Schöne alte Welt?

Schöne alte Welt?

Die deutschen Unternehmen verlieren das Interesse an den Wachstumsmärkten

Keyfacts über Investment Report

  • die Zahl deutscher Investitionsprojekte im Ausland sinkt
  • der Einfluss unvorsehbarer Risiken wird unterschätzt
  • zusätzliche Märkte helfen das Risiko zu streuen
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21. November 2016

Welche Welt alt und neu ist, hängt vom Standpunkt und der Thematik ab. In der Wirtschaft lassen sich aber gewiss die westeuropäischen Staaten, die USA, Kanada und Japan als alte Welt bezeichnen. Ausdruck ihres im letzten Jahrhundert erlangten hohen Stellenwertes ist die G7-Mitgliedschaft. Nur waren ihnen in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren recht schwache Wachstumsraten gemein.

Umso glänzender schien dagegen eine Reihe von Ländern, die mit konstant hohen Wachstumsraten aufwarten konnten. Dazu zählten Brasilien, Russland, Indien und China, die als BRIC-Staaten zusammengefasst wurden, aber auch Länder wie die Türkei und Südafrika. Gewissermaßen die neue Welt.

Doch haben gerade sie für deutsche Unternehmen deutlich an Anziehungskraft verloren. Wie der KPMG Investment Report 2016 festhält, ist die Zahl der Investitionsprojekte, die deutsche Firmen insgesamt im Ausland im vergangenen Jahr gegenüber 2011 angestoßenen haben, um ein Fünftel zurückgegangen. Besonders stark fiel der Wert in der „neuen Welt“: In Russland um 75 Prozent, in Brasilien um 40 Prozent, in China um 39 Prozent, in Indien um 25 Prozent. Und das obwohl zumindest in China und Indien die Wirtschaft weiterhin kräftig wuchs.

Bedenklicher Rückgang

Stabil ist hingegen die Entwicklung der M&A- und Greenfield-Investments in der „alten Welt“: USA, Frankreich, Großbritannien. Auch als Investitionsziel für die kommenden fünf Jahre haben die 200 befragten CFOs und Strategieleiter international orientierter deutscher Firmen besonders häufig das europäische Ausland und Nordamerika genannt. Immerhin: Zumindest in China und Südostasien planen relativ viele Unternehmen verstärkte Investitionen.

Zurückhaltend zeigen sich vor allem kleinere Firmen mit weniger als 500 Millionen Euro Umsatz. 24 Prozent von ihnen verzichten ganz auf stärkere Auslandsinvestitionen.

 

Platz 1

Kein Land hat so viele Tochterunternehmen im Ausland wie Deutschland.

Der Bereichsvorstand International Business bei KPMG in Deutschland, Andreas Glunz, hält den Rückgang in den Wachstumsmärkten und das mangelnde Interesse an Afrika und Lateinamerika für bedenklich: „Tatsächlich ist es wichtig, auf möglichst vielen Märkten präsent zu sein, um Risiken zu streuen.“ Dass die Besinnung auf vermeintlich stabile, weil etablierte Märkte nicht reicht, zeigt der Brexit. Oder auch die US-Präsidentschaftswahl. Da nicht klar ist, welche Politik Donald Trump verfolgen wird, ist nun auch mit den USA ein nicht unerhebliches Risiko verbunden. Sichere Märkte, so scheint es, gibt es nicht mehr, wie auch die noch immer schwelende Eurokrise belegt.

Unterschätzte Risiken

Es sei entscheidend, so Glunz, sich nicht zu abhängig von einem Markt zu machen, ob vom Umsatz her oder als Teil der Zulieferkette. „Häufig werden gerade die schwer vorhersehbaren Risiken unterschätzt, wie unsere Untersuchung zeigt.“

Nur ein Viertel der befragten Unternehmen hält es für wahrscheinlich, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre ein unvorhergesehenes Ereignis massiven Einfluss auf ihr Auslandsgeschäft haben könnte. Dabei sind allein in diesem Jahr mehrere überaus überraschende Ereignisse eingetreten. „Nach dem Putschversuch in der Türkei etwa stellten sich für viele Firmen plötzlich entscheidende Fragen über den Unternehmensablauf. Idealerweise ist man auch für unvorhersehbare Risiken gewappnet und kann auf diese Überlegungen zurückgreifen, wenn der Fall der Fälle eintritt“, so Andreas Glunz.

Die Lieferkette und die Absatzmärkte sollten so angelegt sein, dass Ausfälle in einzelnen Ländern aufgefangen werden können, ohne dass eine existenzgefährdende Situation für das Unternehmen entsteht. „Für den Erfolg im Ausland ist es elementar, zu jedem Zeitpunkt die Chancen und Risiken in einem Markt und ihre verschiedenen Handlungsoptionen sowie deren Kosten und Nutzen zu kennen. Unternehmen, die diesen Ansatz verfolgen, können schneller und effizienter auf Änderungen in ihrer Umwelt reagieren“, sagt Philipp Ostermeier, Head of Strategy bei KPMG.

Das bedeute auch, jederzeit eine Exit-Strategie parat zu haben. „Je breiter gefächert die Auslandsinvestitionen, umso leichter lässt sich der Exit aus einem Markt dann auch umsetzen“, so Philipp Ostermeier – ganz gleich ob es sich dabei um Kenia, Russland oder die USA handelt.

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Zusammengefasst

»Häufig werden gerade die schwer vorhersehbaren Risiken unterschätzt, wie unsere Untersuchung zeigt.«

Die deutschen Unternehmen stoßen weniger Investitionsprojekte im Ausland an. Wie der Investment Report 2016 zeigt, ist die Zahl der M&A- und Greenfield-Projekte seit 2011 um ein Fünftel gesunken. Besonders stark war der Rückgang in den Wachstumsmärkten. Häufig werden die Folgen schwer vorhersehbarer Risiken unterschätzt, wie die eingebundene Umfrage unter 200 CFOs und Strategieleitern ergab.

Andreas Glunz Bereichsvorstand International Business
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