Warum der Kampf gegen Geldwäsche dringender ist denn je

Neue EU-Geldwäscherichtlinien ändern die Anforderungen an Industrieunternehmen

Keyfacts

  • Neue EU-Geldwäscherichtlinie kommt
  • Globalisierung macht Geldwäsche komplexer
  • Verdachtsfälle auf Rekordhoch
Barbara Scheben
  • Partnerin, Compliance & Forensic
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Im Kampf gegen Geldwäsche müssen nicht nur Behörden und Banken gut zusammenarbeiten. Auch der Nichtfinanzsektor muss endlich handeln. Die bevorstehenden Anpassungen, die die vierte EU-Geldwäscherichtlinie mit sich bringen wird, sollten jetzt auch Industrieunternehmen aufhorchen lassen.

Geht es um Geldwäsche, denken viele an dubiose Geschäftsmänner mit Koffern voller Bargeld. Die Sache stellt sich in der Realität allerdings etwas komplizierter dar. Geldwäsche funktioniert grenzüberschreitend und international. Die Globalisierung der Finanzmärkte hat dazu geführt, dass die Methoden der Geldwäsche komplexer und die Verfolgung und Eindämmung illegaler Transaktionen schwieriger geworden sind.

Das Ziel der Geldwäscher: Größere Mengen illegal erwirtschaftetes Geld in den legalen Finanz- und Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Dazu missbrauchen sie auch Industrieunternehmen.

Die Meldung von Verdachtsfällen bricht in diesem Jahr Rekorde

24.045 Geldwäscheverdachtsmeldungen gingen im Jahr 2014 bei der Financial Intelligence Unit (FIU) ein. Als Zentralstelle des Bundeskriminalamts sammelt die FIU alle Meldungen von Banken und Unternehmen über verdächtige Transaktionen und wertet diese aus. Eine zweistellige Steigerungsrate, ein neuer Rekord und die Fallzahlen schnellen weiter nach oben, wie wir dem Jahresbericht 2014 der FIU entnehmen können.

Nach wie vor trägt der Finanzsektor zu 99 Prozent die Hauptlast der Bekämpfung der Geldwäsche. Der Anteil des „Nichtfinanzsektors“ liegt bei nur etwa einem Prozent aller überhaupt erstatteten Meldungen. Dieses Meldeverhalten passt in keiner Weise zur wirtschaftlichen Bedeutung dieser Gruppe, wie das FIU richtig bemerkt. Warum aber wird der Geldwäsche in diesem Sektor so wenig Aufmerksamkeit gewidmet? Liegt es an den fehlenden spektakulären Verfahren und Verurteilungen?

Unternehmen stehen vor gesetzlichen Verschärfungen

Vor allem Industrie- und Handelskonzerne sind einem erheblichen Geldwäscherisiko ausgesetzt. Denn wo Betrug und Korruption zu finden sind, also illegales Geld fließt, kann Geldwäsche nicht weit sein und Geldwäsche ist die kleine Schwester der Korruption.

Die bevorstehenden Anpassungen, die die vierte EU Geldwäscherichtlinie mit sich bringen wird, sollten jetzt auch Unternehmen aufhorchen lassen. Ihnen drohen erhöhte Bußgelder und verschärfte Sanktionen. Im Falle eines Verstoßes gegen das Geldwäschegesetz ist sogar mit einer Publizierung des Unternehmensnamens in der Presse zu rechnen.

Die Risikoanalyse wird der zentrale Ausgangspunkt der Geldwäschebekämpfung

Zu berücksichtigen sind Länder-, Transaktions-, Kunden-, Unternehmens- und Produktbezogene Risiken. Einen weiteren Schwerpunkt bildet das „Know your costumer“-Prinzip.
Durch eigene Recherchen – Google reicht dazu leider nicht – und die Vorlage aussagekräftiger Dokumente, sollen der Vertragspartner sowie der wirtschaftlich Berechtigte eines Unternehmens zweifelsfrei identifiziert und die legale Herkunft des Vermögens geklärt werden. Stellt sich heraus, dass der Geschäftspartner eine politisch exponierte Person ist oder erscheint der Sachverhalt zweifelhaft oder ungewöhnlich, sind verstärkte Sorgfaltspflichten gefordert.

Es wird nur eine Frage der Zeit sein bis die Geldwäscheaufsicht nach einer Geldwäsche-Risikoanalyse eines Industrieunternehmens fragt oder sich die Wirksamkeit der implementierten Geldwäschemaßnahmen belegen lässt.

Alles geht so weiter wie bisher? Mitnichten!

Auch wenn das Meldeverhalten der Güterhändler, Steuerberater, Notare und Immobilienmakler auf einem nach wie vor niedrigen Niveau ist: Steigerungsraten von 50 Prozent lassen hoffen, zum Beispiel bei den Güterhändlern von 100 Meldungen im Jahr 2013 auf 149 Meldungen im Jahr 2014.

Die Vermeidung von Geldwäsche gehört nicht mehr nur in die Hände der Behörden oder als Feigenblatt in den Code of Conduct – sondern auch auf die Agenda des Managements von Industrie- und Handelsunternehmen.

Barbara Scheben
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