Müllstopp in China: Zeit für echtes Recycling

Müllstopp in China: Echtes Recycling

Warum Chinas Müll-Importstopp eine Chance für deutsche Unternehmen ist

Keyfacts über Recycling

  • Deutschland exportiert große Teile seines Mülls
  • Echtes Recycling findet bisher kaum statt
  • Innovative Unternehmen finden hier eine Marktlücke
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Manchmal ist es in der Wirtschaft so, dass ein von außen entstandener Druck im ersten Moment unerfreulich, im zweiten aber durchaus vorteilhaft sein kann. Das könnte beispielsweise auch für die Entscheidung der chinesischen Regierung gelten, die dieser Tage festlegte, künftig auf den Import von Altplastik und 23 andere Abfallarten zu verzichten. Die „Weltmüllkippe“ schließt ihre Tore, war daraufhin zu lesen, und so kann man es natürlich auch formulieren: Was hierzulande als recycelbarer Rohstoff gilt, ist in anderen Teilen der Welt ganz einfach Müll.

Jetzt also die neue Entwicklung: China verzichtet auf den Import von Müll. Einerseits aus Gründen des Umweltschutzes. Andererseits aber auch aufgrund der ausgesprochen positiven wirtschaftlichen Entwicklung, die das Land in den vergangenen Jahren genommen hat. Die Wachstumsraten in China sind beachtlich, chinesische Bürgerinnen und Bürger können konsumieren wie nie zuvor in der Geschichte des Landes. Bedeutet im Umkehrschluss: Müll haben sie künftig und auf absehbare Zeit genug. Was wiederum für Unternehmen hierzulande bedeutet, dass sie ein Problem mit der Entsorgung des von ihnen produzierten Mülls bekommen. Was also tun?

Konsum ohne Müll funktioniert nicht

Womöglich ist es an der Zeit, die Dinge klar zu benennen – und daraus Konsequenzen zu ziehen. Konsum ohne Müll geht bekanntermaßen nicht. Man kann nicht Dinge herstellen und davon ausgehen, sie restlos verbrauchen zu können. Irgendetwas bleibt immer zurück – von der Verpackungsfolie, in die das Kilo Tomaten im Supermarkt eingeschlagen ist bis zur Schlacke, die bei der Eisenproduktion anfällt. Natürlich: Reste lassen sich reduzieren, wiederverwerten, mehrfach gebrauchen. Aber eben nicht komplett. Und in einer Marktwirtschaft ohnehin nur bis zu dem Punkt, an dem die Reduktion letztmals renditeträchtig oder wenigstens kostenneutral ist. Erschwerend kommt hinzu: Nicht jedes Recycling ist tatsächlich ressourcenschonend, oft zum Beispiel ist der Energieaufwand mitunter durchaus beachtlich.

1,5

Millionen Tonnen deutschen Kunststoffmüll nahm China im Jahr 2016 ab.  24 Abfallarten dürfen künftig nicht mehr nach China importiert werden.

Etwa 1,5 Millionen Tonnen alter Kunststoffe wurden im Jahr 2016 von Deutschland aus nach China und Hongkong exportiert. Das entspricht mehr als der Hälfte der Gesamtmenge, die in Deutschland insgesamt anfällt – und war für beide Seiten ein lohnendes Geschäft: Chinas Wirtschaft sorgte dafür, dass die Container voller chinesischer Exportwaren nicht leer zurück ins Reich der Mitte gebracht wurden. Und deutsche Unternehmen samt Verbraucher hatten ein Problem weniger: Was hierzulande mit den Dingen geschah, die mit dem „grünen Punkt“ versehen waren, fiel eher selten ins Auge.

Gesucht: Innovative Leader

Zu den Wahrheiten gehört auch dies: Das was hierzulande als grüner Punkt die Umwelt schonen soll, hat oftmals eher Züge eines Ablasshandels. Um damit – buchstäblich – aufzuräumen, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt gekommen sein. Eine Circular Economy wie derzeit von der EU geplant scheint hierbei ein Lösungsansatz zu sein, der in die grundsätzlich richtige Richtung weist. Die Grundidee: Produkte, Rohstoffe und Materialien sollen länger als bisher zirkulieren, Recycling muss sich auch wirtschaftlich – und nicht nur moralisch – rechnen

Wenn künftig die Preise für die Müllentsorgung steigen, dann werden zwangsläufig auch Aufbereitungsmethoden interessanter, die bisher wegen ihrer hohen Anfangsinvestitionen von den Unternehmen nicht ins Auge gefasst wurden. Recyclingunternehmen mit dem entsprechenden Maschinenpark, der die bisherigen Reinheitsgrade an recycelten Gütern deutlich überbieten würde, hätten demzufolge einen echten Startvorteil. Wie so häufig gilt auch hier einmal mehr: In der Wirtschaft ist man entweder Follower oder Leader. Die chinesische Staatsführung hat die grundsätzliche Entscheidung bereits getroffen. Der chinesische Schritt kann somit ein Denkanstoß zur richtigen Zeit für deutsche Unternehmen wie auch die deutsche Wirtschaft sein, eine Strategie zum Recycling zu entwickeln, die auch gesamtwirtschaftlich attraktiv ist. Und insbesondere für deutsche Unternehmen mit ihrem großen technischen Knowhow  bedeutet das, dass der Weg an die Spitze zum Titel als Recycling-Weltmeister nie kürzer war als in diesen Tagen.

26. Januar 2018
Zusammengefasst

»Eine Circular Economy weist in die richtige Richtung. Die Grundidee: Produkte, Rohstoffe und Materialien sollen länger als bisher zirkulieren, Recycling muss sich auch wirtschaftlich – und nicht nur moralisch – rechnen.«

China wird künftig keinen deutschen Verpackungsmüll mehr importieren. Für deutsche Unternehmen bedeutet das die Chance, endlich ernsthafte Recyclingmaßnahmen zu ergreifen.

Gerd Krause Senior Manager, Governance & Assurance Services
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