Öffentlicher Sektor: Bedingt digitalisierungsbereit

Bedingt digitalisierungsbereit

Wie weit ist die öffentliche Hand bei der digitalen Transformation?

Keyfacts über Öffentlicher Sektor

  • Öffentliche Hand muss stärker digitalisieren
  • Deutschland liegt im Ländervergleich zurück
  • Bürger profitieren von digitalisierter Verwaltung
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Wenn alle Welt von der Digitalisierung spricht, dann scheint eine Branche dabei mitunter erstaunlich selten vorzukommen: die öffentliche Hand. Das ist umso erstaunlicher, da zwar einerseits von politischen Entscheidungsträgern gebetsmühlenartig größere Anstrengungen in Sachen Digitalisierung eingefordert werden. Die eigenen Häuser und Institutionen dabei jedoch selten im Mittelpunkt zu stehen scheinen. Wie also ist der Stand der Digitalisierung der öffentlichen Hand? Und was sind die wesentlichen Wegmarken auf dem Weg zu einer erfolgreichen digitalen Transformation?

Tatsächlich tut sich in letzter Zeit durchaus etwas. Die Appelle der Vergangenheit scheinen in konkrete Vorstöße der politischen Entscheidungsträger umzuschlagen. In Zeiten, in denen Bürger und Unternehmen immer selbstverständlicher Dienstleistungen einfach, kostengünstig und digital in Anspruch nehmen, muss auch die Verwaltung nachziehen. Bund und Länder haben dieser Entwicklung Sorge getragen und die ersten E-Government-Gesetze verabschiedet. Sie zielen darauf ab, in einem ersten Schritt grundlegenden Verfahren und Zugangskanäle zu etablieren. Und sie definieren hierfür einen zeitlichen und rechtlichen Rahmen.

Digitalisierung: Grundgerüst steht

Damit ist das Grundgerüst gesetzt. Für alle Institutionen der öffentlichen Hand – von Ministerien über Behörden bis hin zu Kommunen bedeutet das: Sie sind angehalten, einen Mindeststandard an Digitalisierung beziehungsweise digitalisierten Dienstleistungen zu gewährleisten und zur Verfügung zu stellen. Das ist umso wichtiger, da der „Digital Economy and Society Index“ (DESI-Index) der EU-Kommission Deutschland aktuell nur auf dem elften Platz innerhalb der EU sieht – da ist viel Luft nach oben.

Mit der Neuregelung des Bund-Länder-Finanzausgleichs sieht der Normenkontrollrat eine tragfähige Grundlage, auf der nun Bund, Länder und Kommunen konsequent, entschlossen und erfolgreich zusammenarbeiten müssen, um den Abstand gegenüber anderen Staaten aufzuholen. Die Neuregelung führt auch dazu, dass künftig ein gemeinsamer Portalverbund die Verwaltungsportale von Bund und Ländern miteinander verknüpfen soll.  Während diese Entscheidungen wichtige strategische Weichen stellen, widmet sich die Studie „Top 100 – Die wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen für Bürger“ des Nationalen E-Government-Kompetenzzentrums (NGEZ) mehr der Praxis und hilft bei der Fokussierung auf die Verwaltungsleistungen mit dem potentiell höchsten Nutzen für Bürger und Unternehmen.

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Platz ist die Länderpositionierung, die Deutschland derzeit im Digitalisierungs-Index der EU-Kommission innehat.

Für das einzelne Ministerium wie auch die einzelne Kommune gilt es weiterhin, Herausforderungen zu meistern um Verwaltungsvorgänge zu digitalisieren. Und dabei geht es nicht nur um die Technik! Denn tatsächlich haben bisher die wenigsten Behörden eine eigene Digitalisierungsstrategie erarbeitet, die den Vorgaben aus den E-Government-Gesetzen und die landesspezifischen Digitalisierungsstrategien gerecht wird. Ebenso wenig  sind die Prozesse identifiziert und dokumentiert, die für eine durchgehende Digitalisierung interessant sind.

Digitalisierungsstrategie Mangelware

Sind damit die wesentlichen Fragen gestellt? Leider nein. Denn es kommen weitere Fragen hinzu: Sind wir gut genug aufgestellt, um den digitalen Wandel auch in der Praxis durchzuführen? Sind die Fähigkeiten vorhanden, die zur Umsetzung und auch der langfristigen Betreuung digitaler Verwaltungsprozesse notwendig sind? Sind Standards für das Projektmanagement und für die Umsetzung von Transformationsprogrammen in der IT etabliert? Gibt es ein Programm und ein zugehöriges Programmmanagement? Sind wir innerhalb der eigenen Organisation und auch darüber hinaus gut vernetzt? Und was bedeutet der digitale Wandel ganz konkret auch für die eigene Organisation?

Es zeigt sich: Es gibt nicht die eine Strategie für alle. Jede Organisation hat individuelle Stärken und Schwächen, die bei der Planung und Umsetzung der Digitalisierung zu beachten sind. Erfolg wird nur der haben, der ehrliche Antworten auf diese Fragen geben kann – und bereit ist, dabei auch übergreifend mit anderen Akteuren zusammenzuarbeiten. Am Ende profitieren von einer digitalisierten öffentlichen Hand gleich zwei Seiten: Die Bürger, die schneller und effizienter Dienstleistungen in Anspruch nehmen können, deren Bearbeitung heutzutage in den meisten Fällen noch unnötig lange dauert. In Zeiten der Überlastung zählt aber auch die eigene Organisation zu den Nutznießern, wenn sie ihre Aufgaben effizienter und effektiver als derzeit abarbeiten kann.

Per Wiegand diskutiert am 11. Juli auf der Tagung Baden-Württemberg 4.0 zur digitalen Transformation der öffentlichen Hand. Mehr dazu erfahren Sie hier.

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10. Juli 2017
Zusammengefasst

»Es gibt nicht die eine Strategie für alle. Jede Organisation hat individuelle Stärken und Schwächen, die bei der Planung und Umsetzung der Digitalisierung zu beachten sind.«

Bei der Digitalisierung der öffentlichen Hand liegt Deutschland im Ländervergleich innerhalb der EU weit zurück. Höchste Zeit, das zu ändern.

Per Wiegand Director, Consulting - Public Sector
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