Android Pay pusht Google an die Spitze

Android Pay pusht Google an die Spitze

Apple und Google liefern sich harten Wettbewerb bei mobilen Bezahlsystemen

Keyfacts über Mobile Payment

  • Wettbewerber in den USA stehen durch Apple Pay unter Druck
  • Apple und Google sammeln Kundendaten über Konsumverhalten
  • Deutsche zeigen sich unbeeindruckt und vertrauen ihrer EC-Karte
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09. Juni 2015

Android Pay katapultiert Google in die erste Startreihe. Bisher fuhr Apple Pay die schnellste Runde. Google zieht jetzt nach. Android Pay sieht Apple Pay frappierend ähnlich – hat aber einen kleinen, für Deutschland entscheidenden Vorteil.

Seit Apple vor einem halben Jahr mit seinem mobilen Bezahlsystem die Branche revolutionierte, stehen die Wettbewerber in den USA enorm unter Druck. So lüftete Google jetzt heiß erwartet die Antwort auf Apple Pay. Auf der Entwicklerkonferenz I/O stellte Google das neue „Android Pay“ als mobile Bezahlmethode vor.

Wie schon Apple setzt der Konkurrent aus Mountain View auf bestehende Wertschöpfungsketten im Zahlungsverkehr – für die Branche wenig überraschend. Umso bedeutender: Mit den beiden führenden Betriebssystemen teilen sich die beiden Giganten den US-amerikanischen Markt fast komplett auf, zumindest potenziell.

So funktioniert Googles Android:

Beim Einkauf hat der Nutzer zwei Möglichkeiten mobil zu bezahlen: entweder per Datenübertragung via NFC oder online per App.

Im Gegensatz zu Apple erlaubt das Bezahlsystem von Google auch anderen Anbietern mit eigenen Apps, Android Pay in ihre Anwendungen zu integrieren.

Dazu passend liefert Google ab Herbst die Fingerprint-Technik mit. Die neue Version des Betriebssystems Android M optimiert das Auslösen von Zahlungen per Fingerabdruck.

Große Unterschiede zu Apple Pay? Keine.

Beide verwenden die so genannte Tokenisierung. Damit wird nicht die Kreditkartennummer übertragen, sondern eine einmalige Nummer. Das macht das Verfahren sicherer. Allerdings braucht man dafür bei Android Pay eine Internet-Verbindung (Cloud). Bei Apple Pay erfolgt die Tokenisierung im Gerät selbst (Secure Element).

Beide Unternehmen verdienen an den Transaktionen.

Egal, ob Apple Pay oder Android Pay: Beide Systeme spülen Geld in die Kassen der Giganten. Und: Beide System sammeln fleißig Informationen über das Konsumverhalten. Spannend ist die Frage, wie Apple und Google künftig mit dem digitalen Rohstoff umgehen werden.

54 %

der Waren im Einzelhandel werden bar bezahlt.

Google setzt nicht auf wirkliche Innovation, sondern verknüpft geschickt die bestehenden Wertschöpfungsketten.

Google kooperiert für den Android Pay Roll-out mit Zahlungsabwicklern wie MasterCard oder Visa, First Data und Discover. Gleich zu Beginn sind die großen Banken wie Citi, Chase, Bank of America oder Capital One dabei.

Auf der Händler-Seite holte das Unternehmen im eCommerce Uber, Dunkin‘ Donuts oder Groupon ins Boot. Im stationären Bereich Coca Cola, McDonalds oder Macys.

Erfolgt der Kauf eines neuen Smartphones über die Anbieter AT&T, T-Mobile oder Verizon, so ist Android Pay auf den Geräten bereits vorinstalliert.

All das sind keine guten Nachrichten für CurrentC.

Das Konsortium von US-Einzelhändlern Merchant Customer Exchange (MCX) bemüht sich seit geraumer Zeit um eine eigene Mobile Payment-Lösung. Bekannte Namen wie Sears, Shell, Best Buy und vor allem Walmart mischen dabei mit. Ist MCX jetzt Geschichte?

