Völlig neue Risikolage

Wer sich auf Krisen vorbereitet, hat mehr Raum, Chancen zu ergreifen.

Keyfacts

  • Die Auftragseingänge in der Industrie sinken weiter
  • Mau ist die Nachfrage aus Deutschland und dem außereuropäischen Ausland
  • Gleichzeitig stehen Unternehmen vor einer multiplen Risikolage
Dr. Stefan Otremba
  • Partner, Risk & Compliance Services
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Der Auftragsbestand war enorm. Auf drei Jahre hinaus war die Industriefabrik meines Kunden ausgelastet, als wir im Frühjahr 2018 miteinander sprachen. Die Stimmung? Bestens.

Nun, gut anderthalb Jahre später, sieht die Lage deutlich schlechter aus. Stück für Stück wurden die offenen Aufträge in den vergangenen Monaten abgearbeitet, neue kamen aber immer weniger nach. Noch ist die Auslastung gut, aber wenn die Flaute anhält, sind Konsequenzen unausweichlich.

Weniger Aufträge

Vielen Industrieunternehmen geht es momentan ähnlich. Laut ifo Institut ist der Auftragsbestand deutlich gesunken. Der entsprechende Index fiel von -4,0 auf -9,3 Punkte. Das bestätigt auch das statistische Bundesamt. Demnach hat das verarbeitende Gewerbe im Oktober real 5 Prozent weniger Auftragseingänge verzeichnet als im Vorjahr.

Abgeschwächt hat sich die Nachfrage aus dem Inland sowie dem Ausland abseits der Eurozone. Was für eine grundlegende globale Konjunkturflaute spricht. Nicht von ungefähr hat der Internationale Währungsfonds die erwartete globale Wachstumsrate für 2019 mit jeder Prognose nach unten korrigiert.

Grund sind der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die insgesamt schwache wirtschaftliche Entwicklung in China. Auch der genaue Status Großbritanniens nach dem Brexit dämpft die Nachfrage.

Handlungszwänge von mehreren Seiten

Zugleich sind die Unternehmen, auch unabhängig davon, bereits jetzt mit Herausforderungen aus Risikolagen konfrontiert, die sich wesentlich von denen der letzten Jahrzehnte unterscheiden:

  • Die regulatorischen Anforderungen sind so hoch wie nie zuvor: Jeden Tag müssen Hunderte Vorschriften identifiziert und bewertet werden,
  • Die Erwartungen einer Vielzahl und Vielfalt an Stakeholdern befinden sich auf einem völlig neuen Niveau,
  • Die technologischen Entwicklungen führen mit ihren teils disruptiven Ansätzen zu einem immensen Innovationsdruck in Unternehmen,
  • Das erstarkte Bewusstsein in Bezug auf den Klimawandel zwingt die Unternehmen operativ kolossal umzudenken.

Um mit diesen, hier nur bespielhaft genannten, strukturellen Umbrüchen als auch mit den aus den Handelskonflikten, dem Brexit und dem Abschwächen der Weltwirtschaft resultierenden Risiken umgehen zu können, müssen sich Unternehmen durch eine frühzeitige strategische Planung wappnen. Dadurch können sie entwickelnde Gefahren, aber auch Chancen, für ihr Geschäft erkennen. Auch sie verhindern, dass die Risiken das operative Geschäft stark beeinflussen.

Risikomanagement bewahrt Handlungsspielraum

Notwendig ist dafür ein integriertes Risikomanagement, das antizipativ Risiken erkennt und Krisen vermeidet, noch bevor diese eintreten. So können Schäden für das Unternehmen abgewendet und Chancen frühzeitig erkannt werden, sodass das Risikomanagement zu einem Mehrwertstifter statt einem Kostenfaktor wird.

Mein Kunde aus der Industrie war übrigens von den rückläufigen Auftragseingängen nicht überrascht. Er bereitete sein Unternehmen schon im Frühjahr 2018 trotz der guten Stimmung vor und spielte Szenarien durch: „Was wäre wenn?“ Dadurch hat er die passenden Maßnahmen frühzeitig angestoßen, die ihm genügend Liquidität lassen, um weiterhin proaktiv agieren zu können.

Dr. Stefan Otremba
  • Partner, Risk & Compliance Services
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