Vorsprung durch Vernetzung

Durch die vernetzte Versorgung wird der Gesundheitssektor effizienter

Keyfacts

  • Ein fragmentiertes Gesundheitssystem ist nicht zukunftsweisend.
  • Sektorübergreifende Versorgungsmodelle sind weiterhin visionär.
  • Mit neuen Kooperationsformen lassen sich Kosten sparen.
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Prof. Dr. Volker Penter
  • Partner, Head of Health Care
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Stellen Sie sich vor, Sie haben sich am Knie verletzt. Sie gehen zu dem Hausarzt Ihres Vertrauens, der Ihnen einen Orthopäden empfiehlt. Nach drei Monaten Wartezeit bekommen Sie einen Termin bei einem niedergelassenen Orthopäden. Dieser schaut sich das Knie an, lässt es röntgen und nach einiger Wartezeit bekommen Sie das Ergebnis, dass das Knie ohne Operation nicht mehr zu retten ist. Die Operation wiederum kann nur im Krankenhaus durchgeführt werden. Der geschilderte Ablauf zeigt deutlich: Effiziente Gesundheitsversorgung geht anders.

Viele Ärzte für eine Krankheit

Dabei ist eine effiziente Gesundheitsversorgung notwendiger denn je: Aufgrund des demografischen Wandels sind immer mehr Menschen auf eine schnelle und professionelle medizinische Versorgung angewiesen. Zeitgleich könnten im Jahr 2025 mehr als 190.000 ausgebildete Pflegekräfte in Deutschland fehlen. An diesem Punkt stellt sich die Frage: Wie kann man eine hochwertige Gesundheitsversorgung mit weniger verfügbaren personellen Ressourcen aufrechterhalten?

Fest steht: Ohne eine umfassende Kooperation der Ärzte und Gesundheitsdienstleister und eine Annäherung des ambulanten und stationärem Sektors, wird der stark fragmentierte Gesundheitssektor in Zukunft keine effiziente und qualitativ hochwertige Versorgung gewährleisten können. Schlimmer noch: Durch lange Wartezeiten und eine Fehlkalkulation von begrenzten Ressourcen werden Versorgungslücken entstehen.

Schon im Jahre 1997 begannen die politischen Bestrebungen zur Förderung der sektorenübergreifenden Versorgung. Heute, mehr als 20 Jahre später, sind die sektorenübergreifende Versorgung und Vernetzung immer noch eines der Dauerthemen der deutschen Gesundheitspolitik – und eine Lösung scheint nicht in Sicht. Es gibt kaum einen Kongress oder politische Diskussionen, in denen das Thema der sektoralen Vernetzung nicht auf der Agenda steht – proaktiv gestaltet wird es aber kaum.

Sektorenübergreifende Versorgung – ein politisches Dauerthema

Dies liegt zum einen in der großen Unsicherheit begründet, die in den Einrichtungen vorherrscht. Eine sektorale Vernetzung ist mit hohen Kosten verbunden und somit ist die Angst vor Fehlinvestitionen groß. Zum anderen fehlt es an einer wirklichen Bemühung seitens des Gesetzgebers, Anreize für Investitionen zu schaffen.

Zudem werden die Planungen der Kassenärztlichen Vereinigungen im ambulanten Bereich und die der stationären Versorgung durch die Krankenhauspläne nach wie vor in fast keinem Bundesland gemeinsam gedacht, gestaltet und beschlossen. Dadurch gibt es viele Parallelstrukturen und keine integrierte Versorgung. Das führt letztlich auch dazu, dass wir unterschiedliche Töpfe für die Finanzierung haben.

Mit vernetzter Versorgung Milliardenbeträge sparen

Dabei können mit vernetzter Versorgung viele Herausforderungen der Gesundheitsbranche gezielt angegangen werden: Durch die Auflösung von Doppelstrukturen im ambulanten und stationären Bereich ließen sich im Gesundheitsbereich zweistellige Milliardenbeträge einsparen – und das jedes Jahr. Dieses Geld könnte beispielsweise in Präventivmaßnahmen fließen, die dabei helfen, dass die Patienten gar nicht erst krank werden.

Zusätzlich sorgt die sektorenübergreifende Versorgung für eine wesentliche Verbesserung der Behandlung von Patienten. Hierbei geht es nicht nur um die nahtlose und besser abgestimmte Behandlung zwischen etablierten Behandlern der verschiedenen Sektoren. Auch können ganz neue Wege der Behandlung entstehen, die zu einem wirklichen Mehrwert in der Versorgung führen. Zudem können intelligent gestaltete Modelle der Zusammenarbeit verschiedener Dienstleister dabei helfen, den (drohenden) Personalmangel abzufangen und somit auch die großen Herausforderungen im ländlichen Raum zu meistern.

Weg von Visionen, hin zu einheitlichen Standards

Damit eine hochwertige Gesundheitsversorgung in Zukunft gewährleistet werden kann, müssen sektorübergreifende Modelle mehr Förderung erhalten, um aus Visionen einen flächendeckenden Standard zu entwickeln. Zudem sollte die von den Ländern gesteuerte Krankenhausplanung einer ganzheitlichen Versorgungsplanung weichen, um gezielt zu schauen, welche bereichsübergreifenden Einrichtungen benötigt werden.

Auch die Ausbildung eines ganzheitlich denkenden Arztes, der eine Lotsenfunktion für den Patienten vom Anfang bis zum Ende seiner Krankheit übernimmt, kann dabei helfen, der fragmentierten Struktur des Gesundheitswesens entgegenzuwirken.

Intelligenter Einsatz von Technologien

Die Behandlung von Krankheitsbildern, die einen starken Reha-Anteil haben, wie Verletzungen an den Knien, Hüften, oder Schultern, können durch Komplexpauschalen organisiert werden. Diese Pauschalen bekommen jene Einrichtungen, die eine ganzheitliche Versorgung – also Vorsorge, Operation und Nachsorge – gewährleisten.

Natürlich spielt auch der intelligente Einsatz von Technologien eine zentrale Rolle im Hinblick auf eine erfolgreiche und integrierte Gesundheitsversorgung: Telediagnostik, Robotik und Gesundheits-Apps helfen dabei, den Arbeitsalltag der Ärzte und Pflegekräfte durch digitale Vernetzung spürbar einfacher zu machen und Diagnosen zu verfeinern.

Prof. Dr. Volker Penter
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Gesundheitsbarometer 01/2018

Wie das deutsche Gesundheitssystem seine Qualität und Effizienz mithilfe einer sektorübergreifenden Versorgung steigern kann, steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe des Gesundheitsbarometers.

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