Digitalisierung in Unternehmen: Niemand ist eine Insel

Niemand ist eine Insel

KPMG-Studie zeigt: Unzufriedenheit mit Ergebnissen von Datenanalysen

Keyfacts über Datenanalyse

  • Unternehmen sind häufig unzufrieden mit den Ergebnissen ihrer Datenanalysen
  • Digitalisierung wird fälschlicherweise oft nicht als Change-Prozess gestaltet
  • Junge Start-ups erhöhen Druck auf Etablierte
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Wenn es um die Erwartungshaltung an Datenanalysen geht, dann passiert häufig Erstaunliches: Viele Unternehmen und Beobachter neigen dazu, die kurzfristige Auswirkung dieser neuen Technologie zu überschätzen, ihre langfristige Auswirkung hingegen zu unterschätzen. Anders gesagt: Warum sollte ich heute einen Riesenaufwand für eine Sache betreiben, die sich in Zukunft wahrscheinlich gar nicht lohnen wird. Das Ergebnis davon ist dann mitunter Enttäuschung. Eine Enttäuschung, die in der Gegenwart beginnt, in der Zukunft jedoch fatal sein könnte. Zum Beispiel beim direkten Nutzen von Datenanalysen.

Das zeigen auch die Ergebnisse unserer aktuellen Studie „Mit Daten Werte schaffen“ zum Einsatz von Datenanalysen in der Wirtschaft. Natürlich: Big Data ist längst angekommen im Unternehmensalltag. Und zwar nicht als lockeres Probieren-wir-mal-aus, sondern in immer mehr Unternehmen als fester Bestandteil. Prognose, zugegebenermaßen nicht besonders gewagt: Das bleibt so und geht nicht mehr weg. Dennoch aber ist die Zufriedenheit mit den Ergebnissen der Datenanalyse in vielen Fällen nicht besonders groß.

So sind von den Unternehmen, die Datenanalysen einsetzen, nur 28 Prozent damit zufrieden, wie ihnen diese Analysen bei der Erfüllung ihrer regulatorischen Anforderungen helfen. Nur 21 Prozent sehen bei der Erkennung von Betrugsrisiken einen Vorteil in ihren Daten. Und sogar lediglich 15 Prozent gelingt es, die hauseigenen Datenanalysen für die Entwicklung neuer Produkte nutzbar zu machen. Das sind keine guten Werte, keine Frage. Wie kann das sein?

Datenanalyse: Insel-Lösung ohne Chance

Aus unserer täglichen Arbeit sehen wir immer wieder folgendes Phänomen: Viele Unternehmen etablieren in ihren Häusern einzelne Teams, die sich um Digitalisierung, Big Data und Datenanalyse kümmern. Diese Teams arbeiten gut, sind aber letztlich häufig auf sich allein gestellt. Silodenken statt integriertes Miteinander. Ganz zu schweigen von konsequent aufgesetzten Digitalstrategien in den Unternehmen, die nach den Ergebnissen unserer Studie nur bei 29 Prozent der Unternehmen hierzulande vorhanden sind. Ergänzend dazu lässt sich feststellen, dass die Digitalisierung und ihre Erfolge zwar sehr genau in anderen Branchen und Unternehmen beobachtet werden. Der Impuls, selber nach vorne zu gehen und sich als Marktführer zu entwickeln, aber eher schwach vorhanden ist. Motto: Wir beobachten – und adaptieren, wenn es anderswo erfolgreich ist. Digitalisierungsgewinne als Beifang, quasi. Was individuell nachvollziehbar ist, bringt aber ein Problem mit sich: Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht funktionieren.

15

Prozent der Unternehmen, die Datenanalysen einsetzen, können diese Analysen zur Entwicklung neuer Produkte nutzbar machen

Der Grund: Digitalisierung ist nicht in erster Linie eine Frage der Technik. Sondern es ist ein Change-Prozess. Und Change-Prozesse klappen nur, wenn sie umfassend gelebt werden. Da aber viele Innovationen in den Unternehmen isoliert stattfinden, sind die Lernkurven dementsprechend lang. Der Erfolg kommt eben nicht auf Knopfdruck, sondern steht am Ende einer langen und harten Arbeit. OK, könnte man jetzt sagen. Wenn das eigene Unternehmen kurzfristige Wachstumsziele verfolgt, dann konzentriert man sich eben darauf. Oder nicht? Eben nicht.

Digitalisierung als Change-Prozess

Denn immer stärker lässt sich feststellen, wie junge datenaffine Start-ups sich in den Feldern ausbreiten, die derzeit noch Kerngeschäft der etablierten Unternehmen sind. Anders gesagt: Der Wind weht schärfer als je zuvor. Auf der Habenseite können dabei viele Start-ups ihre flachen Strukturen und ihr großes Verständnis dafür, was Kunden wünschen, verbuchen. Ballast wie alte Systeme und starre Strukturen sind ihnen häufig fremd. Natürlich setzen sie viel selbstverständlicher auf Big Data als Unternehmen mit teilweise jahrzehntealten Traditionen. Der Nachteil aus Start-up-Sicht: Häufig fehlt es ihnen an Zugang zum Kunden. Auch die Erfahrung und Kenntnis im Umgang mit regulatorischen Anforderungen ist häufig ein Hindernis. Vor allem in Branchen wie Bank, Versicherung und Gesundheit gilt zudem: Das Vertrauen des Kunden ist der zentrale Wert für den unternehmerischen Erfolg. Und eben hier gilt häufig: Tradition schlägt Newcomer. Tradition jedoch ist kein Wert an sich, sondern kommt mit der Zeit automatisch.

Kluge Unternehmen gehen dabei schon heute auf ihre Mitarbeiter ein. Digitalisierung ist ein Prozess, bei dem die Menschen mitgenommen werden müssen. Ob das beispielsweise in speziellen Design-Thinking-Workshops passiert ist dabei weniger bedeutend wie die Tatsache, dass etwas passiert. Auch bimodale Organisationen, also Unternehmen, die innerhalb ihres Hauses den Wandel bewusst in zwei Geschwindigkeiten und Reifezuständen stattfinden lassen, können damit gut aufgestellt sein. Grob gesagt: Ältere Mitarbeiter bleiben bei den ihnen vertrauten Technologien und Arbeitsweisen, jüngere Mitarbeiter arbeiten auf dem neuesten Stand. Der langfristige Vorteil hierbei: Evolutionär entwickelt sich ein Unternehmen, das anderenfalls Opfer einer Revolution werden würde. Der kurzfristige Vorteil: Unzufriedenheit mit den Ergebnissen von Datenanalysen dürfte eher der Vergangenheit angehören.

Mehr über die Zufriedenheit mit Datenanalysen in deutschen Unternehmen erfahren Sie in der aktuellen Studie „Mit Daten Werte schaffen“. Zum Download geht es hier. 

Mit Daten Werte schaffen 2017

Big Data beginnt sich auszuzahlen – das ist eines der zentralen Ergebnisse der repräsentativen Studie „Mit Daten Werte Schaffen“, für die KPMG in Zusammenarbeit mit Bitkom Research rund 700 Entscheider aus verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen befragt hat.

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11. Juli 2017

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