Start-ups: Wer nicht skaliert, verliert

Wer nicht skaliert, verliert

Der Deutsche Startup Monitor zeigt im fünften Jahr, wie die Gründer-Szene aufgestellt ist

Keyfacts über Startup Monitor 2017

  • 1.837 Start-ups
  • 4.245 Gründerinnen und Gründer
  • 19.913 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
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Die gute Nachricht gleich am Anfang: Der Zahl der Gründer hierzulande steigt. Unternehmer werden, die Dinge selbst in die Hand nehmen, ist eine attraktive Perspektive für viele Menschen. Auch der Anteil der Gründerinnen nimmt weiter zu, wenn auch in kleinen Schritten.

So weit, so gut. Aber ist wirklich alles gut? Der aktuelle Deutsche Startup Monitor und dessen Ergebnisse zeigen neben vielen positiven Trends auch eine Entwicklung auf, die die Start-up-Szene zum Nachdenken anregen sollte. Warum? Schaut man genau auf die Zahlen, springt Folgendes ins Auge: Der Anteil der VC-finanzierten Unternehmen ist seit 2013 kontinuierlich gesunken ist – von rund 21 auf knapp 16 Prozent. Im gleichen Zeitraum haben Gründer immer mehr auf staatliche Fördermittel zurückgegriffen. Die Quote ist von 29 Prozent auf fast 35 Prozent gestiegen.

Will man es sich leicht machen, erklärt man diesen Umstand mit bekannten Ursachen: Weltweit sinken seit zwei Jahren die Finanzierungsvolumina im Venture Capital-Sektor. Der Mangel an Risikokapital – gerade im Wachstumsbereich – ist ja ein bekanntes Problem. Die regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland haben entscheidenden Anteil daran. Die Leidtragenden sind die Start-ups. Sie sind externen Faktoren ausgesetzt, auf die sie keinen oder nur geringen Einfluss haben.

Warum Skalierbarkeit alles ist

Aber kann das schon alles sein? Ist es so einfach? Bei näherer Betrachtung der Datenlage frage ich mich, ob es nicht noch weitere Ursachen für diesen Prozess gibt, die durchaus auch hausgemacht sein könnten. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, eine Delegation deutscher Start-ups auf eine Konferenz nach New York zu begleiten. Auf dem Programm stand ein „Questions & Answers“ (Q&A) mit US-Investoren zu deren Anforderungen an ein Investment. Ein bekannter Angel Investor brachte es in zwei Sätzen auf den Punkt: „Wir sind hier im Exit-Business. Wenn du im Exit-Business bist, ist Skalierung alles.“

82,7

Prozent der befragten Start-ups wollen im Ausland weiter wachsen – so viele wie noch nie. Attraktivstes Ziel sind vor allem EU-Länder.

Lässt man diese Aussage wirken, ist es durchaus beachtenswert, dass die deutschen Gründer bei der Frage nach ihren strategischen Prioritäten Profitabilität noch vor dem schnellen Wachstum nennen. Noch überraschender ist, dass nur knapp 32 Prozent ihr Geschäftsmodell als „sehr skalierbar“ einschätzen. Ist den restlichen rund 68 Prozent überhaupt bewusst, dass sie ihrem Unternehmen damit eine VC-Eignung absprechen? Denn auch ein „ziemlich skalierbares“ Geschäftsmodell, welches sich immerhin knapp 36 Prozent der Gründer attestieren, wird einen VC-Investor auch nur verhältnismäßig wenig interessieren.

Ich gebe zu, diese Analyse der Studienergebnisse ist unbequem. Aber sie ist auch eine Chance für deutsche Gründer. Denn sie hilft bei der Suche nach einer vollständigen Antwort auf die Frage: Warum tun sich deutsche Start-ups mit einer VC-Finanzierung so schwer? Eine Verbesserung gesetzlicher Rahmenbedingungen für Wachstumskapital ist zweifelsfrei angesagt. Aber Gründer sollten sich darüber hinaus stärker – und hier liegt der springende Punkt – auf die Skalierbarkeit ihrer Geschäftsmodelle konzentrieren. Ein besseres Verständnis für die besonderen Bedürfnisse, die das Geschäftsmodell eines VC-Investors mit sich bringt, wäre ebenfalls hilfreich. Für viele Gründer sind diese Erkenntnisse gewiss nicht neu. Doch in puncto Umsetzung scheint es noch Nachholbedarf zu geben.

Leuchtturm Berlin

Richtig interessant wird die Sache, schaut man sich den Anteil der VC-finanzierten Unternehmen in Berlin an: Deren Zahl ist nicht nur etwa doppelt so hoch wie der deutsche Durchschnitt, sondern nimmt gegen den Trend auch noch zu. Erstaunlich. Aber Berliner Gründer profitieren schlicht und ergreifend von Netzwerkeffekten. Fast alle Venture Capital Geber werden mit Finanzierungsanfragen überhäuft. Dies führt dazu, dass sich viele Investmentmanager nur solche Anfragen intensiver ansehen, die ihnen aus ihrem eigenen Netzwerk empfohlen werden.

Was folgt daraus? Start-ups benötigen besseren Zugang zu diesen Netzwerken, sie sind eine entscheidende Voraussetzung für eine Finanzierung. Dazu braucht es auch relevante Cluster, in denen sich derartige Netzwerkeffekte bilden können.

Mut und Macher: Deutscher Startup Monitor 2017

Mehr als 1.800 Start-ups mit knapp 20.000 Mitarbeitern gewähren tiefe Einblicke in die deutsche Start-up-Landschaft.

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18. Oktober 2017
Zusammengefasst

»Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, eine Delegation deutscher Start-ups auf eine Konferenz nach New York zu begleiten. Ein bekannter Angel Investor brachte es dort in zwei Sätzen auf den Punkt: „Wir sind hier im Exit-Business. Wenn du im Exit-Business bist, ist Skalierung alles.“«

Eine Verbesserung gesetzlicher Rahmenbedingungen für Wachstumskapital ist zweifelsfrei angesagt. Aber Gründer sollten sich darüber hinaus stärker – und hier liegt der springende Punkt – auf die Skalierbarkeit ihrer Geschäftsmodelle konzentrieren. Ein besseres Verständnis für die besonderen Bedürfnisse, die das Geschäftsmodell eines VC-Investors mit sich bringt, wäre ebenfalls hilfreich.

Tim Dümichen Partner, Tax, Smart Start
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