„Viele kennen die Grenzen nicht“

Warum die richtige Compliance-Kultur und effektive Kommunikation so wichtig sind

Keyfacts

  • Das Thema muss für Mitarbeiter aller Ebenen zur Selbstverständlichkeit werden
  • Auch der Respekt vor kulturellen Unterschieden gehört dazu
  • Die Compliance-Abteilung dient als Ansprechpartner für den offenen Dialog
Verena Brandt
  • Partnerin, Audit, Compliance & Forensic
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Compliance-Themen sind ein Dauerbrenner – zunehmend auch im deutschen Mittelstand. Immer mehr Firmenlenker installieren Abteilungen, die sich allein um Regelkonformität kümmern. Im Doppelinterview erklären unsere Experten Verena Brandt und Jens Hartke, warum letztendlich nur die richtige Unternehmenskultur und -kommunikation helfen.

Frau Brandt, Compliance bleibt über Jahre hinweg ein schwieriges Thema für deutsche Unternehmen. Woran liegt’s?

Brandt: Damit entsprechende Programme wirklich funktionieren, muss das Thema bei Mitarbeitern aller Ebenen als Selbstverständlichkeit bzw. als Wert an sich wahrgenommen werden. Damit Compliance langfristig in die DNA eines Unternehmens übergeht, bedarf es einer kontinuierlichen Sensibilisierung durch entsprechende Kommunikation, einschließlich Schulungen. Das ist sicherlich noch nicht in allen Unternehmen gleichermaßen gelungen.

Herr Hartke, auch Sie betonen, wie wichtig Kommunikation ist. Glauben Sie, dass Mitarbeiter in kommunikationsarmen Abteilungen anfälliger für ungesetzliches Verhalten am Arbeitsplatz sind?

Hartke: Ja, vor allem, wenn sie nicht wissen, wo die Grenzen sind, wen sie ansprechen können und wie strittige Themen und Graubereiche im Unternehmen grundsätzlich behandelt werden.

Viele Unternehmen brauchen hier dringend Beratung. Deshalb bieten Sie demnächst einen Webcast dazu an.

Hartke: Ja, denn wir als KPMG können mit unseren umfangreichen Erfahrungen aus der Praxis konzeptionell und inhaltlich besonders gut unterstützen. Das betrifft vor allem die geforderten Standards, die geltende Rechtsprechung sowie praktische Fragen.

Frau Brandt, gibt es einen Königsweg, eine Compliance-Abteilung schnell und effektiv im Unternehmen zu verankern?

Brandt: Ein für alle Unternehmen gleichermaßen gültiges Erfolgsrezept gibt es sicherlich nicht. Allerdings sind klare und empfängerorientierte Kommunikation einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren zur nachhaltigen Verankerung einer tragenden Compliance-Kultur. Dies gilt insbesondere für die konkreten Compliance-Anforderungen, die für das Unternehmen gelten, einschließlich der Verantwortlichkeiten für bestimmte Risikothemen und Prozesse. Der Compliance-Bereich sollte bestenfalls als Business-Partner wahrgenommen werden, der als lösungsorientierter Ansprechpartner für den offenen Dialog zur Verfügung steht. Das steigert nachhaltig die Akzeptanz der Compliance-Funktion im Unternehmen.

Oft sind Konzerne multinational aufgestellt, wie bringt man Unternehmenswerte und lokale Gegebenheiten unter einen Hut?

Brandt: Die Integration der verschiedenen kulturellen Gegebenheiten ist nach meinen Erfahrungen ein stetiger Change-Management-Prozess. Es muss darum gehen, einerseits einen Konsens einheitlicher Grundwerte zu erreichen und andererseits individuelle Kulturunterschiede zu respektieren. Klassische Konfliktbereiche in diesem Zusammenhang sind etwa der Umgang mit Einladungen und Geschenken in verschiedenen Kulturen oder auch der grundlegende Kommunikationsstil.

Herr Hartke, was raten Sie Unternehmern, die die Wirksamkeit ihrer Compliance-Maßnahmen überprüfen möchten?

Hartke: Es gibt inzwischen verschiedene Ansätze zur Performance-Messung, angefangen bei fragebogenbasierten Kulturevaluierungen bis hin zur Überwachung mittels Compliance-bezogener Kennzahlen. Wertvoll für eine Statusbestimmung sind auf jeden Fall ein „Readiness Check“ oder eine Wirksamkeitsprüfung, etwa durch die Interne Revision oder über eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Kostenloser Webcast „Compliance – vom Kult zur Kultur“ mit Jens Hartke, 11. November, 13 Uhr

Verena Brandt
  • Partnerin, Audit, Compliance & Forensic
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