Risikokapital: „Anzeichen für Trendwende“

Risikokapital: Kommt die Trendwende?

Weltweit steigen die Investitionen in Risikokapital, belegt der aktuelle Venture Pulse

Keyfacts über Venture Pulse

  • Risikokapital-Investitionen steigen weltweit wieder
  • Auch deutsche Start-ups erhalten mehr Gelder
  • Berlin dominiert in Deutschland weiterhin
Zusammenfassung lesen

Das Tal scheint durchschritten, „wir sehen deutliche Anzeichen für eine Trendwende.“ So kommentiert Marius Sternberg, Partner Audit bei KPMG Deutschland, die jüngsten Zahlen des Venture Pulse von KPMG, der regelmäßig die weltweiten Risikokapital-Investitionen analysiert. Den Untersuchungen zufolge waren es 26,8 Milliarden US-Dollar, die im ersten Quartal des Jahres weltweit in Risikokapital investiert wurden – ein Plus von 12,6 Prozent gegenüber dem letzten Quartal des vergangenen Jahres.

Diese Summe entspricht insgesamt 2716 Abschlüssen – ein Minus von 8,9 Prozent. Ein wesentlicher Beitrag zum Umsatzplus entfällt dabei auf einzelne Groß-Investitionen. So sammelte beispielsweise der Wohnraumvermittler Airbnb eine Milliarde US-Dollar ein. Auch das US-amerikanische Medizin-Technik Start-up Grail, das an einer Krebs-Früherkennung mittels Bluttest arbeitet, erhielt mit 914 Millionen US-Dollar einen sehr großen Betrag.

Einhörner grasen weiter

„Hier zeigt sich ein Trend, der für die USA wie auch für Europa gleichermaßen gilt: Statt vieler kleiner Investments gewinnen einzelne Mega-Deals an Einfluss“, sagt Sternberg. So haben die sogenannten Einhörner – Start-ups mit einer Unternehmensbewertung von mindestens einer Milliarde Euro – im ersten Quartal des Jahres insgesamt vier Milliarden US-Dollar eingenommen, die sich auf 14 Unternehmen verteilen.

26,8

Milliarden US-Dollar wurden im ersten Quartal des Jahres weltweit in Risikokapital investiert

Beim Blick auf den deutschen Markt lässt sich ein leichter Anstieg verzeichnen. So wurden im ersten Quartal rund 400 Millionen US-Dollar investiert – etwas mehr als im Quartalsdurchschnitt der vergangenen beiden Jahre (380 Millionen). Dabei entfielen 40 Prozent der Investitionen auf FinTechs und Start-ups aus dem Life-Science-Bereich. „Deutschland ist immer noch ein starker Bankenstandort mit entsprechend viel Potenzial für Innovationen im FinTech-Bereich“, sagt Sternberg. „Dass FinTechs in der Lage sind, diese Innovationen auch tatsächlich umzusetzen, haben sie in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt.“

Im Zusammenhang mit der weiter fortschreitenden Digitalisierung und dem Internet der Dinge geht Sternberg davon aus, „dass auch die traditionell starken deutschen Unternehmen im Maschinen- und Automobilbereich künftig in noch stärkerem Umfang Risikokapital für Start-ups binden werden.“

Risikokapital: Berlin bleibt stark

Der Großteil der Summen floss auch in dem ersten Quartal 2017 einmal mehr nach Berlin. Ein sprunghafter Anstieg in Folge des angekündigten Brexit lässt sich dabei indes noch nicht verzeichnen. „Beim Blick auf die investierten Summen darf man nicht den Fehler machen, von einer geringeren Summe auf ein weniger ambitioniertes Projekt zu schließen“, sagt Sternberg. Tatsächlich seien deutsche Start-ups in vielen Fällen auch deshalb nicht so dringend auf Investitionen angewiesen, weil ihre Wachstumsziele nicht zwingend so hohe Investitionssummen benötigen würden.

Branchenübergreifend dominierten in Europa sogenannte late stage-Deals, wohingegen die Finanzierung von Projekten in ihren frühen Phasen schon seit längerer Zeit rückläufig ist. „Besonders riskante Investments waren hierzulande noch nie besonders beliebt. In den aktuell eher unsicheren Zeiten scheint sich diese Tendenz noch zu verstärken“, sagt Sternberg. Investoren würden in einer solchen Lage eher dort einsteigen, wo der Nachweis einer wirtschaftlichen Perspektive schon erbracht wurde.

Den kompletten Venture Pulse lesen Sie hier.

25. April 2017

Kommentare

Strohfeuer oder Trendwende: Wie beurteilen Sie die aktuellen Zahlen?

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist. Schließen