Pensionsverpflichtungen im Griff – Tipps für Familienunternehmer

Pensionsverpflichtungen im Griff

Eine externe Finanzierung der Versorgungsverpflichtungen entlastet die Bilanz.

Keyfacts über Familienunternehmen

  • Die Lage an der Pensionsfront bleibt angespannt
  • Die Neuregelung der Erbschaftsteuer sieht Besteuerung von Verwaltungsvermögen vor
  • Ein externer Finanzierungsweg entlastet die Bilanz
Zusammenfassung lesen

„Die Rente ist sicher“ – kaum ein politisches Zitat hat sich in die Köpfe der Deutschen gebrannt wie die Worte des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm. Doch wie sicher sind eigentlich Betriebsrenten?

Viele Unternehmen haben vor Jahren begonnen, Geld für ihre Mitarbeiter zurückzulegen. Nach wie vor stellen dabei Direktzusagen – also Zusagen, bei denen sich der Anspruch der Mitarbeiter unmittelbar gegen das Unternehmen richtet – aufgrund ihrer Flexibilität und fast unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten die am weitesten verbreitete Finanzierungsalternative dar.

Das hat zur Folge, dass die Firmen über die Jahre erhebliche Pensionsverpflichtungen anhäufen. Allein die DAX 30-Konzerne, die nach IFRS bilanzieren, hatten am Jahresende 2016 Verpflichtungen in Höhe von knapp 400 Milliarden Euro. Damit ist ein neuer Höchstwert erreicht.

Steigende Belastungen aus Pensionsverpflichtungen

Auch für mittelständische Unternehmen bleibt die Lage an der Pensionsfront weiter angespannt. Grund sind unter anderem die Vorschriften für die Rechnungslegung, denn sie bilanzieren meist nach den Regeln des deutschen Handelsrechts (HBG). Der Rechnungszins laut HGB richtet sich nach dem Durchschnitt der jeweils zehn zurückliegenden Jahre und reagiert daher zeitlich verzögert auf die Marktsituation.

Hier liegt das Problem: Dadurch, dass der Rechnungszins auch in den kommenden Jahren weiter sinken wird, werden die Rückstellungen weiterhin stark ansteigen und Familienunternehmen stark belasten. „Dies bedeutet nicht nur eine sinkende Eigenkapitalquote und eine schlechtere Bonität, sondern verringert auch die für eine Ausschüttung zur Verfügung stehenden Mittel“, sagt Susanne Jungblut, Expertin für betriebliche Altersversorgung bei KPMG.

Besteuerung des Verwaltungsvermögens im Erbschaftsfall

Aber nicht nur die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen kommt dem deutschen Mittelstand teuer zu stehen. Mit der im Herbst vergangenen Jahres beschlossenen Neuregelung der Erbschaftsteuer ist zwar der aus dem Gewinn abgeleitete Unternehmenswert geringer als vorher. Dafür fällt eine Reihe von Vergünstigungen für Betriebserben weg. So wird sogenanntes Verwaltungsvermögen, darunter fallen zum Beispiel Wertpapiere und vermietete Grundstücke, in vielen Fällen kaum noch verschont.

Eine Lösung, zwei positive Effekte

Was können Familienunternehmen tun, um Belastungen aus Pensionsverpflichtungen und Erbschaftsteuer zu vermeiden? „Eine mögliche Maßnahme ist die Separierung von Vermögen und dessen Zweckbindung für die betriebliche Altersversorgung. Hierfür wird das Vermögen in ein Treuhandmodell oder in ein externes Finanzierungsvehikel eingebracht. Als externe Finanzierungswege eignen sich in diesem Zusammenhang der Pensionsfonds und die Unterstützungskasse“, so Susanne Jungblut.

Je nach Finanzierungsmodell ergeben sich unterschiedliche bilanzielle Effekte, stets aber wird die Bilanz entlastet. Diese Entlastung bewirkt eine Bilanzsummenverkürzung und damit auch ein rechnerisches Ansteigen der Eigenkapitalquote, ohne dass das Unternehmen die Verantwortung für die Versorgungsverpflichtungen abgibt oder sich dieser gar entledigt.

Zweiter Vorteil: Wird Vermögen insolvenzsicher in ein Treuhandmodell oder einen externen Durchführungsweg eingebracht und somit für die Zwecke der betrieblichen Altersversorgung reserviert, zählt es nicht zum Verwaltungsvermögen und wird von der Erbschaftsteuer verschont.

Gemeinsam die beste Lösung finden

Von der Natur und der Struktur der Versorgungsverpflichtungen, über die momentane Liquiditätssituation bis hin zur Nachfolgeplanung – welche Lösung die optimale für ein Unternehmen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: „Wir beraten Familienunternehmen individuell und finden mit ihnen gemeinsam die beste Lösung“, sagt Susanne Jungblut.

10. Mai 2017
Zusammengefasst

»Je nach Finanzierungsmodell ergeben sich unterschiedliche bilanzielle Effekte, stets aber wird die Bilanz entlastet.«

Was können Familienunternehmen tun, um Belastungen aus Pensionsverpflichtungen und Erbschaftsteuer zu vermeiden? Eine mögliche Maßnahme ist die Separierung von Vermögen und dessen Zweckbindung für die betriebliche Altersversorgung. Hierfür wird das Vermögen in ein Treuhandmodell oder in ein externes Finanzierungsvehikel eingebracht. Als externe Finanzierungswege eignen sich in diesem Zusammenhang der Pensionsfonds und die Unterstützungskasse

Susanne Jungblut Director Advisory
Ganzen Artikel lesen

Kommentare

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen