Klimaschutz: Im Osten geht die Sonne auf

Klimaschutz: Sonnenaufgang im Osten

Warum die neuen Bundesländer in Sachen Klimaschutz erfolgreich sind – trotz Braunkohle

Keyfacts über Klimaschutz

  • Ostdeutschland ist Vorreiter in Sachen CO2-Reduktion
  • Abruptes Ende der Braunkohleförderung wäre kontraproduktiv
  • Energiewende kann nur im europäischen Kontext gelingen
Zusammenfassung lesen

Wer sich für die Zukunft der Stromerzeugung aus Kohle interessiert, der hat zumindest ein paar Gewissheiten sicher. Zum Beispiel die, dass Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigen muss, wenn es seine Klimaziele erreichen und Verantwortung für künftige Generationen übernehmen will. Oder die, dass bis zum Jahr 2018 mit der Förderung von Steinkohle in Deutschland Schluss sein wird. Der Grund: Steinkohle aus deutschen Bergwerken ist zu teuer. Während hierzulande die Steinkohle aus mehr als 1.000 Metern Tiefe gefördert werden muss, liegt sie beispielsweise in Australien praktisch direkt unter der Erde und lässt sich deutlich günstiger im Tagebau fördern. Anders sieht die Sache aus bei Braunkohle: Global wettbewerbsfähig, günstig und leicht zu fördern, speziell im Osten des Landes einer der großen Jobmotoren in den Regionen.

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Osten in Sachen CO2-Emission besonders klimaschädlich ist? Die Antwort könnte vermeintliche Gewissheiten ins Wanken bringen: Wenn es darum geht, Klimaziele zu erreichen und CO2-Emissionen zu reduzieren, dann sind die neuen Bundesländer bundesweit sogar führend. Zu einfach macht es sich also, wer durch einen abrupten Ausstieg aus der Braunkohleförderung eine sofortige Klimaverbesserung erwarten würde. Wie das?

CO2-Reduktion Ergebnis einer großen Leistung

Dazu ein Schritt zurück. Die Einsparungen bei der CO2-Reduktion fallen im Osten des Landes deutlich höher aus als im Westen. Warum ist das so? Die Antwort führt zurück in die Wendezeit und ihre damaligen Rahmenbedingungen: Braunkohle war in der DDR die vorherrschende Heizenergie – mit entsprechenden Belastungen für das Klima. Und die Kraftwerke hatten – historisch bedingt durch technologische Rückstände – hohes Einsparpotenzial. So lässt sich festhalten, dass beispielsweise Thüringen im Jahr 2014 insgesamt  61,4 Prozent weniger Treibhausgasemissionen verursacht als im Jahr 1990 – und dass andere ostdeutsche Bundesländer kaum dahinter zurückstehen. Nun könnte man es sich natürlich leicht machen und sagen: Schlechter als damals konnte es kaum laufen.

Das verkennt aber die enorme Leistung, die in den vergangenen Jahren erbracht wurde auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz und nachhaltiger Erzeugung. Eine umfangreiche Modernisierungsoffensive für die Kraftwerke wie auch der starke Ausbau und Verbrauch erneuerbarer Energien in den letzten Jahren führten dazu, dass der Osten beim Klimaschutz sich nicht verstecken muss – und das wohlgemerkt trotz seiner Braunkohleverstromung. Mit anderen Worten: In Sachsen-Anhalt beispielsweise lag der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bereits im Jahr 2014 bei mehr als 60 Prozent. Das übertrifft das bundesweite Ziel für das Jahr 2030 jetzt schon deutlich. Klimaschädlich sieht anders aus.

62,2

Prozent betrug der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch in Sachsen-Anhalt im Jahr 2014

Die eingeläutete Energiewende bedeutet natürlich auch, dass Braunkohle nicht ewig verstromt werden kann – und das ist richtig. Ebenso wenig aber scheint es sinnvoll zu sein, vorhandene Kraftwerke abrupt stillzulegen. Zum einen leben mehrere tausend Menschen in meist strukturschwachen Regionen direkt oder indirekt von der Stromerzeugung aus Braunkohle. Zum anderen stellt die Braunkohle einen erheblichen Teil der Grundlast, die umso wichtiger ist, wenn an besonders dunklen und windstillen Tagen erneuerbare Energien aufgrund noch unzureichender Speichermöglichkeiten nicht im erforderlichen Ausmaß zur Verfügung stehen. In eben diesen Fällen zeigt sich die aktuelle Relevanz von Braunkohle. Und in solchen Situationen ist es bedeutend besser, entsprechende Ressourcen hierzulande vorzuhalten als in anderen – meist – osteuropäischen Ländern einzukaufen, die in Sachen Klimaschutz geringere Anstrengungen unternehmen.

Im Osten geht die Sonne auf

Denn genau das ist der Punkt: Für den globalen Klimawandel ist es unerheblich, wo auf der Welt CO2 ausgestoßen wird. Einzig maßgeblich ist die Reduktion des klimaschädlichen Treibhausgases. Kommt es zur sogenannten Dunkelflaute – die Kombination aus Windstille und Dunkelheit –, dann wäre der Osten Deutschlands abhängig von Stromimporten aus Polen oder Tschechien, in denen Strom zum überwiegenden Teil aus Kohle erzeugt wird. Und das häufig in Kraftwerken mit deutlich schwächerem Wirkungsgrad als hierzulande. Spannende Frage: Was bringt das dem Klima? Ernüchternde Antwort: gar nichts.

Was also tun? Eine wirkliche Energiewende kann nach Ansicht vieler Experten nur im europäischen Maßstab gelingen. Nationale Alleingänge mögen zwar das Gewissen beruhigen. Ihr tatsächlicher Beitrag für eine Senkung des CO2-Ausstosses ist aber fraglich. Mit anderen Worten: Wenn andere europäische Regionen in Sachen CO2-Reduktion so erfolgreich wären wie Ostdeutschland – dem Klima wäre geholfen.

22. November 2017
Zusammengefasst

»Die Energiewende bedeutet, dass Braunkohle nicht ewig verstromt werden kann – und das ist richtig. Ebenso wenig aber scheint es sinnvoll zu sein, vorhandene Kraftwerke abrupt stillzulegen ohne sich über die grenzübergreifenden Auswirkungen für das Klima Gedanken zu machen. Klimaschutz funktioniert nur international.«

Ostdeutschland hat bei der CO2-Reduktion die Nase vorn. Das liegt an den großen Anstrengungen nach der Wende, aber auch am kontinuierlichen Ausbau der Erneuerbaren. Ein sofortiges Ende der Braunkohleförderung verlagert CO2-Emissionen lediglich in andere Länder.

Antje Strom Partnerin, Audit
Ganzen Artikel lesen

Kommentare

Wie kann die Energiewende gelingen?

*Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Das könnte Sie auch interessieren

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen