Künstliche Intelligenz: Der Abflug verspätet sich

KI: Der Abflug verspätet sich

Warum Unternehmen im Moment über künstliche Intelligenz zwar reden, sie aber kaum nutzen

Keyfacts über KI

  • KI spielt in Unternehmen eine untergeordnete Rolle
  • Viele Unternehmen sehen derzeit keine Anwendungsfälle
  • KI dürfte künftig ein wichtiger Erfolgsfaktor sein
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Wohl kaum ein Begriff ist in der momentanen Diskussion über Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit so präsent wie Künstliche Intelligenz. Das ist wenig überraschend; sind lernende Roboter – mal als Schreckgespenst, mal als Heilsweg – doch eine besonders schillernde und die Phantasie anregende Technologie. Mitunter entsteht dann der Eindruck, dass das Zeitalter der denkenden Maschinen unmittelbar bevorstünde. Gemessen an den Ergebnissen unserer jüngsten Studie „Mit Daten Werte schaffen“ zum Nutzen und der Erwartung an Datenanalysen in deutschen Unternehmen lässt sich jedoch sagen: Der Eindruck täuscht.

Tatsächlich steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen. Die meisten Unternehmen scheuen den aufwändigen Einsatz und die hohen Kosten, die bei der Entwicklung und Erprobung von KI entstehen. Auch wenn die zugrunde liegende Technologie in den letzten Jahren Riesenfortschritte gemacht hat – die Anwendung „out of the box“ im eigenen Unternehmen ist heute nur in Ausnahmefällen möglich. Vieles ist Stückwerk, das im Rahmen eines Projekts erst einmal zu einer Lösung zusammengesetzt werden muss. Und dann meistens auch nur für diesen einen speziellen Anwendungsfall nutzbar ist. Und das bei oft unklarem Ausgang – wenn man sich außerhalb der bereits einigermaßen „reifen“ aber eben auch sehr engen Einsatzbereiche wie das automatische Lesen und Interpretieren bestimmter Arten von Dokumenten wie beispielsweise Verträgen bewegt.

Wie stark setzen die unterschiedlichen Branchen auf KI und Cognitive Computing? Unsere Fotostrecke zeigt die Ergebnisse der aktuellen KPMG-Studie „Mit Daten Werte schaffen

In der Automobilbranche haben 16 Prozent der Unternehmen bereits cognitive computing im Einsatz. Weitere sieben Prozent planen einen künftigen Einsatz.

Im Handel kommen bei elf Prozent der Unternehmen künstliche Intelligenzen zum Einsatz. Weitere fünf Prozent der Unternehmen wollen das künftig auch tun.

Die Transport- und Logistikbranche setzt in jedem zehnten Unternehmen auf cognitive computing. Weitere 18 Prozent der Unternehmen wollen das künftig auch tun.

Sieben Prozent der Unternehmen im Maschinen- und Anlagebau haben derzeit KI im Einsatz. Fünf Prozent wollen damit künftig beginnen.

Sieben Prozent der Banken setzen derzeit auf Künstliche Intelligenz. Weitere acht Prozent wollen künftig nachziehen.

In der Telekommunikationsbranche haben sechs Prozent der Befragten künstliche Intelligenzen im Einsatz - weitere sechs Prozent wollen das künftig ebenfalls tun.

Vier Prozent der Unternehmen aus der Energiebranche haben KI im Einsatz. Beachtliche 20 Prozent planen den Einsatz von künstlicher Intelligenz für die Zukunft.

In der Chemie- und Pharmabranche spielt cognitive computing kaum eine Rolle: Nur ein Prozent der Unternehmen setzt die Technologie bereits ein. Künftig wollen zehn Prozent der Unternehmen hier investieren.

Bei den Versicherungen setzen nur vier Prozent der Befragten auf KI. Den künftigen Einsatz von KI planen weitere elf Prozent der Unternehmen.

In der IT- und Elektronikbranche haben vier Prozent der Unternehmen künstliche Intelligenzen im Einsatz. Weitere zwölf Prozent planen den Einsatz.

Nur ein Prozent der befragten Medienunternehmen setzt auf KI. Künftig wollen 15 Prozent der Unternehmen hier nachziehen.

In der Gesundheitsbranche setzen vier Prozent aller Unternehmen auf KI. - und dabei dürfte es bleiben. Kein einziges Unternehmen plant laut unserer Studie derzeit weitere Investments in diesem Bereich.

Gemeinhin gilt: Eine neue Technologie setzt sich dann durch, wenn sie für die Wertschöpfungsketten von Unternehmen Mehrwert stiftet. Sei es durch Optimierung der bestehenden Wertschöpfungsketten oder das Ermöglichen neuer Wertschöpfungsketten. Der Mehrwert ist am Endes des Tages in drei simplen Kategorien beschreibbar: Eine Technologie kann, erstens, dazu beitragen, den Umsatz zu steigern. Sie kann, zweitens, auch dazu genutzt werden, die vorhandenen Kosten innerhalb eines Unternehmens zu reduzieren. Als dritte Einsatzmöglichkeit kommt die Minimierung von Risiken in Frage.

KI: Beitrag zur Wertschöpfungskette noch nicht erkannt

Diese drei Kriterien für Mehrwert gelten auch für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen. Und hier tun sich Unternehmen aktuell schwer, die Frage nach dem potentiellen Mehrwert durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im eigenen Unternehmen zu beantworten und damit Investitionen im Sinne eines klassischen Business Case zu rechtfertigen. Die Unternehmen, die sich trotzdem auf den Weg gemacht haben, treibt daher vor allem die Frage, welches disruptive Potenzial in der künstlichen Intelligenz für das eigene Geschäftsmodell und die damit verbundenen Wertschöpfungsketten stecken kann.

Zusammengefasst bedeutet das für den Einsatz von KI: Eine direkte und klare betriebswirtschaftliche Notwendigkeit ergibt sich heute nur in Einzelfällen. Die theoretische Bereitschaft für den Einsatz von KI ist in den Unternehmen hingegen in steigendem Maße vorhanden. Und das völlig zurecht. Denn was heute noch wie eine interessante Fingerübung aussehen mag, kann morgen schon zu einem entscheidenden Faktor des zukünftigen Erfolgs werden. Die Entwicklung der letzten drei Jahre im Bereich KI deutet klar in diese Richtung. Unternehmen sollten sich daher schon heute systematisch mit den Möglichkeiten der KI auseinandersetzen – auch wenn es sich im Einzelfall noch nicht rechnen mag.

Zur kompletten Studie „Mit Daten Werte schaffen“ gelangen Sie hier. 

Mit Daten Werte schaffen 2017

Big Data beginnt sich auszuzahlen – das ist eines der zentralen Ergebnisse der repräsentativen Studie „Mit Daten Werte Schaffen“, für die KPMG in Zusammenarbeit mit Bitkom Research rund 700 Entscheider aus verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen befragt hat.

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19. Juli 2017
Zusammengefasst

»Künstliche Intelligenz steckt als Technologie noch in den Kinderschuhen. Die meisten Unternehmen scheuen den aufwändigen Einsatz und die hohen Kosten, die bei der Entwicklung und Erprobung von KI entstehen.«

Die aktuelle Studie "Mit Daten Werte schaffen" belegt: Künstliche Intelligenz und Cognitive Computing spielen derzeit in deutschen Unternehmen kaum eine Rolle. Wir zeigen ihren Einsatz im Branchenüberblick.

Thomas Erwin Partner, Advisory
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