Die Lösung funktioniert technisch anders: CurrentC nutzt QR-Codes, erstellt entweder vom Smartphone oder vom Kassenterminal. Der Nutzer muss diese einscannen und per Passworteingabe bestätigen. Neben technischen Schwierigkeiten und Datenklau bemängeln Kritiker, dass CurrentC nur ins Leben gerufen wurde, um die für die Händler in den USA hohen Kreditkartengebühren zu umgehen. Den Kunden hatte man nicht im Fokus.

All führt dazu, dass die ursprüngliche Exklusiv-Bindung der Händler an CurrentC nun wieder aufgelockert wird. Dies bedeutet wohl den langsamen Tod der MCX.

Für Deutschland sehe ich Apple Pay und Android Pay (noch) nicht als relevant.

Dieses Jahr wird kein Ausrollen erfolgen. Ich bezweifle außerdem, dass die Banken auch nur im Ansatz ähnliche Preise zahlen wie in den USA. Zumal die EU im Kartenbereich die Entgelte deckelt (Interchange Fee).

Und: Die Deutschen lieben ihre EC-Karte.

Die Girocard ist bei uns als debitkarten-basiertes Verfahren stark verbreitet. Apple Pay setzt auf Kreditkarten. Allerdings: Bei Android Pay könnte es sein, dass das Bezahlsystem auch Debitkarten ermöglicht.

Das scheint Android Pay einen kleinen Vorsprung zu verschaffen: Das Entrée in den deutschen Markt wäre zum jetzigen Zeitpunkt für Google jedenfalls einfacher.

Zusammengefasst

»Egal, ob Apple Pay oder Android Pay: Beide Systeme spülen Geld in die Kassen der Giganten. Und: Beide System sammeln fleißig Informationen über das Konsumverhalten. Spannend ist die Frage, wie Apple und Google künftig mit dem digitalen Rohstoff umgehen werden.«

Seit Apple mit seinem mobilen Bezahlsystem die Branche revolutionierte, stehen die Wettbewerber in den USA enorm unter Druck. So lüftete Google jetzt die Antwort auf Apple Pay und stellte das neue „Android Pay“ als mobile Bezahlmethode vor. Egal, ob Apple Pay oder Android Pay: Beide Systeme spülen Geld in die Kassen der Giganten. Und: Beide System sammeln Informationen über das Konsumverhalten. Spannend ist die Frage, wie Apple und Google künftig mit dem digitalen Rohstoff umgehen werden.

Sven Korschinowski Partner, Financial Service
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Kommentare

Können sich die Bezahldienste von Apple und Google in Deutschland durchsetzen?

Kommentar von arnego2
24. November 2016 | 06:10 Uhr

Google ist Markführer in Suchmaschinen und in Smartphone Betriebssystemen. Das Android Betriebsystem verhilft Google zu einer marktführenden Position. Dabei wird oft vergessen das die meisten Androids in der sich entwickelten Welt laufen und das die dortigen User oft nicht in der lage sind frei verwendbare Divisen zu erwerben. Allein die Hälfte der Google Suchen wird über Smartphone Traffic abgewickelt. Das bringt andere nicht auf Smartphone aufbauende Suchmaschinen dichter an den Marktführer als offiziell verlautbar ist. Google pay haut in die gleiche Bresche.

Kommentar von Sven Korschinowski
17. September 2014 | 02:08 Uhr

Lieber Leser, vielen Dank für den Hinweis! Ist korrigiert. Viele Grüße Sven

Kommentar von Leser
16. September 2014 | 09:06 Uhr

Freundlicher Hinweis an die Redaktion: Die Uhr heißt nicht iWatch, sondern AppleWatch. Außerdem steht in der Mitte des Artikels „Auch gegen Verlust des iPhones ist Appel Pay geschützt.“. Das sollte vielleicht korrigiert werden. Ansonsten ein schöner Artikel.

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