Weltmarktführer: Wachstum geht mit Afrika

Wachstum geht mit Afrika

Deutschland sollte sich die Chancen auf dem afrikanischen Kontinent nicht entgehen lassen

Keyfacts über Afrika

  • Schwerpunktthema der deutschen G20-Präsidentschaft
  • Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika verabschiedet
  • Chancenkontinent mit riesigem Wachstumspotenzial
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Beim diesjährigen Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall war ein Appell nicht zu überhören: „Gehen Sie nach Afrika“, riefen dort Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller und Prof. Dr. Heinz-Walter Große, Vorstand von B. Braun Melsungen und Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI), den mehr als 500 Anwesenden zu. Ihr Ziel: den deutschen Weltmarktführeren Lust auf den sogenannten Chancenkontinent Afrika machen.

Der Appell überrascht nicht. Denn 2017 ist das deutsche Afrikajahr: Der Kontinent ist Schwerpunktthema der deutschen G20-Präsidentschaft, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verabschiedet Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika und auch die Europäische Union (EU) arbeitet an einem neuen Partnerschaftsvertrag mit Afrika. Die Indikatoren für einen genaueren Blick auf den Nachbarkontinent stehen auf grün.

Ein Marshallplan mit Afrika

Die Symbolkraft der Bezeichnung „Marshallplan“ könnte größer kaum sein. Allerdings ist der Unterschied zum Nachkriegsplan der Alliierten bereits im Titel erkennbar: Es ist ein Plan mit Afrika, da es nicht eine Lösung, einen Weg oder einen Plan gibt, um die Herausforderungen des afrikanischen Kontinents anzugehen. Anhand der zehn Thesen des Plans wird vor allem deutlich, dass Afrika vor allem afrikanische Lösungen braucht, die eigenverantwortlich vor Ort durch die jeweiligen Staaten umgesetzt werden müssen. Dieser Weg setzt jedoch eine Abkehr vom klassischen Verständnis der Entwicklungshilfe voraus. Dazu müssen die Ambitionen der Afrikanischen Union, mitsamt ihrer Agenda 2063, Anerkennung und Unterstützung bekommen. Ein prosperierendes und friedliches Afrika hilft nicht nur dem Kontinent selbst, sondern auch allen Partner, die hieran nachhaltig mitwirken.

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Staaten, 3000 Ethnien und Volksgruppen sowie mehr als 3.000 Sprachen – so facettenreich ist Afrika.

Vielfalt: Die Chance für den Kontinent

Der Facettenreichtum bei 54 Staaten, 3000 Ethnien und Volksgruppen sowie mehr als 3.000 Sprachen erklärt sich von selbst. Wer hierin lediglich Herausforderungen und Risiken sieht, sollte besser nicht nach Afrika schauen. Wer allerdings neugierig wird, der setzt auf Wachstumsraten im zweistelligen Bereich, zunehmende politische Stabilität, Wissenshunger, eine wachsende Mittelschicht, Ressourcenreichtum, eine junge Arbeitsbevölkerung sowie Unternehmergeist und Innovationskraft.

Gerade die Dynamik einer jungen Gesellschaft ist Auslöser wirtschaftlicher Entwicklungen und schafft Zukunftsperspektiven. Dies beweisen Innovationen wie M-PESA, ein mobiles Bezahlsystem, welches in Ostafrika entwickelt wurde und inzwischen zehntausenden Afrikanern als sicherer elektronischer Geldbeutel dient. Die Liste solcher Beispiele lässt sich beliebig fortführen. Dabei handelt sich um Unternehmen mit hoher Innovationskraft, klein bis mittelständisch geprägt oder um eigentümergeführte Familienunternehmen.

Mit Afrika wachsen

In direkter Nachbarschaft zu Europa liegt also ein Chancenkontinent – und zwar nicht nur für die afrikanische Bevölkerung selbst, sondern auch für all diejenigen, die sich auf Afrika einlassen. Für die deutsche Wirtschaft öffnet sich ein noch nicht erschlossener Absatzmarkt, ein Kontinent mit dem weltweit größten Potenzial an Arbeitskräften bis 2035 sowie ein sich kontinuierlich besser werdendes Geschäftsklima mit Innovations-Clustern wie dem „Silicon Savannah“ in Kenia.

„Made in Germany“ ist in Afrika kein unbekanntes Gütesiegel mehr, sondern vielmehr Ansporn und Orientierung. Warum dies so ist, liegt auf der Hand: Mehr als 800 deutsche Unternehmen sind bereits in Afrika, und sie sind geblieben. Das Spektrum der Aktivitäten reicht von Exporten nach Afrika, lokalen Vertriebsstätten bis hin zu eigenen Produktionsanlagen und umfasst dabei verschiedenste Branchen.

Auf nach Afrika

Der deutsche Mittelstand wächst kontinuierlich, sucht nach neuen Märkten und definiert klare Wachstumsstrategien. Mit ihren Produkten, Services und Dienstleistungen sind die deutschen Weltmarktführer bestens aufgestellt, um die Herausforderungen in Afrika in Chancen zu verwandeln. Wie deutsche Familienunternehmen leben afrikanische Unternehmer auch von Leidenschaft, Reputation, Erfolgswillen und Werten. Die Anknüpfungspunkte bestehen also nicht nur auf geschäftlicher Ebene, sondern auch im Wertesystem.

Bei aller Euphorie sollten aber auch der exakte und nüchterne Blick auf die Fakten, die detaillierte Analyse und der extrem wichtige eigene Eindruck vor Ort nicht zu kurz kommen. Passen alle Determinanten, wäre es inzwischen jedoch äußerst fahrlässig bei globalen Wachstumsambitionen nicht nach Afrika zu schauen.

15. Februar 2017
Zusammengefasst

»In direkter Nachbarschaft zu Europa liegt ein Chancenkontinent – und zwar nicht nur für die afrikanische Bevölkerung selbst, sondern auch für all diejenigen, die sich auf Afrika einlassen. «

2017 ist das deutsche Afrikajahr: Der Kontinent ist Schwerpunktthema der deutschen G20-Präsidentschaft, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verabschiedet Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika. Gerade die Dynamik einer jungen Gesellschaft ist Auslöser wirtschaftlicher Entwicklungen und schafft Zukunftsperspektiven.

Dr. Christian Lindfeld Senior Manager, Familienunternehmen, Afrika-Experte
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