Der Staat braucht mehr Start-up-Spirit

Der Staat braucht mehr Start-up-Spirit

Start-ups als Innovationspartner für den öffentlichen Sektor - warum nicht?

Keyfacts über Start-ups

  • Deutschland nur auf Platz 20 beim EU-Digitalisierungsindex für die öffentliche Verwaltung
  • Bürger begrüßen digitale Angebote der öffentlichen Verwaltung
  • Start-ups können Wegbereiter des smarten Staats werden
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Alle reden von der Digitalisierung. Auch für die öffentliche Verwaltung in Deutschland ist es das Thema Nummer eins. Trotzdem überreichte im Juli der Normenkontrollrat seinen Jahresbericht 2017 an die Bundeskanzlerin ganz klassisch analog, in gedruckter Form. Dabei hatte das unabhängige Gremium eine deutliche Botschaft: Beim Thema E-Government besteht dringender Handlungsbedarf. Die Chancen der Digitalisierung blieben ungenutzt, ein ressort- und länderübergreifendes Vorgehen der Verwaltung sei kaum erkennbar. Und auch die EU verweist Deutschland in ihrem Digitalisierungsindex 2017 im Bereich digitale öffentliche Dienste auf Platz 20. Ein unterdurchschnittliches Ergebnis, nur acht EU-Länder sind in diesem Bereich noch schlechter aufgestellt. Dazu kommt die ernüchternde Einschätzung: „Dies ist der Bereich, in dem Deutschland (…) so gut wie keine Fortschritte macht“.

Länger als ein Saunagang sollte es nicht dauern

Andere Länder stehen da deutlich besser dar: In Sachen E-Government hat sich vor allem das kleine Estland einen Namen gemacht. Wahlen und Kabinettsitzungen werden online abgehalten, Bürger besitzen eine elektronische Identität und sogar ein Staatsvertrag mit Finnland wurde schon virtuell mit elektronischer Signatur unterzeichnet. Dort ein Unternehmen zu gründen und registrieren zu lassen dauert nur einige Minuten; ungefähr so lange wie ein Saunagang, wie ein estnischer Regierungsvertreter anmerkte. Auch in Deutschland würden es sicherlich viele Bürger begrüßen, wenn alle Verwaltungsgänge ohne Zugangsschwellen, Behördenwust und Wartenummer zu jeder Zeit vom heimischen Wohnzimmer aus erledigt werden könnten – so wie man es von digitalen Dienstleistern her kennt.

Warum Start-ups und öffentliche Verwaltung sich annähern sollten

Die öffentliche Verwaltung soll natürlich nicht zum hippen Gründercampus werden, aber etwas Start-up-Spirit täte ihr sicher gut. Start-ups zeichnen sich durch ihre Innovationsfreude aus. Ihre Unternehmenskultur ist fehlertolerant und erlaubt es, zu experimentieren. Diese Eigenschaften heben sie deutlich von der öffentlichen Verwaltung ab – dies auch zu Recht, denn die Bevölkerung erwartet von der Verwaltung in erster Linie Zuverlässigkeit und gründliche Entscheidungen. Start-ups könnten aber Brutkästen für neue Ideen sein und mit ihren Produkten und Dienstleistungen den digitalen Wandel der öffentlichen Verwaltung unterstützen. Davon profitiert die Verwaltung und für Start-ups tut sich mit Behörden und öffentlichen Unternehmen ein neuer Markt auf. Doch leider weiß man bisher noch zu wenig voneinander und eine konkrete Zusammenarbeit ist noch recht selten.

Start-ups bieten Lösungen für einen smarten Staat

Dass der Staat auch vom Ideenreichtum der Start-ups profitieren kann, ist ein neuer Ansatz in der Digitalisierungsdebatte. Start-ups entwickeln Lösungen, die zumeist höchst pragmatisch sind und die öffentliche Verwaltung ein Stück effizienter, leichter zugänglich und bürgerfreundlicher machen können. Unser Institut für den öffentlichen Sektor lädt deshalb dieses Jahr zum zweiten Mal Start-ups zu einem Ideenwettbewerb ein, bei dem diese vor einem Publikum aus der öffentlichen Verwaltung ihre Lösungen für den smarten Staat vorstellen können. Letztes Jahr wurde eine ganze Reihe spannender und praxisnaher Konzepte präsentiert: Von der Arbeitsvermittlungsplattform für Geflüchtete über eine Lösung zur ländlichen Schülerbeförderung, ein Instrument zur innovativen Bürgerbeteiligung bis hin zur smarten Mülltonne oder einer Dienstleistung, die dem Bürger den Behördengang komplett abnimmt. Die Vorschläge waren alle ausgesprochen innovativ und kamen beim Publikum sehr gut an. Mit so vielen Lösungen dürfte Deutschland gute Chancen haben, bei den nächsten E-Government-Rankings einen deutlich besseren Tabellenplatz einzunehmen.

Es gibt sicherlich noch viele weitere Ideen. Start-ups sind eingeladen, sich noch bis zum 5. September an unserem Call for Ideas 2017 zu beteiligen. Die Präsentationen finden dann auf der zweiten myGovernment-Veranstaltung am 26. Oktober 2017 in der Gründerhauptstadt Berlin statt.

Nehmen Sie auch an der Befragung zur Zusammenarbeit von Start-ups und öffentlicher Verwaltung teil. Mehr Informationen unter www.my-government.de

09. August 2017
Zusammengefasst

»Start-ups zeichnen sich durch ihre Innovationsfreude aus. Ihre Unternehmenskultur ist fehlertolerant und erlaubt es, zu experimentieren. «

Alle reden von der Digitalisierung. Auch für die öffentliche Verwaltung in Deutschland ist es das Thema Nummer eins. Trotzdem überreichte im Juli der Normenkontrollrat seinen Jahresbericht 2017 an die Bundeskanzlerin ganz klassisch analog, in gedruckter Form. Dabei hatte das unabhängige Gremium eine deutliche Botschaft: Beim Thema E-Government besteht dringender Handlungsbedarf. Die Chancen der Digitalisierung blieben ungenutzt, ein ressort- und länderübergreifendes Vorgehen der Verwaltung sei kaum erkennbar.

Ferdinand Schuster Geschäftsführer Institut für den öffentlichen Sektor e.V.
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