Vorbild Fernost: So klappt das Bezahlen mit dem Handy

Wie die Chinesen die Deutschen abgehängt haben

Keyfacts

  • In China hat so gut wie jeder ein Smartphone
  • Der chinesische Staat investiert massiv ins Internet
  • Die Lieferkette in China ist lückenlos und supergünstig
Andreas Feege
  • Partner, Audit, Leiter Country Practice China
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Manchmal muss es einfach schnell gehen. Wenn Sie sonntagsmorgens dringend noch Eier fürs Frühstück brauchen oder nachts mal ein Verhütungsmittel: einfach diskret übers Handy kaufen, bezahlen – und sofort geliefert bekommen. Für Deutsche klingt das nach Avantgarde, in China ist das reine Selbstverständlichkeit. Hier werden selbst kleinste Einkäufe mit dem Handy beglichen. Entsprechend hat der Online-Handel im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel zugelegt und die mobile Datennutzung sich mehr als verdoppelt, wie das National Bureau of Statistics of China meldet. Vier Gründe, warum uns Fernost in Sachen Digitalisierung so weit voraus ist:

1. Bezahlen übers Handy ist einfach. Man stelle sich vor, man kauft morgens einen Kaffee und zahlt mit Facebook, Whatsapp oder Amazon – mit Apps also, die wahrscheinlich sowieso auf dem Smartphone installiert sind. Das klappt mit einem Klick und ganz ohne zusätzlichen Aufwand, um ein Bezahlsystem zu installieren, dem man vielleicht gar nicht trauen mag. Klingt einfach und ist es auch. Ungefähr so funktioniert mobiles Bezahlen in China, nur das hier Whatsapp „Wechat“ heißt und Amazon „Ali“. Diese Anbieter drängen zwar jetzt auch nach Europa, allerdings erst einmal nur auf Chinesisch, um Touristen das Einkaufen zu erleichtern.

2. In China hat so gut wie jeder ein Smartphone, laut National Bureau of Statistics of China sogar 95,5 Prozent. In Deutschland sind es weiterhin nur drei Viertel der Konsumenten. Hinzu kommt die große Skepsis der Deutschen, dass Daten auch sicher sind.
Die Chinesen legen hingegen eine deutlich höhere Technikaffinität an den Tag: Sie haben ihr Smartphone längst fest in alle Bereiche ihres Alltags integriert, auch weil die Alternativen schwinden. Taxis zum Beispiel lassen sich nur noch online bestellen. Eine Taxistelle anrufen, so wie früher, funktioniert hier gar nicht mehr. Um sich dem Zeitgeist anzupassen, lernen sogar Vorschul- und Grundschulkinder schon das Programmieren.

3. Der chinesische Staat investiert massiv. Im asiatischen Raum gibt es quasi schon heute überall einen Internetzugang, der noch schneller und besser werden soll. Große chinesische Mobilfunkunternehmen planen bis Ende 2017 weitere 180 Milliarden US-Dollar in den Ausbau von Breitband- und Mobilfunknetz zu investieren, wie chinesische Medien vermelden. Deutschland hingegen steckt noch im digitalen Tiefschlaf: Hier fehlt es noch immer am Netz für alle, teils auch in urbanen Regionen. Und das, obwohl die Regierung sich eigentlich das Ziel gesteckt hatte, bis 2025 die beste digitale Infrastruktur weltweit zu erreichen. Da bleibt noch einiges zu tun.

4. Die Lieferkette in China ist lückenlos und supergünstig. Anders in Deutschland: Hier lässt sich nur eine verschwindend geringe Minderheit täglich benötigte Produkte wie Butter, Aspirin oder Kaffee nach Hause liefern. Das liegt hierzulande wohl vor allem an den langen Lieferzeiten sowie den zusätzlichen Kosten, die meist der Käufer tragen muss. Die „1-Stunde-Lieferung“, die ein Händler jetzt zwar auch in Deutschland anbietet, funktioniert bislang nur für wenige zahlende Kunden in Berlin. Nicht so in China: Auch banalste Einkäufe bestellen Konsumenten hier übers Internet. Sogar in kleineren Städten verfügt das Land über lückenlose Lieferketten vom Händler bis zur Haustür. Die Ware kommt innerhalb von ein bis zwei Stunden überall hin. Die zusätzlichen Kosten für den Kunden sind vernachlässigbar und liegen bei rund fünf Yuan, also 66 Cent. Den finanziellen Aufwand darüber hinaus trägt der Händler.

Das Fazit lautet also: In China ist mobiles Bezahlen längst normal, in Deutschland ist der Verbraucher zurückhaltend. Dennoch wird deutlich, dass auch hierzulande der Bankensektor und wir als Kunden vor großen Veränderungen stehen. Wir sollten also bald loslegen.

Andreas Feege
  • Partner, Audit, Leiter Country Practice China
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