Klimawandel: Was kostet ein Tornado?

Klimawandel: Was kostet ein Tornado?

Klimaberichterstattung TCFD als Chance und Herausforderung für Unternehmen

Keyfacts über TCFD

  • Klimawandel ist ein systemisches Risiko
  • Task Force erarbeitet Vorschläge
  • Klimainformationen erhalten Einzug in Finanzberichterstattung
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Nehmen wir einmal an, Sie möchten Ihr Eigenheim gegen Schäden versichern und leben in einem Hochwassergebiet. Käme es zu Überschwemmungen, würden Keller und Erdgeschoss unter Wasser stehen. Die erste Etage bliebe trocken, Ihr Haus wäre nach der Reparatur noch bewohnbar. Nehmen wir weiter an, von Ihrer Terrasse aus sehen Sie gelegentlich Flugzeuge am Himmel. Würde ein Flugzeug auf Ihrem Grundstück abstürzen, wäre von Ihrem Haus nichts mehr übrig. Preisfrage: Gegen welches Risiko versichern Sie sich?

Wer Risiken einschätzen will, der muss zu unterscheiden lernen: Wie groß wäre – erstens – der Schaden, wenn es tatsächlich zum Schadensfall käme? Die oftmals wichtigere Frage aber: Wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass es soweit kommt? Was für den Eigenheimbesitzer gilt, gilt ebenso für Unternehmen – und an der Stelle ist der Report der globalen Wirtschaftsrisiken des Weltwirtschaftsforums aus dem Jahr 2016 besonders bedenklich: Die bisherigen Misserfolge beim Zurückdrängen des Klimawandels haben sich zum größten Risiko der Weltwirtschaft entwickelt. Und zwar einerseits wegen der damit verbundenen Schäden und andererseits wegen der hohen Wahrscheinlichkeit, mit der es zu diesen Schäden kommen wird.

Klimawandel als systemisches Risiko

Man kann es auch anders sagen: Der Klimawandel ist zum systemischen Risiko geworden. Höchste Zeit, darauf zu reagieren. So nahm beispielsweise auf Initiative der G20-Finanzminister und der Vorsitzenden der Zentralbanken vor einiger Zeit eine Task Force (Task Force on Climate-Related Financial Disclosures, TCFD) ihre Arbeit auf. Das Ziel: Sie soll untersuchen, in welchem Umfang Unternehmen und der Finanzsektor den Klimawandel in ihrem Berichtswesen berücksichtigen können. Am 29. Juni wurden die finalen Empfehlungen veröffentlicht, im Rahmen des G20 Gipfels in Hamburg soll das Dokument auf höchster Ebene präsentiert werden.

Für die Unternehmen dürfte auf absehbare Zeit ein bedeutender Wechsel anstehen: In der Vergangenheit berichteten sie, welche Auswirkungen ihr unternehmerisches Tun auf das Klima hat – zum Beispiel mit dem sogenannten CO2-Fußabdruck. Streng genommen war das aber immer nur die halbe Wahrheit, denn die andere Seite der Medaille wurde nicht erwähnt: Welche Auswirkung hat der Klimawandel auf das Geschäft der Unternehmen? Mit anderen Worten: Wie lassen sich Chancen und Risiken des Klimawandels in möglichen Zukunftsszenarien abbilden – und was wären die finanziellen Folgen für Unternehmen?

78

Prozent der Unternehmen sehen nach einer Umfrage große Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäft

Die entscheidenden Fragen für Unternehmen in diesen Fällen sind meistens ähnlich: Wird Klimaberichterstattung künftig zum Standard und – wenn ja – was bedeutet das konkret? Die Antwort auf die erste Frage ist einfach: Angesichts der massiven politischen Unterstützung wäre es mehr als überraschend, wenn sich die Vorschläge der Task Force nicht sehr bald auch durchsetzen würden. Bei der Antwort auf die zweite Frage jedoch stehen viele Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: Ihr Geschäftsmodell wird sich in vielen Fällen ändern; ändern müssen.

