Gibt's schon. Wie sieht es aber aus beim Auslandseinsatz in exotischeren Regionen der Welt? Wir klären auf.

Uwe Nowotnick Partner, Global Mobility Services
Ganzen Artikel lesen

Kommentare

Worauf achten Sie beim Auslandseinsatz?

*Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Das könnte Sie auch interessieren

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen