Energiebranche: Mit Daten Werte schaffen

Energie: Mit Daten Werte schaffen

Energie 4.0 – Neue Chancen für Energieversorger in Zeiten der Energiewende

Keyfacts über Energiebranche

  • Digitalisierung bietet Chancen für Energiesektor
  • Energiemarkt wird kleinteiliger, vielseitiger und digitaler
  • Smart Grid bringt Einsparpotenzial
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Wenn es um die Zukunft der Energiewirtschaft geht, dann fällt auf: Die Branche steht unter Strom. Während die Digitalisierung branchenübergreifend bisherige Geschäftsmodelle umwälzt, hat insbesondere die Energiewirtschaft deutlichen Aufholbedarf. Ein Aufholbedarf, den immer mehr Unternehmen bereits erkannt haben. Das ist eines der Ergebnisse der diesjährigen Studie „Mit Daten Werte schaffen“, die KPMG in Zusammenarbeit mit Bitkom Research erhoben hat. So sagen 81 Prozent der Unternehmen, dass die Analyse von Daten eine immer wichtigere Rolle für die Wertschöpfung in der Energiebranche spielt. Gemessen an den Umfrageergebnissen des Vorjahres ist das ein beachtlicher Zuwachs von 42 Prozent. Für die Studie befragte KPMG Führungskräfte und Geschäftsführer aus rund 700 deutschen Unternehmen unterschiedlichster Branchen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Entstanden ist auf diese Weise ein repräsentatives Bild über die Datennutzung in hiesigen Unternehmen.

„Die Energiewirtschaft in Deutschland muss sich schnell und radikal anpassen, um erfolgreich zu bleiben“, sagt Michael Salcher, Partner und Head of Energy & Natural Resources bei KPMG. Die Digitalisierung biete den Versorgern dabei laut Salcher neue Chancen – und eine Perspektive in Zeiten der Energiewende. Dabei haben die Versorger insbesondere zwei Schwierigkeiten zu überwinden: An der Schnittstelle zwischen Kunde und Anbieter ist davon auszugehen, dass künftig verstärkt externe Anbieter aus der Informations- und Technologiebranche auf den Markt drängen. Deren Geschäftsmodell aber liege eher im Bereich der Datenverarbeitung als im Bereich der Stromversorgung. Die zweite Herausforderung für die Energiewirtschaft bestehe darin, die erforderlichen Kapazitäten und Mittel freizustellen, die für die nächsten Innovationssprünge erforderlich seien.

63%

der Energieunternehmen nutzen Datenanalysen zur Verbesserung des Kundenmanagements

 

Nach den Ergebnissen der KPMG-Studie konzentrieren sich bisherige Datenanalysen im Energiesektor insbesondere auf eine Verbesserung im Kundenmanagement. 63 Prozent der befragten Unternehmen sagten, dass hier der primäre Anwendungsbereich der Daten liege. Zum Vergleich: In der deutschen Gesamtwirtschaft spielt die Auswertung von Daten im Rahmen der Kundenbeziehung mit lediglich 38 Prozent eine wesentlich geringere Rolle. „Hier liegt der Energiesektor eindeutig an der Spitze. Auf lange Sicht wird die reine Auswertung von Kundendaten aber nicht reichen“, sagt Salcher. Er empfiehlt der Energiewirtschaft, jetzt schon die richtigen Schlüsse zu ziehen und weiterzudenken. Trotz des anhaltenden Transformationsprozesses müssen sich Energieversorgungsunternehmen Digitalisierungsprojekten weiter öffnen und dabei verstärkt auch auf Kooperationen mit branchenfremden Unternehmen  setzen. Zudem sei es wichtig, den eigenen Markenkern innerhalb der neu entstehenden digitalen Wertschöpfungskette zu identifizieren.

Energiewirtschaft der Zukunft: kleinteiliger, vielseitiger

Konkrete digitale Projekte sind jedoch bislang noch eher selten. „Das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer erweiterten Datenverarbeitung bildet den Grundstein, um einen Schritt weiterzugehen und selbst Smart-Energy-Lösungen für den Endkunden anzubieten“, sagt Salcher. „Aufzuhalten ist die digitale Transformation ohnehin nicht mehr. Also kommt es jetzt darauf an, sie zu gestalten.“ Der Energiemarkt der Zukunft wird kleinteiliger und vielseitiger sein. Dazu tragen Solarzellen auf heimischen Hausdächern ebenso bei wie Windräder in der Nordsee und Wohnhäuser in Ballungsgebieten mit eigenem Blockheizkraftwerk im Garten. „Wer heute Kunde ist, wird morgen vielleicht schon selber Stromerzeuger – wenn auch im kleinen Umfang. Für den Versorger steigen zum einen die Herausforderungen, beispielsweise an das Stromnetz,  aber zum anderen auch die Möglichkeiten, mehr Informationen im Markt zu generieren. Je mehr Informationsmöglichkeiten bestehen, desto mehr ist eine intelligente Steuerung möglich und auch nötig“, sagt Salcher.

Smart Grid – die intelligente Vernetzung

Zu den Erfolgsfaktoren bei der digitalen Transformation gehören laut Salcher eine effizientere Netznutzung durch Smart Grid, also die intelligente Vernetzung der verschiedenen Akteure in allen Bereichen von der Stromerzeugung bis zum Verbrauch. „Sowohl zukünftige Investitionen als auch die laufenden Kosten für Betrieb und Instandhaltung der erforderlichen Infrastruktur lassen sich im Rahmen der Digitalisierung senken“, sagt Salcher. Intelligente Netze identifizieren Engpässe genauer und ermöglichen durch punktuelle Eingriffe eine Verbesserung des Verteilnetzes. Auch durch die Vernetzung verschiedener großer und kleiner Erzeugungseinheiten profitiere die Energiewirtschaft. Sogenannte virtuelle Kraftwerke sorgen für den effizienten Einsatz des zusammengeschalteten Kraftwerkparks.

„Vom auf diese Weise entstehenden Einsparpotenzial wird in einem liberalisierten Strommarkt auch der Endkunde profitieren“, meint Salcher. „Immerhin konnte trotz der gestiegenen staatlichen Abgabenlast pro Kilowattstunde der Strompreis für Privathaushalt seit 2013 konstant gehalten werden.“ Zusätzlich können mit der Ausweitung Smart Meter Technologie im nächsten Jahr neue Tarifmöglichkeiten entstehen, die den Verbrauchern übersichtlichere Abrechnungen ermöglichen. „Das Ergebnis ist hier nicht anders als in anderen Bereichen des Lebens: Wer seinen Verbrauch kennt, kann ihn steuern und dadurch Geld sparen“, sagt Salcher.

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15. August 2016
Zusammengefasst

»Das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer erweiterten Datenverarbeitung bildet den Grundstein, um einen Schritt weiterzugehen und selbst Smart-Energy-Lösungen für den Endkunden anzubieten.«

Die Energiewirtschaft muss sich trotz des anhaltenden Transformationsprozesses weiter für Digitalisierungsprojekte öffnen und dabei verstärkt auch auf Kooperationen mit branchenfremden Unternehmen setzen. Smart Grid, virtuelle Kraftwerke und intelligente Stromzähler sind nur einige Beispiele für eine gelungene Integration von Digitalisierung in der Energiewirtschaft.

Michael Salcher Head of Energy & Natural Resources
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Kommentare

Was können Energieunternehmen anbieten, um in der Digitalisierung erfolgreich zu sein?

Kommentar von Klaus Müller
28. Februar 2017 | 04:38 Uhr

Energieunternehmen haben Know-how, Erfahrung, genießen oft das Vertrauen der Kunden, sind lokal und in der Branche vernetzt und erfüllen viele Anforderungen von Seiten des Gesetzgebers. Das haben sie oft den neuen Playern voraus - die sind aber oft viel digitaler, haben Erfahrung und Know-how im Datengeschäft. Wenn EVUs und Stadtwerke die Digitalisierung als Chance (siehe hier: Link entfernt, die Redaktion) sehen und sich Allianzen bilden, dann könnte das eine fruchtbare Situation werden ...

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