Neue KPMG-Studie: Autohäuser werden zur Rarität

KPMG-Studie: Autohäuser als Rarität

Branchenkenner erwarten Rückgang um bis zu 50 Prozent in nächsten sieben Jahren

Keyfacts über Automobilstudie

  • Die Hälfte der Autohäuser könnte verschwinden
  • Fusionen von Automobilherstellern stehen bevor
  • Datensicherheit wird Voraussetzung für Autokauf
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Früher ging Autokauf so: Wer sich für einen neuen Wagen interessierte, der besuchte die unterschiedlichen Autohäuser, verglich die Angebote und kaufte vor Ort. Ein Szenario, das in den nächsten Jahren nach Ansicht vieler Branchenkenner immer seltener werden wird. So lautet ein Ergebnis der aktuellen Studie „Global Automotive Executive Survey“, für die KPMG weltweit mehr als 900 Entscheider der Automobil- und Technologiebranche sowie gut 2.100 Konsumenten aus 43 Ländern befragt hat.

Mehr als die Hälfte der Entscheider (56 Prozent) ist sich mehr oder weniger sicher, dass die Zahl der Autohäuser in den nächsten sieben Jahren bis 2025 um 30 bis 50 Prozent sinken wird. Der reine Vertrieb von Neuwagen scheint immer weniger geeignet zu sein, sich ändernde Kundenbedürfnisse befriedigen zu können. So sind sogar fast 80 Prozent der Top-Entscheider von der Notwendigkeit überzeugt, die heute vorhandenen Autohäuser in Dienstleistungszentren oder zentrale Anlaufstellen für Gebrauchtwagen verwandeln zu müssen.

Eigenes Auto kein Statussymbol mehr

„Wenn man sich diese Zahlen anschaut, dann könnte man sogar noch deutlicher werden: Ein radikaler Umbau der bestehenden Autohäuser könnte der einzige Weg sein, ihr Überleben zu sichern“, sagt Dieter Becker, Global Head of Automotive bei KPMG. Das in letzter Zeit größere Marktanteile gewinnende Car Sharing spielt hierbei jedoch keine besonders große Rolle, sagt Becker: „Ein eigenes Auto zu besitzen, wird als Statussymbol immer unwichtiger. Für Automobilkonzerne ist Car Sharing in diesem Zusammenhang zwar keine Bedrohung, aber doch ein Trend, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen.“

So stünden den rund 45 Millionen Autos in  Privatbesitz in Deutschland gerade einmal etwa 16.000 Car Sharing-Autos entgegen – ein Marktanteil von 0,04 Prozent. „Das ist ein Wert an der Grenze zur Messbarkeit – wenn auch sicher nur eine Momentaufnahme“, sagt Becker. So seien bereits jetzt 55 Prozent der Autofahrer bei einem leichter verfügbaren Car Sharing-Angebot bereit, auf ein eigenes Fahrzeug zu verzichten.

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Entscheider der Automobil- und Technologiebranche hat KPMG für die aktuelle Automobilstudie befragt

Die größere Bedrohung für etablierte Automobilunternehmen kommt stattdessen von den großen Technologiekonzernen, die ihr Geschäftsmodell immer stärker in Richtung Mobilität ausweiten. Beim Kampf um die Schnittstelle zum Kunden und dessen Daten sind auch Fusionen großer Automobilhersteller für viele Top-Entscheider kein Tabu mehr. Und die Automobilhersteller agierten hier „keineswegs aus einer Position der Stärke“, sagt Becker. So haben heute die 25 größten Autohersteller weltweit zusammen eine Marktkapitalisierung, der nur etwa 20 Prozent der 15 größten Technologieunternehmen weltweit entspricht. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es noch fast 60 Prozent.

Fusionen immer wahrscheinlicher

„Digitalunternehmen spielen finanziell mittlerweile in einer Liga für sich“, sagt Becker. Vor allem für die Massenhersteller führe daher kein Weg an Fusionen vorbei, wenn sie den Kampf ums Überleben gegen die Technologiegiganten nicht verlieren wollen. „Die Premiumanbieter sind sicher besser aufgestellt, haben aber auch schon die Zeichen der Zeit erkannt, indem sie in Bereichen wie Kartendienste oder Ladestationen für Elektroautos zusammenarbeiten“, sagt Becker.

Analog dazu steigt die Bedeutung von Fahrzeug- und Fahrerdaten weiter an. So sind mehr als 80 Prozent der Entscheider davon überzeugt, dass die Verwertung dieser Daten künftig den Hauptbestandteil des Geschäftsmodells der Autobranche ausmachen wird. Unter den Konsumenten denken etwa 75 Prozent, dass die entsprechende Daten- und Cybersicherheit künftig zur Voraussetzung für den Kauf eines Autos werden wird.

Die Ergebnisse der aktuellen KPMG-Studie „Global Automotive Executive Survey 2018“ können Sie über Ihren Browser nachlesen. Dabei haben Sie die Möglichkeit, die interaktiv gestaltete Onlineversion gezielt nach Ihren Zielgruppen, Regionen, Ländern und Interessensschwerpunkten auszuwerten. Zur Studie geht es hier.

05. Januar 2018

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