Macron gewählt: Los geht‘s!

Macron gewählt: Los geht‘s!

Emmanuel Macron hat viel versprochen. Immerhin: Die Ausgangslage ist so schlecht nicht.

Keyfacts über Macrons Wahlprogramm

  • Die Eurozone soll einen Finanz- und Wirtschaftsminister bekommen
  • Die Euroländer sollen sich über Eurobonds verschulden können
  • Ein "Buy European Act" soll die Nachfrage nach europäischen Produkten stärken
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Emmanuel Macron wird der nächste französische Präsident. Mit gut 66 Prozent der Stimmen setzte er sich gegen Marine Le Pen von der Front National durch. Was ist von der Wahl des sozialliberalen Macrons zu erwarten?

Frankreich ist ein bedeutender Faktor in der Europäischen Union. Einige Zahlen sprechen allerdings dafür, dass Frankreich nicht in bester Verfassung ist. Die Erwerbslosigkeit liegt bei 10,1 Prozent (Deutschland nach Eurostat-Zählung bei 3,9 Prozent), das Haushaltsdefizit bei -3,4 Prozent und die Gesamtverschuldung des Staates bei 96 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Verständlich, dass sich angesichts dieser Daten Unmut in der Grand Nation regt.

Französische Wirtschaft wächst so stark wie die deutsche

Doch ist der Pessimismus übertrieben. Es gibt auch positive Indikatoren. Das reale Wirtschaftswachstum je Einwohner lag mit jeweils 0,9 Prozent im Jahr 2015 und 2016 auf dem Niveau Deutschlands, bzw. sogar knapp darüber (2015: 0,8 Prozent, 2016: 0,9 Prozent). Hinzu kommt die deutlich positivere langfristige Perspektive. Dank der Geburtenrate von 2,0 Kindern pro Frau (Deutschland: 1,5) ist die Überalterung keine große Herausforderung.

Dennoch sind Reformen in Frankreich nötig. Auf der To-Do Liste ganz oben? Die Digitalisierung. Bisher wurden gesellschaftlich kaum Antworten gefunden auf die Frage, wie der zunehmende Einsatz von intelligenten Algorithmen und die voraussichtlich starke Veränderung des Arbeitsmarktes gestaltet werden. Frankreich hat nun die große Chance hier voranzugehen.

Genau das hat Emmanuel Macron in seinem Wahlkampf versprochen. Sein Chefberater Jean Pisani-Ferry sagte der Wochenzeitung Die Zeit, die angestrebten Reformen werden keine Kopie der deutschen Agenda 2010 sein. Vielmehr sollen sie die Herausforderungen der Digitalisierung aufgreifen. Sollte das gelingen, könnte Macron damit die Grundlage für ein anhaltendes Wachstum der französischen Wirtschaft schaffen.

Eine Frage der Durchsetzbarkeit

Dafür muss der neue Präsident allerdings seine Konzepte auch durchsetzen können. Die Parlamentswahlen im Juni dieses Jahres werden dafür entscheidend sein. Wie Umfragen aus der ersten Mai-Woche zeigten, könnte seine Partei die meisten Sitze erringen. Ob damit aber auch die Bereitschaft zu Reformen in der Bevölkerung gegeben ist, ist noch unklar. Selbst im vergleichsweise streikarmen Deutschland trieb die Agenda 2010 Hundertausende Menschen in Protest auf die Straßen. Auch deswegen sollen die Macron‘schen Reformen nach den Worten seines Beraters nicht mit den Hartz-Reformen zu vergleichen sein und explizit nicht die Ungleichheit zwischen arm und reich vergrößern.

Vielversprechend sind auch die nun möglichen Fortschritte in der EU. Seit dem Brexit haben sich auch deutsche Regierungsmitglieder für unterschiedliche Integrationsgeschwindigkeiten der EU-Staaten ausgesprochen. Mit Frankreich unter Macron ist es vorstellbar, dass zumindest ein Kerneuropa noch enger zusammenwachsen wird. Vor der Wahl schlug er unter anderem einen eigenen Haushalt für die Eurozone vor, der Investitionen fördern soll.

Für deutsche Unternehmen sind all das gute Nachrichten. Ein vitales Frankreich und ein geeintes Europa nutzen auch dem Standort Deutschland. Schon allein, weil es den Wettbewerbsdruck erhöht, aber eben auch Synergien und zusätzliche Nachfrage schafft.

Emmanuel Macron hat mit „En Marche !“ viel versprochen. Nun ist es an ihm, diese Hoffnungen auch zu erfüllen. Los geht’s.

08. Mai 2017
Zusammengefasst

»Für deutsche Unternehmen sind all das gute Nachrichten. Ein vitales Frankreich und ein geeintes Europa nutzen auch dem Standort Deutschland. Schon allein, weil es den Wettbewerbsdruck erhöht, aber eben auch Synergien und zusätzliche Nachfrage schafft.«

Frankreich hat Emmanuel Macron zum Präsidenten gewählt. Er will Frankreich wirtschaftlich modernisieren und die europäische Union stärken. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, aber immerhin wuchs die Wirtschaft zuletzt ähnlich stark wie in Deutschland. Die Ausgangslage ist also solide. Sollten seine Reformen gelingen, die sich vor allem den Herausforderungen widmen sollen, die die Digitalisierung mit sich bringt, ist das für die Zukunft des Landes vielversprechend.

Martin C. Bornhofen Partner, Audit, Leiter Country Practice Frankreich
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Kommentare

Was erwarten Sie von Macrons Präsidentschaft?

Kommentar von Weisenheimer
09. Mai 2017 | 02:21 Uhr

1.) Macron muß zuerst die versäumten Reformen in Frankreich durchsetzen - da wird er erhebliche Widerstände überwinden müssen, denn die Gewerkschaften sind doch stärker & besser organisiert als in der BRD! 2.) Teilweise sind die "Sozialstandards" schon in F "arbeitnehmerfreundlicher" als in der BRD ( 35 h-Wocher; Rente ab 55 Jahren) - da wird er die Produktivität erhöhen müssen (= kostet Arbeitsplätze; aktuell schon hohe Arbeitslosenquote!!!). 3.) Er wird die (Staats-) Verschuldung zurückfahren müssen-schwierig -evtl. "Sozialabbau" ??? Bevor Macron Nicht "in etwa" mit der Wirtschaftsleistung z.B. der BRD gleichzieht - KEINE DEUTSCHEN (Steuer-) Euros nach Frankreich! - Keine EURO-Bonds ! keine europäische (Steuer-) Hoheit & keine europäischer Finanz- und Wirtschaftsminister!!! KEINE Transferunionen D nach F!!!

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