Herausforderung für Unternehmen: Wie wird die Zukunft?

Um aber die Risiken einschätzen zu können, muss man verschiedene Szenarien durchspielen. Wenn Situation A eintritt, braucht man dafür einen Plan. Wenn Situation B eintritt, braucht man dafür einen anderen. Das entscheidende Stichwort ist Resilienz: Wie kann ich meine Unternehmensstrategie so robust aufstellen, dass sie in unterschiedlichen physischen und Übergangsszenarien des Klimawandels resilient und mein Geschäftsmodell wettbewerbsfähig ist? Erfahrungen mit Szenarien und Resilienz haben bis jetzt die wenigsten – was wiederum bedeutet, dass die Bereitstellung der entsprechenden Informationen teuer und zeitintensiv werden könnte. Wie gut Unternehmen für diese neuen Herausforderungen aufgestellt sind, können sie in speziellen Assessments erfahren.

Die wesentlichen Klimarisiken zu benennen und auch ihre jeweiligen finanziellen Auswirkungen auf einzelne Geschäftsabläufe zu berichten, dürfte dennoch künftig unvermeidlich sein. Erste Umfrageergebnisse der vor zwei Jahren im Zusammenhang mit der UN-Klimakonferenz in Paris entstandenen GARI-Arbeitsgruppe (Global Adaptation & Resilience Investment) lassen dabei aufhorchen. So sagten 78 Prozent der Unternehmen, dass die Auswirkungen des Klimawandels große Auswirkungen auf ihr jeweiliges Geschäftsmodell hätten. Wenn ein externer Faktor eine so große Bedeutung für interne Abläufe hat, dann ist es gut, diese Auswirkungen auch in den jährlichen Geschäftsberichten zu erwähnen. Die Frage der Arbeitsgruppe lautete also: Wann werden die Unternehmen anfangen, die Auswirkung des Klimawandels in ihre Geschäftsberichte zu übernehmen? Die Antwort: 71 Prozent der Befragten fangen sofort damit an.

Ist das Alarmismus? Keineswegs, eher strategisch klug. Natürlich ist es teuer und aufwendig für Unternehmen, ein entsprechendes Regelwerk abteilungsübergreifend zu etablieren. Der Vorteil jedoch: Jeder Markt mag Entdecker.

Das Niveau der Geschäftsberichte war in der Vergangenheit nicht in allen Fällen gleich hoch, ist eine häufig von Investoren geäußerte Kritik. Wenn der Klimawandel zum allgemeinen Risiko wird, dann wissen Stakeholder gerne, wie hoch das konkrete Risiko für ein Investment ist. Je transparenter also die Unternehmen, desto geringer das strategische Risiko. Wer aber nicht umfassend berichtet, der kann nicht umfassend bewertet werden. Und wer nicht bewertet werden kann, der wird im Zweifelsfall eher abgewertet als aufgewertet. Mit anderen Worten: Eine Chance für Unternehmen. Wenn sie berichten.

06. Juli 2017
Zusammengefasst

»In der Vergangenheit berichteten Unternehmen, welche Auswirkungen ihr unternehmerisches Tun auf das Klima hat – der sogenannte CO2-Fußabdruck. Streng genommen war das aber immer nur die halbe Wahrheit, denn die andere Seite der Medaille wurde nicht erwähnt: Welche Auswirkung hat der Klimawandel auf das Geschäft der Unternehmen? «

Die Task Force in Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) hat Empfehlungen entwickelt, wie der Finanzsektor den Klimawandel berücksichtigen kann. Diese werden während des Hamburger G20 Gipfels im Juli präsentiert. Die Berichterstattung über finanzielle Auswirkungen des Klimawandels dürfte für Unternehmen bald zum Standard werden.

Christian Hell Senior Manager Sustainability Services
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Kommentare

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